4000 km durch Albanien mit 15 PS - Maisacher Globetrotter berichtet aus dem geheimnisvollen Land der Skipetaren

Albanische Küste mit den berühmten früheren Bunkern. Alle Fotos: Helmut Moser

Mit 15 PS nach Albanien: Albanien war für mich immer schon das geheimnisvollste Land in Europa gewesen. Obwohl ich einige eindrucksvolle Reiseberichte gelesen hatte, begeisterte mich erst letzten Jahres die positive Erfahrung eines Ehepaares aus Leipzig, welche mit ihrem Wohnmobil das Land bereist hatten. Anfang Juli fuhr ich dann mit meiner kleinen Honda über Ljubljana nach Rijeka. Entlang der traumhaft schönen dalmatinischen Küstenstrasse ging es nach Zadar, Split, Dubrovnik und Kotor, in Montenegro.

Eingebettet wie in einem Amphittheater liegt die malerische Altstadt im größten Fjord ausserhalb Norwegens. Je weiter südlich ich kam, desto weniger Landsleute, aber umso mehr Touristen aus den ehemaligen Ostblocklaendern traf ich auf den Zeltplaetzen. Verstaendigungsprobleme hatten wir trotzdem keine. An der Grenzstation nach Albanien traf ich endlich auf einige Biker. Mit einem Paar aus Finnland und 3 Polen wurde ich rasch und unbuerokratisch abgefertigt. Einige Kilometer konnte ich mit der Gruppe noch mithalten, dann zogen sie mit ihren schweren Maschinen davon. Bald darauf tauchten schon die ersten pilzkopfartigen Ein- Mann- Bunker auf. Überall in Albanien, speziell an strategisch bedeutsamen Stellen findet man diese unseligen Erben aus der Ära Enver Hodschas, 70.000 sollen es gewesen sein. Er regierte von 1944 bis 1985. Proklamierte Albanien als ersten atheistischen Staat Europas und starb 1985 im Verfolgungswahn. Lloyd Jones hat in seinem Buch "der Mann der Enver Hodscha war", darueber geschrieben. Im Panoptikum der linken Despoten gehört er sicherlich neben Pol Plot in Kambodscha, zu den paranoidesten Gestalten. In Shkoder wechselte ich erst einige Leks für Euros ein und fuhr zur Hafenstadt Durres. Mir fiel sofort die rege Bautätigkeit überall im Lande auf und die Buntheit der Häuser. Das Einheitsgrau jahrzehntelanger kommunistischer Tristesse machte hier einem wahren Farbenrausch Platz. Bunte Plattenbauten sehen einfach freundlicher aus. Ausserhalb von Durres entdeckte ich zufällig einen der Handvoll inoffizieller Campingplätze im Pinienwäldchen hinter einem Hotel. Am nahegelegenen Meeresstrand musste ich allerdings feststellen, dass das Umweltbewusstsein der Einheimischen noch sehr im Argen liegt. Plastikmüll überall. Tags darauf ging es nach Tirana, in die Hauptstadt. In Zentrumsnähe fand ich zufällig das Hotel "Primavera" und bekam für 30 Euro ein blitzsauberes Zimmer mit Bad und TV. Im sogenannten "Blockviertel" verblüfften mich die vielen Strassencafes und Boutiquen, in denen alle bekannten italienischen Nobelmarken (oder auch Duplikate) feilgeboten wurden. Weiter ging es über Elbasan nach Berat, ins Landesinnere. Da ich mich verfahren hatte (Ortsschilder und Wegweiser sind Raritäten), lernte ich erstmals den Zustand von Nebenstrecken kennen. Irgendwann riss es mir auch noch die Feder des Seitenständers weg. Mit einem Expanderseil, am Rahmen befestigt, behalf ich mir. Ein tschechischer Biker amüsierte sich einmal köstlich mit seiner Freundin, als er mein Provisorium entdeckte. Dann legte ich ausserhalb der Stadt Vlore noch einen Sturz hin, womöglich kam ich auf einer Ölspur ins Rutschen. Trotz aufgeschlagenem Ellenbogen fuhr ich noch über den 1000 m hohen Llogara Pass, vorbei an endlosen Olivenbaumplantagen, wo