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Gesamtkonzept kommt


Nachricht von: Kreisbote
Kempten / Isny / Westallgäu, 07.02.2012 12:00

Von MATTHIAS MATZ,
Kempten – Mehr Autofahrer und mehr Radfahrer, eine zunehmend älter werdende Gesellschaft oder der Ruf nach mehr Umweltschutz sind nur einige Faktoren, mit denen sich Verkehrsplaner in Zukunft beschäftigen müssen. Die Kemptener Stadtverwaltung will die Entwicklung jedenfalls nicht tatenlos beobachten und hat die Erstellung eines Verkehrsentwicklungsplans in die Wege geleitet. Am Donnerstagabend erhielt das Vorhaben endgültig grünes Licht vom Verkehrausschuss.
Die vielfältigen Probleme und Anforderungen des künftigen Verkehrs alle unter einen Hut zu bekommen, ist das erklärte Ziel des gesamtstädtischen Konzepts. Fertig sein soll es im Frühjahr 2014, wie Reiner Neumann, Geschäftsführer der damit beauftragten Modus Consult (Nordspange, Hildegardplatz), den Stadträten am Donnerstag erklärte. Kosten wird das Strategiepapier voraussichtlich insgesamt rund 145 000 Euro.
Umfassende Analyse
Als Basis der Überlegungen wird eine umfassende Analyse des aktuellen Verkehrsnetzes in Kempten herangezogen. Dazu sollen laut Neumann nicht nur Verkehrszählungen, sondern auch Befragungen der Bürger nach ihren Wegen und der Art und Weise der Fortbewegung vorgenommen werden. Außerdem sollen sie nach ihren Wünschen und Vorstellungen gefragt werden. Ein besonderes Element ist darüber der integrierte Radverkehrsentwicklungsplan, wie Kemptens Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann erklärte.
Weitere Aufgaben im Zuge des Verkehrsentwicklungsplans sind außerdem beispielsweise die Stärkung von Fußgängern und Radfahrern, die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs, eine optimierte Verkehrsführung und Bündelung des Verkehrs auf dem Ring, weniger Verkehr insgesamt sowie eine Verbesserung der Berufsfahrten. Herangezogen werden soll der Plan bei künftigen Entscheidungen etwa zur Verlängerung der Fußgängerzone, die Einführung von weiteren Einbahnstraßen oder die Verkehrsregelung in der Kronen-, Beethoven- oder Salzstraße.
Komplexer Prozess
Darüber hinaus soll eine Verkehrsprognose bis zum Jahr 2025 erstellt werden. Allein für die Analyse und Zusammenfassung des Ist-Zustandes rechnet Verkehrsexperte Neumann mit rund einem Jahr. „Diese Analyse ist sehr komplex”, so Neumann. Bereits in dieser Phase sollen jedoch die Bürger schon mit ins Boot geholt werden. Ob es einen – wie von Stadtrat Thomas Hartmann (Grüne) angeregt – das Thema begleitenden Beirat geben wird, soll allerdings erst noch entschieden werden, hieß es am Donnerstagabend.
Der derzeitige Zeitplan sieht vor, dass noch heuer im Sommer mit den Verkehrszählungen und der Bürgerbefragung begonnen wird. Während des Winters soll dann die Auswertung der gesammelten Daten stattfinden und spätestens im Frühjahr 2014 das Gesamtpaket fertig sein.

Ihre Kommentare

07.02.2012 14:22, Schellenbergstraße 59, 87435 Kempten, Helmut Hitscherich (nicht geprüft)
Bereits in der Sitzung des Stadtrates am am 09.10.2008 hatte ich die Entwicklung eines Gesamtverkahrsplanes für Kempten eingefordert und im Nachgang am 13.01.2009 in einem Schreiben an den OB beantragt.
Hier ein Auszug:
"Ich bin der Auffassung, dass die Stadt Kempten eine vernünftige, schlüssige und zukunftsweisende Verkehrsplanung unter Berücksichtigung der Bevölkerungsentwicklung (weniger Menschen, immer älter werdende Menschen) und deren Auswirkungen gerade auf den Individualverkehr, aber auch sonstige Einflüsse, die den Individualverkehr im Jahre 2020 verringern könnten, in Auftrag geben sollte.

