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Ein Brunnen im Innenhof


Nachricht von: Kreisbote
Füssen / Pfronten / Reutte, 04.01.2012 23:00


Das Gemälde von Carl Scharold gehört jetzt dem Museum der Stadt Füssen. Foto: Kulturamt
Von KREISBOTE, Füssen – Einen „Blick in den Innenhof des Hohen Schlosses Füssen“ bietet ein Aquarell von Carl Scharold aus dem Jahr 1862. Dieses Gemälde darf nun das Füssener Museum sein Eigen Nennen, wie Thomas Riedmiller von der Stadtverwaltung berichtet. Der Kulturamtsleiter weiß das Motiv historisch einzuordnen.
Besonders bemerkenswert an diesem Aquarell ist nicht allein die Ansicht des Innenhofes des Hohen Schlosses in Füssen im Winter, sondern auch sein Entstehungsjahr: 1862., erläutert Riedmiller. Genau vor 150 Jahren, 1862, zog das Landgericht in die Räume des Südflügels des Hohen Schlosses ein – und dann als Zweigstelle des Amtsgerichts Kaufbeuren 2005 wieder aus.
Im Revolutionsjahr 1848 wurde von der Obrigkeit die Trennung der Justiz von der Verwaltung zugesagt. Doch dies bereitete vor allem auf der unteren Ebene erhebliche Schwierigkeiten. Erst mit den Gesetzen vom 10. November 1861 wurde diese Trennung schließlich vollzogen. Wie der Füssener Chronist Feistle vermerkte, blieb die Verwaltungsbehörde, das königliche Bezirksamt (das Landratsamt dieser Zeit) in seinem bisherigen Amtsgebäude am Schrannenplatz, dem heutigen Kolpinghaus. Das königliche Landgericht (die Justizbehörde) wurde in das Hohe Schloss verlegt. Mit dieser Justizreform wurde Füssen auch Sitz eines königlichen Notariatsamtes. Bereits im Sommer 1861 begann man im Südtrakt der Schlossanlage mit umfangreichen Umbauarbeiten. Die Amtsräume wurden auf die Südseite gelegt und der Flur verlief auf der Hofseite.
Ab 1. Juli 1862 residierte dort das Gericht mit dem Landrichter M. E. Bach, der zuvor Assessor am Landgericht in Füssen war, dem Assessor Valentin Bader, der davor Landgerichts-Assessor in Sonthofen war, dem Gerichtsschreiber J. B. Leidl, ehemaliger Taxbeamter und dem Gerichtsdiener Johann Wolf, der auch im Hohen Schloss eine Wohnung bezog. Im Unterschied zur Zeichnung von Domenico Quaglio mit derselben Ansicht des Innenhofes, die zwischen 1830 und 1837 datiert wird, ist auf diesem Aquarell ein steinerner, neugotischer Brunnen zu sehen. Vielleicht wurde zum Einzug des Landgerichts hier auch ein Brunnen neu errichtet? Der Erwerb dieses Bildes wurde durch das Vermächtnis der Füssener Bürgerin Maria Endres im Dezember ermöglicht.

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