Ein verhinderter Rom-Reisender zu  Besuch in Alling  – Warum die Carabinieri einen Bulldog aus Deutschland aus dem Verkehr zogen 

Reise mit Hindernissen: Mit der Zugmaschine und Camper bei Tempo 20 nach Italien

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Die Familien Kain und Kuhls freuten sich über den Besuch des unternehmungslustigen Rentners (v. li.): Werner Kain, Klaus Wietfeld, Thorsten Kuhls mit Sohn Jona auf dem 60-Jahre alten Lanz-Traktor. 

Alling – Einmal mit dem Traktor auf Reisen gehen – diesen Traum trug Klaus Wietfeld aus Müden an der Aller über 20 Jahre mit sich herum. „Wenn nicht jetzt, wann dann“, ermutigte ihn schließlich seine Frau Brunhilde im April diesen Jahres kurz vor seinem 65. Geburtstag, sich seinen Traum endlich zu erfüllen. Und so verabschiedete sich der gelernte Landmaschinen-Mechaniker am 10. April, schmiss noch eine Good-Bye-Party, spannte seinen Wohnwagen an den Bulldog Marke Hermann Lanz, 17 PS, Baujahr 1964 und brach am 10. April mit einer Reisegeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern gen Süden auf.

Sein Ziel: Die italienische Hauptstadt Rom. Doch bis dahin sollte der 65-jährige Rentner nicht kommen. Auf Umwegen landete Wietfeld über die Pfingstfeiertage bei den Familien von Thorsten Kuhls und Werner Kain in Alling und berichtete, was er bisher erlebt hatte. Schon als Lehrling habe er den Traktor betreut, erzählte Wietfeld. Vor fünf Jahren habe er das nicht fahrbereite „Gefährt“ käuflich erworben und auf Vordermann gebracht. Für den gelernten Mechaniker stellte dies kein Problem dar. 

Erstes Reiseziel war Aulendorf in der Nähe von Ravensburg, wo Wietfeld an einem Traktorentreffen teilnahm. Dann ging es weiter im 20-Stundenkilometertempo um den Bodensee, über den Hochtannberg- und Reschenpass in Richtung Meran. Dort begann die „italienische Gefangenschaft“, wie Wietfeld seinen Zwangsaufenthalt bezeichnete. 

Zog bis dahin Wietfeld mit seinem Gespann vom Straßenrand immer wieder faszinierende Blicke auf sich, so kannte die italienische Polizei keinen Spaß. Sie zog Wietfeld mit seinem Traktor und Wohnwagen kurzerhand aus dem Verkehr. Weil aus den Papieren hervorging, es handle sich um einen „Ackerschlepper“, dürfe er keinen Wohnwagen schleppen, begründeten die Carabinieris. Mit Blaulicht geleiteten sie das Gespann auf einen Campingplatz und versiegelten den Traktor. Knapp zwei Wochen dauerte es, bis Wietfeld über das deutsche Konsulat in Bozen neue Schriftstücke vorweisen konnte. Nachdem nun aus dem „Ackerschlepper“ eine „Zugmaschine“ geworden war, durfte Wietfeld seine Reise gen Rom fortsetzen. 

Doch dem Müdener war die Lust auf Italien und Rom reichlich vergangen. Er kehrte um, tuckerte in sieben Stunden über die 48-Kilometer lange, mit 36 Kehren versehene Groß-Glockner-Hochalpenstraße nach Deutschland zurück. Nach einem einwöchigen Aufenthalt in Reit im Winkel erinnerte sich Wietfeld an ein zufälliges Treffen mit dem weitschichtig verwandten Thorsten Kuhls, dem Schwiegersohn von Allings Fußball-Ikone Werner Kain. Kuhls, der genau vor zehn Jahren nach Alling kam, hatte seine alte Heimat besucht, den Ort, aus dem auch Wietfeld stammt. Bei diesem Treffen vereinbarten die beiden, sollte Wietfeld seinen Traum erfüllen, würde er auch Alling ansteuern. Bevor Wietfeld nach Pfingsten nun wieder zu den letzten 500 Kilometern seiner abenteuerlichen Reise über Tschechien in Richtung Müden aufbrach, genoss er zunächst beim Pfingstfest der Allinger Landjugend ausgiebig bayerisches Brauchtum.

Dieter Metzler

 

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