Im Olchinger Kolpingheim diskutierte die MU-Vorstandsschaft über Flüchtlinge und Fachkräftemangel, Integration in den Arbeitsmarkt

2300 Flüchtlinge stünden für den Arbeitsmarkt bereit

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Sprachen über die Integration von Flüchtlingen und Langzeitarbeitslosen in die Arbeitswelt (v.l.): MU-Schriftführer Werner Zacher, der MU-Kreisvorsitzende Hans Lais, Jobcenter-Chefin Claudia Baubkus, Teamleiter Hans-Jürgen Lohe und Kreis-Wirtschaftsreferent Johann Stürzer, der die Veranstaltung einfädelte.

Olching – Der aktuelle Fachkräftemangel bietet Chancen für Hartz-IV-Empfänger, den Weg zurück auf den Arbeitsmarkt zu finden. Das gilt gleichermaßen für anerkannte Asylbewerber wie für Langzeitarbeitslose, wie Claudia Baubkus, Geschäftsführerin des Brucker Jobcenters, bei einem Infoabend der Kreis-Mittelstandunion (MU) erklärte. Um „Flüchtlinge und Fachkräftemangel, Integration in den Arbeitsmarkt, Fördermöglichkeiten und Programme“ – so der Titel des Vortrags – ging es im Olchinger Kolpingheim. „Ein wichtiges Thema“, wie der MU-Kreisvorsitzende Hans Lais sagte.   

 Umso enttäuschter war er von der schwachen Resonanz: Inklusive der etwas später gekommenen Bezirksrätin Gaby Off-Nesselhauff und der MU-Vorstandschaft hatten sich gerade einmal acht Zuhörer eingefunden. Die erfuhren von Baubkus und dem für Markt und Integration zuständigen Jobcenter-Teamleiter Hans-Jürgen Lohe, dass es verschiedene Programme gibt, um Flüchtlinge wie andere Hartz-IV-Empfänger in Lohn und Brot zu bringen. Die Bürokratie für die Arbeitgeber ist zum Teil jedoch hoch. Das Jobcenter will dabei aber unterstützen. „Es soll in erster Linie schließlich um die Integration gehen“, sagte Baubkus. Bei einer Arbeitslosenquote zwischen 1,1 und 1,4 Prozent herrsche im Landkreis praktisch Vollbeschäftigung, so die Jobcenter-Chefin weiter. Es gebe verstärkt Nachfrage nach Arbeitskräften. Dem stünden rund 2300 Flüchtlinge gegenüber – ohne die Asylbewerber im Fliegerhorst. „Der Landkreis ist überdurchschnittlich hoch betroffen“, sagte Baubkus. Solange sie nicht anerkannt sind, bekommen Flüchtlinge nach dem Asylbewerberleistungsgesetz finanzielle Unterstützung. Unmittelbar nach der Anerkennung ist dann jedoch das Jobcenter zuständig, die Asylanten erhalten dann Hartz IV.

Ziel des Jobcenters sei es dann, diese Menschen in ein Beschäftigungsverhältnis zu vermitteln. Neben sprachlichen Hürden müssen dabei auch Unterschiede im Bildungsstand ausgeglichen werden. Baubkus bestätigte dabei Lais' Ansicht, dass Theorie in den Sprachkursen und Praxis in Betrieben von Anfang an verknüpft werden müsse. „Wir beschleunigen die Integrationsprozesse wo wir können. Aber die Betriebe müssen auch bereit sein diese Menschen einzustellen“, sagte Baubkus. Betriebe, die zum Beispiel aus benachbarten Unterkünften einen Kandidaten kennen, den sie einstellen möchten, sollen sich frühzeitig beim Jobcenter melden. Für Langzeitarbeitslose ab einem Alter von etwa 35 Jahren, die zwei Jahre und mehr ohne Lohnerwerb sind, gibt es aktuell ein Programm mit dem Namen „Zusammen. Arbeiten.“, das aus dem Europäischen Sozialfonds und von der Bundesregierung finanziert wird. Betriebe, die Langzeitarbeitslose einstellen, erhalten laut Lohe bis zu 75 Prozent Lohnkostenzuschüsse. Die Arbeitnehmer werden mit einem Coaching bei der Wiedereingliederung in die Arbeitswelt begleitet. Obwohl die Bürokratie beim Programm sehr hoch ist, wird es laut Baubkus im Landkreis sehr gut angenommen. „Wir sind deutschlandweit führend“, sagt sie. Während der vorerst auf zwei Jahre begrenzten Laufzeit des Programms glaubt Baubkus, dass über 100 Langzeitarbeitslose wieder ins Berufsleben integriert werden können. „Das sind mehr als in München.“

 Andreas Daschner

 

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