Was könnte das Ziel eines solchen Gesamtverkehrsplanes sein?

• Klären wie viel Individualverkehr in die Stadt darf und soll, welchen Stellenwert der ÖPNV genießen soll und ob und wie Pläne für eine Regionalbahn bis in die Innenstadt umgesetzt werden sollen.
• Eine wichtige Zielsetzung könnte es sein, Maßnahmen aufzuzeigen, die die Menschen veranlassen, vom Kfz-Verkehr auf umweltfreundliche Verkehrsmittel wie Fahrrad- und öffentlichen Personenverkehr (ÖPNV) umzusteigen (entlastet die Umwelt).
• Das städtische Straßennetz muss in der Lage sein, den notwendigen Verkehr, insbesondere den Wirtschaftsverkehr, der ja kaum auf den öffentlichen Nahverkehr verlagert werden kann, abwickeln zu können.

Was könnte in einem solchen Verkehrsplan abgehandelt werden?
• Die Darstellung der Verkehrsinfrastruktur im Stadtgebiet (Hauptverkehrsstraßen, Radwegenetz, ÖPNV Netz usw.)
• Die wesentlichen Ergebnisse aus durchgeführten Verkehrszählungen (Zeitraum mindestens eine Woche) und Haushaltsbefragung
• Die zu erwartende Entwicklung bei Einwohner- und Beschäftigungszahlen als Grundlage für das künftige Verkehrsaufkommen
• Leitlinien (Strategien und Handlungsfelder) der künftigen Verkehrsentwicklung, die in allgemeinen Formulierungen und mit einem gewissen Konkretisierungsgrad den Rahmen der verkehrlichen Entwicklungen darstellen (siehe hierzu unten gesonderte Ausführung)
• Die aktuelle Verkehrsbelastung und als Trendprognose für das Jahr 2020 für die Verkehrsarten Individualverkehr und öffentlicher Personenverkehr
• Die zu erwartenden Auswirkungen konkreter verkehrlicher Maßnahmen auf die Verkehrsverteilung und das Verkehrsaufkommen beim Individualverkehr und Öffentlichen Personenverkehr
• Beurteilung und Bewertung einzelner verkehrlicher Maßnahmen und die daraus abzuleitenden Empfehlungen, wie künftig mit einzelnen verkehrlichen Maßnahmen umzugehen ist. Ich denke da beispielsweise an die Bahnhofstraße ab August-Fischer-Platz bis zum Freudenbergtunnel. Es gilt zu klären warum die Masse der Autos, die aus der Mozartstraße oder Königstraße kommend in die Bahnhofstraße einbiegen und dort nur durchfahren, um am Freudenberg abzubiegen. Eventuell bietet es sich aufgrund des Ergebnisses an, die Bahnhofstraße ab Kreuzung Bahnhofstraße – Hirnbeinstraße für den Individualverkehr zu sperren.
Die gleiche Frage stellt sich bezüglich des Verkehrs, der aus Richtung Stadtweiher kommt und über die Lindauer Straße, die Beethovenstraße, den Freudenberg, über die Illerbrücke zum Berliner Platz fährt. Auch hier könnten aufgrund des Ergebnisses Überlegungen angestellt werden, ob und wie dieser „Abkürzungsverkehr ggf. verhindert werden kann."

Dieser Antrag wurde vom Verkehrsausschuss in dessen Sitzung am 23.03.2009 abgelehnt. Auf meinen neuen Antrag hin, dieses Thema erneut auf die Tagesordnung zu setzen, hat der Verkehrsausschuss in seiner Sitzung am 20.04.2010 der Erstellung eines integrierten Verkehrsentwicklungsplanes zugestimmt. Ablehnung wird groß geschrieben. Wer sich also abwimmeln läßt hat verloren, ganz besonders wenn man nicht der Stadtratsmehrheit angehört.
Daher freue ich mich ganz besonders, dass die Vernunft gesiegt hat und dieser Gesamtverkehrsplan nun entwickelt wird. Man kann nur hoffen, dass die dann in 2014 vorgeschlagenen Maßnahmen auch umgestzt werden.




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