Autor Steffen Liedtke präsentierte seine Leipziger Buchmesse-Neuheit Gartenweg 17 - In der DDR wegen seiner politischen Überzeugung abgestraft

teffen Liedtke, Krimi-Autor von „Gartenweg 17“ mit der Eichenauer Gemeindebüchereileiterin Gisela Lehner vor der Auszugs-Lesung durch Hanns Schwaiger. Foto: Günter Schäftlein

Den ‚Gartenweg’ wird man vergeblich in der Starzelbach-Gemeinde suchen. Dem frischgebackenen Krimi-Autor Liedtke diente er auch nur als Synonym für gutbürgerliche Ruhe, fast ländliche Idylle und damit als gutbewohnbares Rückzugsgebiet - viel zu schade für scheußliche Serienmorde! Von wegen!!!

Steffen Liedtke nutzte die örtliche Möglichkeit einer beliebten, einladenden und großzügig bemessenen Gemeindebücherei, um aus seinem Krimi-Erstling in geschickt gewählten Auszügen vorlesen zu lassen. Diese Aufgabe übernahm gekonnt ‚Vorleser’ Hanns Schwaiger. Beide scheinen sich gutnachbarlich zu schätzen. Der Autor, 1960 in Leipzig geboren, fungierte seit 1980 als Regieassistent in den DDR-DEFA-Spielfilmstudios in Babelsberg, bis er aufgrund seiner politischen Überzeugung ab 1984 nicht mehr beschäftigt wurde. Er beantragte offiziell die Ausreise und wechselte 1985 vom Prenzlauerberg nach Westberlin, studierte Theaterwissenschaft an der FU Berlin. Seit 2002 lebt er in Eichenau und arbeitet als freier Schriftsteller in Bayern. Sein erster Krimi wird nicht gleichzeitig sein letzter bleiben. Es verlangt nach Fortsetzungen oder Neuem, was sich da auf 137 Buchseiten und zwischen drei Schauplätzen - der Eichenauer Idylle, dem Vaterstettener Tank-/Rasthaus im Münchner Osten und Berlin-Kreuzberg - bewegt. Liedtke hat eine Aversion gegen den so gar nicht alltagsfähigen Typ von TV-Commissario, dessen Rolle sich so wenig überzeugend brutal oder menschelnd und zumeist auf Nebenplätzen abspielt. „Kriminalarbeit ist anders.“ Von viel Kleinarbeit und Zufällen abhängig, von erschreckenden Erkenntnissen menschlicher Entartung gekennzeichnet. Bei Liedtke sind die Fakten klar, die Sprache unmissverständlich und die häufig naiven Verhal-tensweisen auf der Opferseite nachvollziehbar. Aber auch der gelegentliche Unwillen in der polizeilichen Ermittlung, wenn Zeugen bei ihren Beobachtungen nicht gleich den Verursacher/Täter mitliefern können oder sich zu einer ungewöhnlichen Zeit melden. So in „Gartenweg 17“, wo Stephan Eigen, Nachbar des später aufgedeckten Serienmörders Walter Schachmann, mit seinem wahrgenommenen Schrei einer jungen Frau überhaupt nicht bei den mühsam herbeigerufenen Polizisten glaubhaft landen kann. (Stephan Eigen: „Müssen denn erst Leichen hier herumliegen, bevor Sie kommen?“) Und wenn dann auch noch Katzen in der Nachbarschaft schreien, ist der Fall sowieso schon klar … Die Polizisten verabschieden sich, in dem sie dem angeblichen Ohrenzeugen für ihren offensichtlich überflüssigen Einsatz ein Rechnung in Aussicht stellen. Es grenzt ans Groteske, wenn Eigen anderntags den Mörder fragt, ob er denn nichts in der Nacht zuvor gehört habe. Walter Schachmann ist gerade dabei, Leichenteile verschwinden zu lassen. Am gleichen Tag macht sich das nächste Opfer Carmen, die Bedienung in einer Kreuzberger Café-Bar, auf den Weg zurück nach Italien. Schachmann wird sie in Vaterstetten an der Raststätte ansprechen. Ob sie lebend aus dieser Begegnung davonkommt, darüber schweigen sich Autor und Vorleser natürlich aus, denn die örtliche Buchhandlung Rezai möchte ja auch noch was verkaufen. Steffen Liedtke stellte die Abendkasse-Einnahmen der Gemeindebücherei zur Verfügung.

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