am Strassenrand die Bauern ihr selbstgepresstes Öl verkauften, zum Seebad Himare. Doch einige Tage später hatte ich eine pflaumengrosse Schleimbeutelentzündung. In Gjirokaster suchte ich das hiesige Krankenhaus auf . Der Arzt punktierte die Beule , legte einen Verband an und weigerte sich hartnaeckig nur einen Euro anzunehmen. In dieser Stadt ist der grosse albanische Schriftsteller Ismail Kadare geboren, dessen Buch "der General der toten Armee" auch verfilmt wurde. Freundlicherweise hatte ich mein Motorrad in der Eingangshalle eines einfachen Hotels unterbringen koennen. Dann packte ich meine Siebensachen, fuhr am Hauptplatz mit den Büste An der 2 jungen Frauen vorbei, welche die Nazis öffentlich gehängt hatten, weil man sie als Partisanen verdächtigt hatte. Unsere "Herrenmenschen" bekleckerten sich nicht gerade mit Ruhm in Albanien, als sie 1943 u. a. im Dorf Borove 107 Frauen, Kinder und alte Männer erschossen. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass Albanien 1939 noch Einreisevisas für Juden in Berlin ausstellte, als kein Land in Europa sie nicht mehr aufnehmen wollten. Am Stadtrand sah ich noch das erbärmliche Lager einer Roma Sippe, wurde kurz darauf von einem Polizisten angehalten, welcher eigentlich nur wissen wollte, woher ich komme und erreichte einen Tag später den Ohridsee. Dann hatte ich die "grandiose" Idee, auf einer Nebenstrecke durch die Berge, entlang der mazedonischen Grenze, nach Norden zu fahren. Genauso gut hätte ich auch durch eine Kiesgrube oder einen Steinbruch fahren können. Es war schlicht trostlos und gefährlich. Ab und zu tauchten auf den 40 km einige Haeuser auf. Teilweise konnte ich nur im Schrittempo fahren, zweimal kippte ich einfach um, musste durch achsentiefe Wasserpfützen fahren, begegnete in 5 Stunden 4 Autos und kam total verdreckt in einem Städtchen an. In einer Privatpension erbarmten sie sich meiner, ich konnte duschen, meine Kleidung waschen und bekam von der Hausherrin noch ein ausgezeichnetes Essen aufgetischt. Die albanische Küche ist auch recht lecker. In einer Stadt fragte ich einmal nach einem Restaurant. Der Mann zeigte auf einen Hinterhof. Ich sah kein Schild, aber plötzlich roch es nach gebratenen Zwiebeln. So ging ich einfach dem Geruch nach und landete in einem Raum mit Tischen. Eine Speisekarte gab es nicht. Dem Wirt deutete ich an, dass ich etwas Einheimisches möchte. Kurz darauf brachte er mir eine Platte mit Paprika, Zwiebeln, Tomaten, Zucchini, Auberginen, Oliven, Reis und darüber ein saftiges Stück Fleisch. Einschliesslich 2 Flaschen Bier zahlte ich etwa 6 Euro. Über Shkoder ging es dann wieder zurück nach Montenegro und über Bosnien, Herzegowina und Ungarn nach Hause. Insgesamt legte ich ca. 4500 km zurück. Albanien ist entgegen allen Vorurteilen ein sicheres Reiseland. Zwar wird im Norden ab und zu noch die Blutrache praktiziert, aber den Fremden gegenüber sind die Menschen hilfsbereit und freundlich. Erstaunlich ist auch die beispielhafte, religiöse Toleranz zwischen den 2/3 Moslems und den 1/3 Christen. Verschleierte Frauen sucht man vergebens. Besonders in den Städten sind sie schick und sexy gekleidet. Und nicht zu vergessen, die Friedensnobelpreisträgerin, Mutter Teresa, war eine Albanerin. Der englische Dichter Lord Byron, welcher das Land im 19. Jahrhundert bereiste, sagte ueber Albanien :" ein Land, das viele bewundern! Doch viele fürchten sich, es kennenzulernen.

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