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»Dann bin ich weg vom Fenster«


Nachricht von: Kreisbote
Kempten / Isny / Westallgäu, 17.01.2012 17:00


Auch den Projektgegnern steht Architekt Peter Zumthor (rechts) bei seinem Besuch in Isny Rede und Antwort. Fotos: Schubert
Von MANFRED SCHUBERT,
Isny – Der 12. Januar 2012 wird vielen Isnyern in Erinnerung bleiben. Architekt Peter Zumthor war noch einmal nach Isny gekommen, um sein Bauprojekt „Neues Stadttor Isny“ zu präsentieren und ganz klar Stellung zu beziehen, wie er sich die weiteren Abläufe vorstellen würde. Darauf haben viele Befürworter des Projekts gewartet, denn auf seine ganz eigene Art hat er sich in die aufbrandende Diskussion mit eingebracht. Den Architekten schrecken auch nicht ein paar Schilder „Zumthor nein danke“, denn seiner Meinung nach müssten die Gegner des Projekts „Stadttor nein danke“ geschrieben haben. Es sei denn, man hätte ganz direkt etwas gegen seine Person.
Als erstes war von den Befürwortern eine Veranstaltung am sogenannten „Fußabdruck“, den in den Boden eingelassenen Pflastersteinen, geplant. Das Ganze lief ein wenig wie ein kleines Volksfest ab. Sektausschank war vorbereitet, Diskussionen wurden geführt und als mit etwas Verspätung Peter Zumthor und seine Gattin ankamen, war die vielgerühmte Isnyer Streitkultur eigentlich schon wieder im Abklingen. Der Empfang war freundlich und auch die Gegner des Projekts hielten sich vornehm zurück und an die Regeln einer gepflegten Diskussion.
Am Nachmittag ging es im Gymnasium weiter, wo es allerdings nicht nur um die Entwürfe des Architekten ging, sondern unter anderem auch um Stoff für weitere Diskussionen: Über die Möglichkeiten von Isnys Zukunft und Lehrinhalte für den Gemeinschaftskunde-Unterricht. Ruth Küster-Beilharz brachte einige Fakten vor, die verdeutlichten, dass in Isny auch ein Rückgang an Kaufkraft und Umsätzen zu verzeichnen ist. Sonja Rube, Stadtplanerin und ebenfalls schon von den Anfängen her in dem Projekt „Stadterneuerung“ tätig, schilderte die Klausuren mit dem Gemeinderat, bei denen ein Imagekonzept für die Stadt herausgearbeitet wurde.
Viele Fragen
Dass Peter Zumthor im Anschluss daran seine Pläne erläuterte, war für die Mehrzahl der Zuhörer durchaus interessant. Fragen wurden gestellt, Antworten gegeben und die Art der Finanzierung ernsthaft hinterfragt. Schon bei der Schülerveranstaltung machte Peter Zumthor es noch einmal deutlich: Wenn die Mehrzahl der Bevölkerung sich gegen das Projekt ausspricht, „dann bin ich weg vom Fenster, Zumthor macht dann nicht weiter mit.“
Der Abend im Kurhaus am Park machte noch einmal deutlich, wie sehr die Problematik den Isnyern auf den Nägeln brennt: Rund 600 Zuhörer waren gekommen und wer nun noch immer nicht genügend informiert ist, um sich vor dem Bürgerentscheid eine Meinung zu bilden, dem ist nach Meinung der Veranstalter nun wirklich nicht mehr zu helfen.
Bei einem positiven Entscheid am 5. Februar wird die Stadt weiter am Neuen Stadttor investieren. Das aber unter rigoroser Kontrolle durch den Gemeinderat und immer mit der Absicht, einer Entwicklungsgesellschaft die Suche nach Investoren oder besser noch Sponsoren zu übertragen und auf keinen Fall das Projekt selber zu schultern.
Wie schon im Gymnasium kamen auch die Gegner zu Wort. Im Kurhaus war es vor allem der Architekt Wolfgang Sauter, der „in Augenhöhe“ mit Peter Zumthor seine Argumente vorbringen konnte. Nun ist eigentlich alles gesagt. Weitere kleinere Veranstaltungen, auch in den Isnyer Teilorten, werden noch folgen. Ab jetzt heißt es jedoch abwarten, was der Bürgerentscheid am 5. Februar 2012 für das Projekt bringen wird. An der Abstimmung teilzunehmen scheint oberste Bürgerpflicht zu sein und alles andere steht in den Sternen.

























Ihre Kommentare

26.01.2012 19:24, Kempten, Michael Geiger (nicht geprüft)
Am allererstaunlichsten an Peter Zumthors Stadttor ist für mich die Feststellung, dass ich bis heute keine Visualisierungen finden konnte, die mir einen einigermaßen verlässlichen Eindruck davon geben, wie das Ganze später wirklich aussehen und sich ins Stadtbild und die Stadtsilhouette einfügen wird. Alles, was man bislang - selbst auf der Befürworter-Homepage - sieht, sind nebulöse Bastelarbeiten, Drahtgittermodelle etc., als ob es heute nicht dank Computersimulation mit vertretbarem Aufwand möglich wäre, einen plastische Zukunftsvision zu vermitteln. Fast mag man da an eine bewusste Verschleierungstaktik denken.

Stattdessen wird seitens der Anhänger mit einer ebenso schwammigen Verheißung von Fortschritt und Modernität operiert, der mich verdächtig an ein wohlbekanntes Bahnhofsprojekt in der baden-württembergischen Landeshauptstadt erinnert: Nur mit dem Zum-Thor habe die Stadt überhaupt eine Zukunft, sei noch für die Jugend attraktiv, werde zum Mekka für Touristen aus aller Welt usw. usw. Es wäre äußerst traurig, wenn das ganze Wohl und Wehe Isnys nur an der Realisierung eines Glasturm hinge. Hoffentlich wird die Allgäustadt nicht in naher Zukunft eher dadurch in die Geschichte eingehen, dass sie ihr noch intaktes Weichbild mit einem pseudomodernistischen Glasbackenzahn verhunzt hat...


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