Alter schützt vor Liebe nicht - Aber Liebe vor dem einsamen Altern - Vortrag im Caritas-Zentrum Fürstenfeldbruck

Die Ehe- und Partnerberaterin Brigitte Kern bei ihrem Vortrag zu Liebe und Freundschaft im Alter im Caritas-Zentrum Fürstenfeldbruck. Foto: Günter Schäftlein

Die Referentin Brigitte Kern kam auf Einladung von Christine Höppner und Sabine Fritzsche zur Kooperationsveranstaltung von Brucker Forum und Caritas in den Seminarraum Hauptstraße 5. Ihre erste Frage an die Teilnehmer/innen: „Ist Liebe im Alter der 2. Frühling oder ein goldener Herbst?“

Die Ehe- und Partnerberaterin Brigitte Kern, leitende Redakteurin der Zeitschrift elqu Lebensqualität für gehobene Jahrgänge, sieht in der Liebe und Freundschaft im Alter ein drängendes Thema: In der Öffentlichkeit eher vernachlässigt, bisweilen auch tabuisiert oder belächelt, wenn ein älterer Mensch nochmals auf Partnersuche geht. Zumindest erfordert es Mut. Doch: „Was läuft denn so noch nach 60 in unseren Ehen/Beziehungen ab?“ Die Kinder gehen ihre eigenen Wege, das Haus ist abbezahlt. Das Berufsleben beendet. Was hält uns noch zusammen?...“ Das Bedürfnis nach Vertrautheit, Verlässlichkeit, Zärtlichkeit. „Daran ändert auch die immer höher steigende Scheidungsrate in der 60plus-Gesellschaft nichts. Der Wunsch nach Geborgenheit in einer intimen Zweierbeziehung hat nichts von seiner Attraktivität verloren.“ Und Sex? Die Kinder/ Enkel mutmaßen in der Regel „Das haben meine Eltern/Großeltern nicht mehr!“ Von wegen, wie Frau Kern folgert. „Wer in der Jugend Lust und Glück im Sex empfunden hat, wird es im mittleren Alter gleichermaßen empfinden - und auch noch im höheren Alter. Selbst dann, wenn man sich dafür mehr Zeit nehmen muß und auch das Verständnis für den ausgebliebenen Höhepunkt abringt. Die jedoch schon früher Probleme mit ihrer Sexualität hatten, behalten sie auch im Alter …“ Sexualität fördert Gefühle und stärkt Bindungen. Wenn man jedoch im Alter - nach Scheidung oder Tod des Partners/der Partnerin - sich nochmals binden möchte, sollte man auch noch über 70 in Sachen Intimitäten aufmerksam/vorsichtig sein. Auch dann sind Erkrankungen generell nicht ausgeschlossen. Frau Kern schloß dieses Thema jedoch mit den heiteren Anmerkungen ab: „In der Jugend mussten sie sich beeilen, weil die Eltern bald ins Zimmer kommen könnten. Als Eltern mussten sie sich beeilen, weil die Kinder bald ins Schlafzimmer kommen könnten. Als Alte mussten sie sich beeilen, weil das Pflegepersonal bald ins Appartement kommen könnte.“ Ganz allgemein meinte die Ehe-/Partnerberaterin zur Ehe, dass sie ein Tanz im gleichen Schritt und Rhythmus sei. Stimmt der nicht mehr oder setzt die falsche Begleitmusik ein, ist der Tanz zu Ende. Andere Unterschiede gefährden diesen Tanz nicht: „Der/die eine redet mehr, der/die andere schweigt mehr. Aber miteinander reden ist etwas Großartiges.“ Und es gibt in diesem Gefüge immer „Bestimmer mit Zustimmer“, „Geber mit Nehmer“. Nur sollte das nicht immer eine Einwegstraße sein. Das abschließende Gespräch mit dem Publikum über Freundschaften im Alter verlief lebhaft. Sie sind wichtig, wachsen aber erst langsam, über soziale Kontakte und gemeinsame Interessen zu lebensbejahenden Unternehmungen und Hilfen bis zur neuen Geborgenheit. Soziale Netzwerke können aus Erinnerungen, kleinen Aufmerksamkeiten, gelegentlichen Briefen, Besuchen, Telefonaten bestehen. Nur nicht abschotten und die langen Abende zu hassen beginnen, wenn sie nicht gerade in aller Regelmäßigkeit vor der Flimmerkiste enden sollen. Brigitte Kern zitierte hierzu aus einem Roman von Vera Sturm die Stelle, an der eine Vereinsamte das sich grau ausbreitende Tuch des alleinigen Abends verlässt, um einmal in der Woche die fröhlich tafelnden Menschen um sich herum in einer Wirtschaft als befreiend zu empfinden …

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