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»Ein humanistisches Weltbild«


Nachricht von: Kreisbote
Kempten / Isny / Westallgäu, 18.01.2012 09:00


Das Gründungstrio freut sich über das große Interesse an „Grundeinkommen.de Initiative Allgäu“: Karl-Heinz Blank (v.l.), Erna-Kathrein Groll und Uwe Hardt, Geschäftsführer Caritasverband Kempten-Oberallgäu. Foto: Tröger
Von CHRISTINE TRÖGER,
Kempten – „Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Grundeinkommen gesorgt wäre?“, lautet provokant die Frage auf einer Werbepostkarte für das bedingungslose Grundeinkommen (bGE). „Freiheit statt Vollbeschäftigung“, „Freiheit für jeden Einzelnen“ tönen die Slogans der Befürworter. „Kapitalismus aus der Waldorfschule“, „wer kehrt dann die Straße“ oder „wer soll das bezahlen“, kontern die Kritiker.
Vergangenen Freitag wurde im Kemptener „Waldhorn“ die „Grundeinkommen.de Initiative Allgäu“ ins Leben gerufen. Die Gründer: Erna-Kathrein Groll, Kreisvorsitzende Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB), sowie Karl-Heinz Blank und Uwe Hardt, der zwar als „Privatmann“ und nicht in seiner Funktion als Geschäftsführer des Caritasverbandes Kempten-Oberallgäu dabei sei, das Thema aber auch in der Caritas „anschieben“ wolle. Ziel der Initiative ist, die Idee des bGE stärker in die Öffentlichkeit zu tragen. So wurden auch gleich mögliche Aktionen und Netzwerkverbindungen angesprochen. Zumal der Memminger Peter Scharl, Mitbegründer des „Netzwerks Grundeinkommen” und „seit 15 Jahren dabei“, Tipps beisteuern konnte, unter anderem im Umgang mit so genannten „Killerfragen“.
Blank versicherte, dass das bGE nichts mit einer religiösen Einstellung, sondern mit „einem humanistischen Weltbild“ zu tun habe. Und auf dieser Grundlage soll nach Willen der Befürworter allen Bürgerinnen und Bürgern eine „menschenwürdige Existenz“ ermöglicht werden. Wie? Durch einen monatlich ausbezahlten Betrag (Grundeinkommen), der die Grundbedürfnisse deckt und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglicht – ohne Antragstellung, demütigende Kontrollen, Sanktionen oder Schikanen. Vielmehr soll das bGE Existenzängste nehmen, sodass die Menschen das tun können, was sie gern tun würden und ihre Potenziale auch zum Nutzen der Gesellschaft entfalten.
Verschiedene Modelle
Unterschiedliche Modelle des inzwischen auch von den Parteien aufgegriffenen Umdenkens umriss Groll kurz: Darunter das wohl prominenteste Modell des dm-Drogeriemarkt-Gründers Götz Werner, der die Finanzierung über eine Konsumsteuer leisten will; das „Solidarische Bürgergeld“ nach dem CDU-Politiker Dieter Althaus; Bündnis 90/Die Grünen diskutieren über ein Modell das über eine negative Einkommensteuer finanzierbar sein soll, die SPD ihr Rhein-Erft-Modell und die FDP das „Liberale Bürgergeld“, das allerdings „an Bedingungen wie Arbeitswilligkeit geknüpft ist“. Und wie Groll hervorhob, hätten alle festgestellt: „Ja, es ist finanzierbar“. Der Ansatz der Allgäuer Initiative ist laut Groll ein bGE, das durch Wegfall von Bürokratie und die Neuordnung des Steuersystems finanziert werden soll.
Um einem Missbrauch als Lohnsubvention vorzubeugen, nannte sie die Einführung von Mindestlöhnen als einen wichtigen Punkt. Klar sei allen, „dass der Weg wie bisher nicht weiter beschritten werden kann“, denn die Welt habe sich so verändert, „dass wir sonst an die Wand fahren“, stieß sie auf offene Ohren für den Paradigmenwechsel.
Zweifel bezüglich der Machbarkeit des bGE hegte ein junger Zuhörer, da „wir ein gnadenlos kapitalistisches System haben“, in dem es schlicht ums Geld gehe. Eine andere Befürchtung, dass alle am Stichtag der Einführung des neuen Systems „erst einmal Urlaub machen“ und nichts mehr gehe, wollte Hardt nicht teilen. Die Menschen würden seines Erachtens eher beobachtend abwarten und die „Freiheit“ für Überlegungen nutzen, „was ich machen will“. Unpopuläre Arbeiten müssten, so Groll, eben durch gute Bezahlung attraktiv gemacht werden. Weitgehend Konsens herrschte darüber, dass sicher nicht jeder mit der Deckung der Grundbedürfnisse zufrieden sei und um das Grundeinkommen aufzustocken arbeiten werde – mit dem feinen Unterschied: frei von Existenzsorge.
Noch nicht so weit
Ob der Wechsel vom bGE mit einem umfassenden Paukenschlag oder partiell vollzogen werden soll? Scharl sah eine „gute Chance“ in der Einführung zunächst nur bei Kindern. Er berief sich auf Götz Werner, nach dem es „schlimm wäre, wenn das bGE jetzt gleich käme“, da die Gesellschaft nicht so weit sei. Genau das will die Initiative mit ihren schon 30 bis 40 aktiven Mitstreitern schleunigst ändern. Als wichtigste Informationsseite unter den vielen im Internet empfahl Scharl daher www.archiv-grundeinkommen.de.

Ihre Kommentare

18.01.2012 18:35, Göppingen, Robert (nicht geprüft)
Da mein Arbeitgeber mich ohnehin loswerden will, würde ich etwas anderes machen. Solange es aber keine Teilhabe in Form eines Grundeinkommens gibt halte ich meinen Arbeitsplatz noch. Auf der einen Seite haben wir die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes durch schwankende Märkte, auf der anderen Seite Sicherungssysteme in denen man tief fallen kann. Kein guter Zustand für niemand.

28.01.2012 12:10, 35327 Ulrichstein, Susanne Bonn (nicht geprüft)
Ich bin sehr für das bGE, aber der Mensch ist von Natur aus unvernünftig und träge, ich glaube nicht, dass es je verwirklicht wird, helas!


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