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Mittagsbetreuung im Container?


Nachricht von: Kreisbote
Landsberg, 18.01.2012 12:00


Der Schützenverein soll einige Räume des Kauferinger Jugendhauses „Oval“ beziehen und damit sein bisheriges Domizil für die Mittagsbetreuung aufgeben. Foto: Bauch
Von CHRISTOPH KRUSE,
Kaufering – Es ist offenbar höchste Zeit, dass in Kaufering der neue Bürgermeister gewählt wird. Im Lichte der Wahl am 11. März ergibt sich seit Wochen eine ungute Konstellation: Der bisherige Amtsinhaber Dr. Klaus Bühler versucht, nach 25-jähriger Amtszeit in den letzten Wochen vor seinem Ruhestand noch einige Projekte auf den Weg zu bringen. Die politische Konkurrenz bringt sich dagegen in Stellung, will die Entscheidungen teilweise lieber dem Nachfolger oder der Nachfolgerin überlassen. Der Ton wird dabei zunehmend schärfer.
Zuletzt tagte der Planungsausschuss zum wiederholten Mal über die Erweiterung der Mittagsbetreuung an der Grundschule. Die Argumente waren bekannt. Die Mittagsbetreuung benötigt angesichts ihrer Erfolgsgeschichte dringend neue Räume – das bezweifelte keiner der Gemeinderäte. Auch eine Ortsbegehung hatte bereits stattgefunden. Die Verwaltung und der Bürgermeister planten schon vor Wochen ein großes Revirement, das wie folgt aussieht:
• Der Schützenverein gibt sein bisheriges Domizil (und sein Erbbaurecht) nahe der Grundschule neben der Mittagsbetreuung auf und erhält einen neuen Schießstand (gemeindefinanziert) im bisherigen Jugendhaus am Schwimmbad (Ostteil des Hauses).
• Die Mittagsbetreuung über­nimmt einen Teil der bisherigen Räume der Schützen. Das „Schützenstüberl“ wäre laut Hermann Bader von der Bauverwaltung nach kleineren Renovierungsarbeiten sofort bezugsbereit, der bisherige Schießstand benötigt eine Sanierung.
• Die Umkleiden und Duschen des VfL Kaufering, die dem fraglichen Gebäude vorgelagert sind, würden (da nicht mehr sanierungsfähig) in jedem Fall abgebrochen. Der VfL gibt sein Erbbaurecht ebenfalls auf, erhält dafür aber einen Ausgleich am Sportzentrum Kaufering.
• Die Nutzer des Jugendhauses müssten einen Teil ihrer Räume für die Schützen aufgeben und hätten vorerst nur noch den Westteil zur Verfügung. „Das geht durchaus. Der Zuspruch dort liegt im Moment bei etwa etwa zehn Jugendlichen“, sagt Bühler. „Damit wären Küche und Veran­- staltungsraum weg, es bleiben noch drei kleine Räume“, widersprach Jugendreferentin und Bürgermeisterkandidatin Gabriele Triebel (GAL). „Nicht schlecht, kann ich da nur sagen.“
• Der Plan der Verwaltung sieht weiter vor, dass der Landsberger Modellbauverein in den Westteil ziehen könnte, wenn für das Jugendhaus ein neuer Standort gefunden ist.
Diese „Große Lösung“ stieß in der Ausschusssitzung, zu der auch die nicht stimmberechtigten Marktgemeinderäte vollzählig erschienen waren, teilweise auf Widerstand. Letzt­- endlich ging es um die seit Wochen diskutierte Frage, ob für die Mittagsbetreuung nicht besser erst einmal Container aufgestellt werden sollten. Thomas Wiesmann (SPD) vertrat diese Variante erneut vehement. „Wir zäumen doch so das Pferd von hinten auf.“ Sein Fraktionskollege Thomas Salzberger ging damit konform und präsentierte dem Ausschuss eine Reihe von Bildern moderner Container, die zeigen sollten, „dass das unter dem Strich besser ist, als alles, was wir mit einer Sanierung der vorhandenen Räume erreichen können.“
In dieser Woche (nach Redaktionsschluss) geht es damit im Marktgemeinderat um die Frage: Container oder Sanierung und Umbau im Anbau? Die GAL favorisiert den Container, wie auch die SPD-Gemeinderäte Salzberger und Wiesmann. Fraktionskollege Hans Koch ist anderer Meinung: Nach Sanierung, Umzügen, Umbau und Neubau könne die Gemeinde sogar mit 500000 Euro plus dastehen. „Allein, wenn wir den alten Fußballplatz, der mitten im Wohngebiet liegt, als Baugrundstücke verkaufen, erlösen wir zwei Millionen Euro oder mehr.“ Die UBV trägt den Vorschlag der Verwaltung mit, die CSU hielt sich in der Diskussion bedeckt.
Die direkt beteiligten Parteien sind sich dagegen mehr oder weniger einig. Das haben sie dem Marktgemeinderat im Moment voraus.

