Befasst sich zukünftig mit Stasiunterlagen: Stadtarchivar Dr. Neumeier - Neues Buch über NS-Zeit in FFB

In den beiden letzten Kriegsjahren des Zweiten Weltkriegs wurden Rotterdamer Männer im Alter von 18 bis 65 Jahren auf Befehl der deutschen Besetzer zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert. Auch im Raum Fürstenfeldbruck waren damals Niederländer eingesetzt. Mitte des vergangenen Jahres erschienen beim Brucker Stadtarchivar Dr. Gerhard Neumeier Nachkommen der Deportierten und baten ihn um weitere Informationen aus dieser Zeit. Unter den holländischen Besuchern befand sich auch eine Frau, deren Vater in Grafrath Zwangsarbeit ableistete. Die Niederländerin hat zusammen mit einem Verwandten ein in den Niederlanden erfolgreiches Buch über die damalige Zeit geschrieben. Heuer wird das Buch in deutscher Sprache in der Schriftenreihe des Archivs des Erzbistums München/Freising herausgegeben, berichtete Neumeier.

Der Besuch der Niederländer war nur eine der vielen interessanten Aufgaben in der 13-monatigen Beschäftigungszeit von Dr. Gerhard Neumeier als Stadtarchivar der Großen Kreisstadt Fürstenfeldbruck. Ende Januar verlässt Neumeier die Brucker Behörde aus privaten Gründen und wechselt zur Außenstelle der „Birthler-Behörde“ nach Erfurt. Offiziell lautet die Bezeichnung der Bundesoberbehörde „Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik“. Als ein weiteres Highlight bezeichnete der Stadtarchivar seine Unterstützung für das vom Münchner Professor Ferdinand Kramer demnächst erscheinende Buch über die Zeit des Nationalsozialismus in Fürstenfeldbruck. Dazu traf Neumeier nicht nur die Auswahl für die Fotos, sondern er recherchierte zusätzlich im Hauptstaatsarchiv und Staatsarchiv München sowie in den beiden Bundesarchiven in Berlin und Koblenz. Dabei lagen Neumeier die von den Historikern gefertigten Manuskripte vor, die er akribisch nach Ungereimtheiten durchforschte, damit die Aussagen auch hieb- und stichfest waren. Die Arbeit als Brucker Stadtarchivar war sehr vielseitig und habe ihm viel Freude bereitet, so Neumeier. Die kurze Verweildauer von nur 13 Monaten stehe im keinem Widerspruch zu seinen Aussagen. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, fügte Neumeier hinzu. In der Birthler-Behörde, die heuer 20 Jahre alt wird, übernimmt Neumeier als Leiter das Sachgebiet Archiv, Magazin und Kartei. Bereits vor seiner Verwendung als Brucker Stadtarchivar war Neumeier kurzfristig an der Außenstelle der Birthler-Behörde in Suhl beschäftigt. Nach dem Geschichts- und Politik-Studium an der Ludwig-Maximilian-Universität promovierte Neumeier bei Professor Dr. Friedrich Prinz. In seiner Doktorarbeit mit dem Titel „München um 1900“ setzte er sich mit den Wohnverhältnissen, der Wirtschaftsstruktur, dem Citybildungsprozess, der Zuwanderung sowie der Altersstruktur und Mobilität der Stadt München auseinander. Seine erste berufliche Station führte Neumeier zur Gesellschaft zur Wahrnehmung von Film- und Fernsehrechten (GWFF). Nach einer Ausbildung zum Wirtschaftsarchivar und Informationsmanager in Köln baute Neumeier als Freiberufler bei der Stadtsparkasse Weiden, den Fischer-Werken in Horb am Neckar und bei den Vaillant-Werken in Remscheid jeweils Unternehmensarchive auf. Anschließend folgten berufliche Verwendungen als Archivar bzw. als wissenschaftlicher Mitarbeiter unter anderem an den Universitäten in Karlsruhe, Freiburg und Heidelberg. Dann zog es Neumeier wieder in die Nähe von München. Da kam ihm die Stelle als Stadtarchivar in Fürstenfeldbruck gerade gelegen. Zu den archivinternen Arbeiten zählt die Ordnung, Verzeichnung und Klassifizierung von Sammlungsgut. „Da standen meterweise Unterlagen in Kartons, die nicht aus der Stadtverwaltung stammten“, erinnert sich Neumeier an seinen Dienstantritt. Dazu zählten u.a. Firmenfestschriften, Unterlagen zur Kester-Häusler-Stiftung oder zum Fliegerhorst. Alles war mit einer Kurzanalyse per Computer zu vereinnahmen, damit die Allgemeinheit überhaupt weiß, was archiviert ist. Dazu gesellten sich die Bewertungen und Übernahmen aus der Zentralregistratur der Stadtverwaltung. Diese Schritte bilden die Grundlagen für die Benutzerbetreuung. Hinzu kam die Bewältigung von internen und externen Anfragen. Um der Öffentlichkeit überhaupt Kenntnis von der Möglichkeit zum Zugang historischer Informationen zu geben, versuchte Neumeier mit etlichen Artikeln im Rathaus-Report Aufmerksamkeit zu erwecken. Für die von der Stadt in diesem Jahr geplante Ausstellung „Ortsentwicklung von der Gründung bis heute“ hat er die Texte geliefert, ebenso hat der Brucker Archivar den Part über Fürstenfeldbruck verfasst, der bei der Landesausstellung „Wiederaufbau und Wirtschaftswunder 1945 – 65“ im Haus der Bayerischen Geschichte in Würzburg ab Mai zu sehen sein wird. Als „Dauerbrenner“ während seiner 13-monatigen Tätigkeit bezeichnete Neumeier den potentiellen Umzug des Archivs. „Die vorgeschlagenen Gebäude waren wegen unzureichender Archivtauglichkeit nicht akzeptabel“, berichtete Neumeier. „Beim letzten Vorschlag, einem Rückgebäude am Marktplatz, das OB Kellerer favorisiert hatte, mangelte es leider an der Statik.“

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