Banken tagtäglich mit kriminellen Fällen konfrontiert - Präventionsprogramm gegen "Enkeltrick" 

Brucker Bank-Chef: "Noch nie soviele Betrugsfälle wie jetzt"

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Walter Müller, Vorsitzender des Vorstandes der VR-Bank FFB eG

Fürstenfeldbruck – Der letzte Enkeltrick-Coup in Fürstenfeldbruck hat zwar keinen Kunden seiner VR-Bank getroffen, aber Walter Müller, Vorstands-Vorsitzender,  berichtet: „Jeden Tag erleben wir hier im täglichen Bankgeschäft Betrugs–Versuche. Wir hatten noch nie soviele Betrugsfälle wie jetzt.“ Den Standort Polen scheinen internationale Drahtzieher verstärkt bei manipulierten Geldtransfers zu nutzen, gefolgt von Kreditkarten-Betrugsfällen via Südamerika. In der Summe bleibt die VR-Bank in FFB durch Kreditkarten-Betrugsfälle jährlich auf einem Schaden bis zu 60 000 Euro sitzen.

Auf dem Tisch im Besprechungszimmer der VR-Bank Fürstenfeldbruck liegt eine Ausgabe der Zeitschrift „Weisser Ring“, Die Zeitschrift für Opferschutz und Prävention, und eine Kopie des Schreibens, das der Bayerische Bankenverband über das Polizeipräsidium München am 5. August an die einzelnen Banken verteilen ließ. Betreff: „Vorsicht Enkeltrick!“ Aktuell melden sich wieder mehrere Senioren beim PP München und zeigen Enkelbetrügereien im Großraum München an: „In letzter Zeit wurden die Senioren von den Tätern auch dazu aufgefordert, einen großen Geldbetrag nicht bei ihrem Geldinstitut, sondern z.B. bei einer anderen Filiale oder an der Hauptstelle des Geldinstituts abzuheben, um diesen den vermeintlichen Bekannten/Verwandten auszuhändigen." Erfahrungsgemäß – so die Polizei – werden die Betrüger weitere potentielle Opfer anrufen.

 Der jüngste Enkel-Trick-Fall, bei dem eine 77-jährige aus Fürstenfeldbruck um 30 000 Euro und ein wertvolles Gemälde betrogen wurde, betraf keinen Kunden der Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck, bestätigt Vorstandsvorsitzender Müller. Derartige Anrufe melden aber Kunden immer wieder der Bank und auch dem Polizeipräsidium München. Das führte zu einem Informationsschreiben an den Bayerischen Bankenverband mit Verhaltensempfehlungen für Bank-Mitarbeiter, die – so das PP – „gerade bei älteren Menschen besonderes Vertrauen genießen“. Man setzt auf ein vertrauensvolles Gespräch, falls die Abhebung für den Kunden außergewöhnlich erscheint oder teilweise oder fast das ganze Vermögen umfasst. Müller: „Natürlich muss das Bankgeheimnis beachtet werden, und wer nicht unter Betreuung steht, kann sein Vermögen so verwalten, wie er es möchte. Wenn auf einen nahen Verwandten oder eine vertraute Person eine Vollmacht ausgestellt ist, kann sich die Bank im Zweifelsfall rückversichern, dass der Kunde nicht in das Visier krimineller Abzocker wie der „Enkel-Trick-Betrüger“ geraten ist."

 Falls aber keine solche „Rückversicherung“ möglich ist, sollte sich der Bankmitarbeiter an den Rat der Polizei halten und sich vorsichtig über den Verwendungszweck der hohen Abhebung erkundigen und fragen, ob der Kunde über den „Enkeltrick“ Bescheid weiß.  

Man könne anbieten, dass der „vermeintliche Angehörige“, der die Summe so dringend verlangt hat, das Geld direkt bei der Bank abholt – ein Krimineller werde sich wohl kaum in Videoüberwachte Räume mit aufmerksamen Bank-Mitarbeitern begeben. Sinnvoll sei es auch, bei einem privaten Auto-Ankauf oder –Verkauf den Geldtransfer direkt unter den Augen der wachsamen Bankmitarbeiter abzuwickeln. Der VR-Bank ist ein Fall bekannt, bei dem ein älterer Kunde eine größere Geldsumme für einen Autokauf abgehoben und übergeben hatte, das Auto aber nie erhielt. Er war einem raffinierten Betrüger aufgesessen. 

Ein dreister Betrugsversuch wurde vor kurzem durch die Aufmerksamkeit der Bankmitarbeiter verhindert. Müller: „In einem Fax mit dem Briefkopf einer hiesigen Firma, die auch Polen-Geschäfte betreibt, wurde unsere Bank beauftragt, 10 000 Euro zu überweisen. Das Sendeprotokoll enthielt den Briefkopf der Firma, die Faxnummer des Unternehmens, sowie eine Unterschrift, aber der Auftrag war gefälscht, wie ein Rückruf bei dem Bankkunden ergab. Dieses Unternehmen hatte – wie das Sendeprotokoll bewies - zur fraglichen Zeit kein einziges Fax verschickt, und schon gar nicht gegen 10 Uhr morgens."  Der Betrüger muss das Fax über den Computer verschickt haben, und hier eine Schwachstelle genutzt haben: Denn dadurch können problemlos jede x-beliebige gefälschte Fax-Nummer und ein gefälschter Absender eingetragen werden. 

Auch Briefe, die Überweisungsformularen  beilagen und die in die Briefkästen verschiedener VR-Bank-Filialen eingeworfen worden waren, erwiesen sich als Fälschungen, berichtet Walter Müller. Deshalb sei die Bank dazu übergegangen, per Rückruf nachzufragen, ob alles seine Richtigkeit habe, besonders wenn höhere Summen überwiesen werden sollen – vor allem ins Ausland. Mails mit sensiblen Kundendaten versende die Bank zur Sicherheit nur verschlüsselt. Bis zu zehn Fälle von Kreditkarten-Betrug erlebt die Bank jährlich. Wenn der betroffene Bankkunde zweifelsfrei nachweisen kann, dass sich die Karte in seinem Besitz befindet und dass er sich nicht in dem betreffenden Land aufgehalten hat, bleibt die Bank auf dem Schaden sitzen. 50 000 bis 60 000 Euro   beträgt die Schadenssumme pro Jahr  bei der VR-Bank Fürstenfeldbruck, berichtet der Bankvorstand. Entwarnung kann nicht gegeben werden: „Das Wohlstandsgefälle zwischen den einzelnen Ländern im Westen und Osten wird immer größer, die steigende Kriminalität ist die Folge.“ Zwar seien Fälle von  „Skimming“ - das bedeutet Manipulationen bei Bankautomaten - zurückgegangen, dafür bestehe die Gefahr, dass sensible Daten von Kriminellen im Internet abgegriffen würden.  Den Banken obliegt  auch die Bekämpfung der Geldwäsche durch Überwachung  des  Geldtransfers entsprechend  den gesetzlichen Vorschriften (Kontrollmitteilungen). 

Ein kleiner Trost: Mit IBAN, „dem Schrecklichen“ habe es – zumindest im Bereich der VR Bank FFB – anders als zunächst befürchtet - noch keinerlei  Schwierigkeiten gegeben, bestätigt der Vorstandsvorsitzende.

Hedwig Spies 

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