BachChor probt Revolution

Bei seinen diesjährigen Konzerten wagt sich der BachChor Fürstenfeldbruck an das Händel-Oratorium „Saul“. Foto: kb

Zum vierten Mal bringt das Fürstenfeldbrucker Großensemble ein Händel-Oratorium auf die Bühne. Nach Judas Maccabäus im Jahr 2002 und Belsazar, dessen Aufführungen die Süddeutsche Zeitung (Fürstenfeldbrucker Teil) als Kulturhighlight des Jahres 2004 kürte, folgte Joshua im Jahr 2009. Anfang Dezember dieses Jahres steht nun Saul auf dem Programm: Am Samstag, 1. Dezember, und am Sonntag, 2. Dezember, führt der Chor das Stück szenisch auf. Das Besondere: Vorher gibt es eine kostenlose Werkeinführung.

Wie bereits vor drei Jahren wird auch heuer wieder Susanne Frey Regie führen. Die Zusammenarbeit mit der erfolgreichen und sympathischen Regisseurin verlief mehr als gut: Das Ensemble und das Publikum zeigten sich begeistert von ihrer zeitgenössischen und ebenso kritischen Interpretation des Joshua. Auch mit Saul wird sie eine Parallele in unsere heutige Welt ziehen und zum Nachdenken anregen. Saul thematisiert das Scheitern eines Herrschers. Dabei sind vor allem zwei Aspekte von zentraler Bedeutung: die private Tragödie des scheiternden Königs Saul im Kreise seiner Familie und die damit verbundene Krise seines Volkes, das sich nach Veränderung sehnt. Bereits mit Einsetzen der Handlung wird Saul vom Volk nicht mehr gewollt. Trotzdem hält er hartnäckig an der Macht fest – obwohl oder gerade weil mit dem jungen, charismatischen David ein idealer Nachfolger gefunden zu sein scheint. Sauls Töchter Michal und Merab und sein Sohn Jonathan, die besonders unter der Willkür und Sprunghaftigkeit ihres psychisch angeschlagenen Herrschervaters leiden, wechseln einer nach dem anderen die politischen Seiten und solidarisieren sich mit dem Volk. Im Zentrum des Geschehens steht der Chor als das Volk Israel und dessen Reaktionen auf Sauls Entgleisungen – Momente des Grauens, der Verzweiflung, und der Gebete. Und immer wieder ergreift der Chor mit Jubelchören und Dankgebeten Partei für David. Für Susanne Frey stehen die folgenden beiden Fragen im Mittelpunkt ihrer szenischen Interpretation: Was geschieht mit einem Menschen, der zu viel Macht innehat? Und was passiert, wenn ein Volk seinen Herrscher nicht demokratisch abwählen kann? Am 1. und 2. Dezember wird das Werk im Stadtsaal Fürstenfeldbruck aufgeführt. Seit September studiert das Ensemble das große Oratorium ein. Die besondere Herausforderung für den Chor liegt darin, die Stücke nicht nur auswendig zu können, sondern zeitgleich die Rolle des Volkes Israel zu spielen. Die ersten Schritte zur szenischen Umsetzung machte der Chor bereits: Im Jugendhaus in Josefstal trafen die Sängerinnen und Sänger auf die Regisseurin Susanne Frey, die das Konzept ihrer Inszenierung vorstellte und sogleich mit der szenischen Probenarbeit begann. Als Novum findet vor beiden Veranstaltungen erstmals eine kostenlose Werkeinführung statt. Besucher, die sich für die musikalischen Hintergründe und interpretatorischen Aspekte von Saul interessieren, sind herzlich eingeladen, die Werkeinführungen zu besuchen, die jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn im Veranstaltungsforum Fürstenfeld stattfinden. Eine fachkundige Mitarbeiterin der Regie stellt das Stück und die Inszenierung für 15 bis 20 Minuten vor. Die Konzerte finden am Samstag, 1. Dezember, um 1930 Uhr und am Sonntag, 2. Dezember, um 18.30 Uhr im Stadtsaal Veranstaltungsforum in Fürstenfeldbruck statt. Die Werkeinführungen beginnen jeweils eine Stunde vorher.

Meistgelesene Artikel

Erneut tödlicher Verkehrsunfall auf B2

Hattenhofen/Mammendorf - Erneut ereignete sich auf der Bundesstraße 2 zwischen Hattenhofen und Mammendorf ein tödlicher Verkehrsunfall. Erst am 7. …
Erneut tödlicher Verkehrsunfall auf B2

Rauschende Ballnacht

Fürstenfeldbruck – Über 550 begeisterte Tänzer haben den Jahreswechsel zusammen mit der Heimatgilde „Die Brucker“ im ausverkauften Stadtsaal …
Rauschende Ballnacht

Mülleimer peppen Stadtbild auf

Fürstenfeldbruck – Schülerunternehmen „Royal Trashmasters“ verschönert in Zusammenarbeit mit der Stadt Abfallbehälter der Innenstadt mit …
Mülleimer peppen Stadtbild auf

Kommentare