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Klimatische Probleme in Ecuador – Referent des Erzbischöflichen Ordinariats in Emmering


Nachricht von: Kreisbote
Fürstenfeldbruck, 03.02.2012 12:00


Klaus Nöscher sprach über die Menschen in der Provinz Chimborazo/Ecuador und die Ursachen für den Klimawandel weltweit. Foto: Günter Schäftlein
Von GÜNTER SCHÄFTLEIN, Emmering –

Klaus Nöscher, in der Münchner Diözesanstelle für Mission, Entwicklung und Frieden auch zuständig für das südamerikanische Ecuador, referierte am 1. Vortragsabend im Pfarrsaal des kath. Zentrums über das hochgelegene Andenland aus eigener, mehrjähriger Erfahrung (zuletzt 2010).
Eingeladen hatte das Brucker Forum.


Hans Dieter Kuchenmeister, Bildungsbeauftragter des Forums in Emmering, übernahm die Begrüßung des Gastreferenten. Die Diözese München-Freising unterhält schon längerfristig Kontakte zu allen Diözesen in Ecuador. Das vereinfacht die Datensammlung über Entwicklungen dort. Man unterstützt in einem überwiegend von Kleinbauern geprägten Hochland mit zunehmenden Erosionsschäden landwirtschaftliche Projekte: Seit 1990 „Land für Indios“, seit 2005 Lamaprojekt, Aufforstung als Windschutz, Bäume und Sträucher als Ackerraine, Erhalt der Moorlandschaften. Dies in einer Größenordnung von 2 Millionen US-Dollar. Mangels einer eigenständigen Landeswährung gilt der Dollar als Zahlungsmittel. Nöscher erinnerte daran, dass die CO2-Belastungen der Erde inzwischen auch die südamerikanische Westküste mit dem Klimaphänomen El Nino erreicht hat: Der schützende kalte Humboldt-Meeresstrom wird durch aufgeheiztes Wasser aus dem pazifischen Äquatorraum von der Küste abgedrängt. Mit der Folge, dass sich intensive Niederschlagszonen vor dieser Westküste mit Starkregen aufbauen, die das Land in seiner gesamten Länge durch gewaltige Überschwemmungen erodieren lassen.

Alles eine Folge der weltweit gerade durch die Industriestaaten angewachsenen CO2-Emissionen, die verhindern, dass die zuviel empfangene Wärme wieder abgestrahlt wird. Und hier insbesondere durch die USA, Australien (Kohlekraftwerke, Klimaanlagen), Russland, Deutschland, Japan, Polen, Frankreich - aber auch Bayern liegt mit geschätzten 7 to CO2-Emission pro Jahr und Kopf um das Doppelte höher als „nachhaltig verträglich“. Nöscher sagt „Die Verursacher sind also eindeutig die Industriestaaten, aber der Klimawandel trifft insbesonders die Armen dieser Welt.“ Für ihn ist der Klimawandel eine Frage der Gerechtigkeit - der Generationen- und Schöpfungsgerechtigkeit. Und: „Wir hinterlassen unseren Nachkommen nicht nur riesige monetäre Schulden, sondern auch noch endlose CO2-Belastungen.“

Für die Bauern in der ecuadorischen Provinz Chimborazo gibt es kein ausgeglichenes Wetter mehr. Sie kennen nur noch un-vorhersehbare Trocken- und Starkregenzeiten. Aber das Wasser fließt auf ausgetrockneten Böden zu schnell ab, wenn man nicht Vorsorge trifft, es zu lenken, versickern zu lassen, aufzufangen in einem Wasserhaushalt. „Für die Bauern wird es schwierig, noch gute Ernten zu erzielen." Auch die Viehbestände sind rückläufig. Das mündet schlussendlich in die bestürzende Feststellung „Den Armen fehlt Nahrung.“ Arme sind abhängig von der Landwirtschaft. Sie haben keinen Versicherungsschutz. Es existiert kein staatliches Gesundheitswesen. Sie leben überwiegend in gefährdeten Gebieten und können von ihren Regierungen keine Hilfe erwarten, keine Rücklagen bilden. Sie verfügen kaum über Lagerhaltung von Lebensmitteln und Katastrophenvorsorge. Es fehlt an Geld für Deiche, Hochwasserschutz, feste Häuser. In der Provinz Chimborazo mit 10 Kantone und 450.000 Einwohner - davon zwei Derittel Indios - leben 75% der Männer und 72% der Frauen in der Landwirtschaft. Kantone wie Guano und Mausi sind hochgelegen bis 3600 m noch besiedelt und bewirtschaftet: 83/86% der Bevölkerung sind arm, 50/70% davon extrem arm, 28% der Frauen und 15% der Männer Analphabeten. Die Provinz braucht Hilfe von außen, aus Europa: Um weitere Abschwemmungen und Erdrutsche zu verhindern, die landwirtschaftliche Erzeugung zu erhöhen, die Organisation der Landbevölkerung zu stärken, um Mustergärten für den Gemüse- und Obstbau anzulegen, den Paramo-Fluss zu renaturieren.

Weitere Informationen über H.D. Kuchenmeister, Tel. 08141-92412, e-M;ail: hdk44@t-online.de

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