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»Man hängt einfach dran«


Nachricht von: Kreisbote
Starnberg, 01.02.2012 16:00


Wollen das alte Schulhaus retten: (v.l.) Susi Schmidbauer, Otto Loschko, Benjamin Lechner, Martin Fink jun,, MaximilianTarant, Severin Lechner, Hans Sigl, Daniel Kölbl und Robert Perschl. Foto: Polster
Von POLLY POLSTER, Geisenbrunn/Argelsried – Geht es nach den Eltern der Montessori-Schule im Gilchinger Ortsteil Argelsried, soll das historische Schulgebäude an der Münchner Straße einem Neubau weichen. Damit es nicht soweit kommt, haben Bürger aus Geisenbrunn und Argelsried Protest angemeldet. Sie wollen das Thema nächste Woche auf der Ortsteilversammlung zur Sprache bringen.
Das alte Schulgebäude in Argelsried gehört mit seinen 105 Jahren zu den letzten historischen Anwesen in Gilching. Noch bis 2005 wurden dort Grundschüler unterrichtet, die dann in die neuerbaute James-Krüss-Grundschule wechselten. Im September 2005 eröffneten Eltern das Montessori-Kinderhaus. 50 Kindern aus den beiden Landkreisen Starnberg und Fürstenfeldbruck werden seither unterrichtet. Mittlerweile sei die Schule zu eng geworden, das Angebot soll erweitert werden. Deshalb stellten Eltern vor etwa zwei Jahren Antrag an die Gemeinde, das Gebäude um einen Anbau zu erweitern. Pläne wurden gemacht, wieder verworfen, es wurde umgeplant und letztendlich einem modernen Anbau zugestimmt. Zwar äußerten Gemeinderäte Bedenken zwecks der Veränderung des Ortsbildes. Mehrheitlich aber wollte man sich mit der Idee der Erweiterung anfreunden. Doch da machte die Regierung von Oberbayern einen Strich durch die Rechnung. „Einen Zuschuss gibt es nur, wenn neu gebaut wird“, lautete das Credo der Obersten Baubehörde. Nun ist guter Rat teuer. Ein Neubau bedeutet gleichzeitig den Abriss des historischen Schulgebäudes. Den aber hat das Ratsgremium bereits ins Auge gefasst. „Noch ist nichts entschieden“, sagte jüngst Bürgermeister Manfred Walter. Eine Alternative aber sei schwer zu finden. „Es müsste jemand ein günstiges Grundstück zur Verfügung stellen. Dann wären alle Probleme gelöst.“
Dass es auf keinen Fall zum Abriss kommen darf, davon sind viele ehemalige Schüler überzeugt. „Es wäre jammerschade, wenn unsere Schule, in die wir alle gegangen sind und die am Ortseingang von Argelried steht, der Abrissbirne zum Opfer fällt“, sagte Martin Fink jun. am Montag beim ersten Treffen einer Interessensgemeinschaft „Zum Erhalt der Schule“. „Man hängt einfach dran“, ergänzte Johann Sigl. Er hatte sich die Mühe gemacht, über Jahre hinweg historische Klassenfotos und Fotos vom ursprünglichen Zustand der Schule und heitere Geschichten zusammenzutragen. Otto Loschko räumt zwar ein, den Wunsch der Montessori-Eltern nachvollziehen zu können. Er gab aber zu bedenken, dass laut Auskunft durch Walter nur ein Drittel der Schüler aus dem Raum Gilching kommt. „Der Rest der Kinder wird mit fünf Kleinbussen und zusätzlich noch mit vielen Privatautos angefahren. Es fehlen schon jetzt die Parkplätze. Wird neu gebaut, wird das Gebäude mindestens doppelt so groß, wie das alte. Dann wird der Platz noch weniger. Jeder private Hausbauer muss entsprechende Parkplätze nachweisen. Gilt das hier nicht?“ Susi Schmidbauer gehört zwar mit ihren 22 Jahren zu der jüngeren Generation. Doch die Rundfunkredakteurin beteuert, dass viele ihrer ehemaligen Klassenkameraden den Protest gegen den Abriss unterstützen werden. „In meiner Familie sind es drei Generationen, die die Schule besucht haben. Sie ist ein Stück Heimat, die wir erhalten wollen.“ Auch Severin Lechner, Vorsitzender der Jungen Union, kann sich den Ort ohne die ehemalige Dorfschule nicht vorstellen. „Ich kann mich noch genau erinnern, dass wir mit unserer Lehrerin manches Mal auf den Speicher durften und dort viele alte Sachen gefunden haben.“ Seiner Meinung nach könnte aus der alten Schule beispielsweise ein kleines Heimatmuseum werden. „In dem Gebäude sollte auf alle Fälle etwas entstehen, das allen Bürgern zugute kommt. Ein Abriss wäre das Letzte, was damit passieren darf.“
Auf der Ortsteilversammlung am kommenden Mittwoch, 8. Februar, im Freizeitheim Geisenbrunn will Otto Loschko das Thema ansprechen. „Ich weiß, dass viele Bürger hinter der Schule stehen und hoffen, dass das Schlimmste verhindert wird.“ Beginn der Versammlung ist um 20 Uhr.


So gemütlich sah das Schulhaus Anfang des 20. Jahrhunderts aus. Foto: Polster




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