Was die Betroffenen vom Ringtausch in Kaufering halten

• Gabriele Miller (1. Vorsitzende der Elternbetreuung): „Für uns wäre die Lösung mit den neuen Räumen im Schützen­stüberl und Erweiterungsmöglichkeiten im Schießstand besser. Der Bedarf nimmt jedes Jahr zu. So könnten wir das auch von der Betreuung her besser bewältigen, da der direkte Durchgang von unseren bisherigen Räumen gewährleistet wäre. Das ist auch eine Personalfrage.“
• Wolfgang Gottschalch (Vorsitzender VfL Kaufering): „Wir sind bekanntlich dafür, unsere Aktivitäten früher oder später am Sportzentrum zu konzentrieren. Mit dem alten Fußballplatz haben wir seit längerem Schwierigkeiten. Einige Anwohner beschweren sich immer wieder wegen Lärmbelästigung, wenn dort Nach­- wuchsspiele stattfinden. Man sollte dann aber darüber nachdenken, ob man nicht gleich einen eigenen neuen Trakt mit Umkleiden und Duschen am Sportzentrum dazubaut, in den man diese Räume komplett aus den bisherigen ausgliedert. Es wird da doch sehr viel Dreck reingetragen.“
• Horst Werner (Vorsitzender Schützenverein Enzian): „Wir könnten damit die Bedenken auflösen, die offenbar einige Eltern bei einem Schützenverein in direkter Nähe zu Schulen und Kindern haben. Mit dem Umzug könnten wir außerdem die Bogenschützen wieder besser integrieren. Die sind im Moment das Stiefkind des Vereins, weil sie eigentlich nur draußen schießen können.“
• Bürgermeister Dr. Klaus Bühler dazu: „Die schießen derzeit von der Empore in der Sporthalle. Zulässig ist das nicht. Ich weiß davon und dulde es. Wenn da was passiert, bin ich also dran.“
• Stefan Prechtl (Vorsitzender Modelleisenbahnverein Landsberg): „Wir haben seit 2005 Existenzsorgen, weil wir in unseren historischen Waggons am Landsberger Bahnhof zu wenig Platz haben und uns das Gleis jederzeit von der Bahn gekündigt werden kann. Neue Räume in Kaufering würden uns die Vereinsarbeit sehr erleichtern, wir könnten dann auch mehr für den Nachwuchs anbieten.“
• Thomas Wiesmann (SPD): „Gegen diesen Ringtausch ist prinzipiell nichts einzuwenden, aber das ist doch eine langfristige Sache und wir brauchen eine schnelle Lösung. Der Bürgermeister konnte uns immer noch kein einziges Argument nennen, warum nicht vorübergehend Container aufgestellt werden können und man dann in Ruhe über den Rest nachdenkt.“
• Hans Pilz (GAL): „Ich unterstütze ausdrücklich, dass die Mittagsbetreuung zusätzliche Räume bekommt. Aber Kaufering ist mittlerweile bayerischer Meister im Schuldenmachen, das wissen wir. Man kann doch nicht immer weiter jeden Wunsch mit viel Geld erfüllen, wenn es auch mit weniger geht.“
• Bürgermeister Dr. Klaus Bühler: „Ich habe jetzt mehrfach versucht, Ihnen die unterschiedlichen Arten und die unterschiedliche Qualität von Schulden zu erklären, so wie man das einem Kind erklärt. Wenn man es dann immer noch nicht kapiert, liegt es entweder am Verstand, oder man will es einfach nicht verstehen.“

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