65 Zeugen im Mammutprozess um Erlanger Mordfall

Nürnberg/Erlangen - Zwei Jahre nach der Bluttat soll in einem Mammutprozess vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth der Erlanger Mordfall "Jessica" aufgeklärt werden.

Für das am 10. Juni beginnende Strafverfahren gegen die 28 Jahre alte Angeklagte seien 16 Verhandlungstage eingeplant, teilte ein Justizsprecher am Mittwoch mit. Zur Aufklärung des Verbrechens von Ende Juni 2008 sollen 65 Zeugen und 9 Sachverständige gehört werden. Mit dem Urteil sei wegen zwei längerer Verhandlungspausen im August und September erst am 27. September zu rechnen, sagte der Sprecher.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten vor, im Juni 2008 die 26 Jahre alte Mutter zweier Kinder in deren Wohnung erstochen zu haben. Das Opfer war eine Nachbarin der Frau und hieß Jessica. Mit ihrer Tat soll die mutmaßliche Mörderin versucht haben, eine andere Straftat zu verdecken. Sie war vier Monate nach der Bluttat festgenommen worden, nachdem anfänglich der Ehemann des Opfers in Verdacht geraten war.

Nach Erkenntnissen der Ermittler hat die mittlerweile in Untersuchungshaft sitzende Angeklagte die Kreditkarte des Ehemannes der zweifachen Mutter gestohlen. Damit soll sie für 7000 Euro eingekauft haben - mit gefälschter Unterschrift. Als das Opfer Verdacht schöpfte, dass dahinter ihre Nachbarin stecken könnte, versuchte sie, eine Gegenüberstellung der 28-Jährigen mit einem Bankangestellten zu organisieren.

Um Jessica von dieser Idee abzubringen, soll die Tatverdächtige sie in deren Wohnung besucht haben. Da die 26-Jährige weiter an ihrem Vorhaben festhielt, soll die Angeklagte mehrfach auf die zweifache Mutter eingestochen haben. Der Obduktionsbericht spricht von insgesamt 40 Stich- und Schnittverletzungen.

Eine 35-köpfige Sonderkommission war mehr als 300 Spuren nachgegangen, 400 Menschen aus dem Umfeld der Getöteten wurden zu den Geschehnissen am Tattag befragt. Mit Hilfe eines Täterprofils wurde die Soko schließlich auf die Spur der Angeklagten gebracht. Im Fall einer Verurteilung droht der 28-Jährigen eine lebenslange Freiheitsstrafe.

dpa

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