Beim Deutschen Bauerntag in FFB gewählt – Der neue Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied sorgt sich um die Sicherung der Ernährung

Symbolische Übergabe: Gerd Sonnleitner (li.) übergibt an seinen Nachfolger im Amt des Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, einen „Lenker“. Alle Fotos: Dieter Metzler

Der Präsident des Landesbauernverbandes (LBV) in Baden-Württemberg, Joachim Rukwied, wurde von den knapp 600 Delegierten bei der Mitgliederversammlung anlässlich des Deutschen Bauerntages am 27. Juni in Fürstenfeldbruck an die Spitze des Deutschen Bauernverbandes (DBV) gewählt. Der Verband hatte sich im Vorfeld auf Rukwied als einzigen Kandidaten geeinigt. Der 50-Jährige tritt die Nachfolge des nach 15 Jahren aus Altersgründen sich nicht mehr zur Wiederwahl stellenden Gerd Sonnleitner an.

Rukwied, verheiratet und dreifacher Familienvater, der einen Ackerbaubetrieb mit Gemüse- und Weinbau in der Nähe seiner Geburtsstadt Heilbronn betreibt, erhielt 95,4 Prozent der Stimmen. Ebenfalls mit großer Einigkeit wählte die Mitgliederversammlung Udo Folgart aus Brandenburg (88,9 Prozent), Werner Hilse aus Niedersachsen (83,6 Prozent), Norbert Schindler aus Rheinland-Pfalz (83,3 Prozent) und Werner Schwarz aus Schleswig-Holstein (92,9 Prozent) zu DBV-Vizepräsidenten in den Vorstand. Er freue sich sehr über das gute Wahlergebnis, das für ihn zugleich Ansporn sein werde, mit ganzer Kraft für den Berufsstand und die Landwirtschaft in Deutschland zu kämpfen, sagte Rukwied bei seiner ersten Pressekonferenz als DBV-Präsident am 27. Juni im Veranstaltungsforum Fürstenfeld. Ein grundlegender Richtungswechsel ist vom neuen Bauernverbandspräsidenten aber nicht zu erwarten, denn er will auf dem aufbauen, was sein Vorgänger geschaffen hat So ist seine feste Überzeugung, dass es zum Einheitsverband der Bauern für Groß und Klein, für alle Produktionssparten, auch für West und Ost in Deutschland keine Alternative gibt. „Der Deutsche Bauernverband ist gut beraten, mit einer gemeinsamen Stimme für alle Bauern zu sprechen“, so Rukwied. Wenn es um die Verteidigung des bäuerlichen Eigentums, die Durchsetzung steuer- und sozialpolitischer Forderungen aber auch einer zukunftsfähigen Energie- und Umweltpolitik gehe, dann könne man das nur gemeinsam machen. Deshalb sei das Motto dieses Deutschen Bauerntages „Arbeit mit Leidenschaft“ Programm und Aufruf zugleich. Die allergrößte Herausforderung stelle für ihn die Sicherung der Ernährung der heimischen Bevölkerung, die Lösung des Welternährungsproblems wie auch der Beitrag zur Energiewende dar, sagte Rukwied. Mit der Fürstenfeldbrucker Erklärung „Grünes Wachstum – die richtige Antwort auf die Herausforderung unserer Zeit“, habe das DBV-Präsidium am Dienstag einstimmig vier richtungsweisende Schwerpunkte verabschiedet. Über eine Million landwirtschaftliche Unternehmer, Mitarbeiter und Familienangehörige in über 300.000 Betrieben setzen auf grünes Wachstum erläuterte Rukwied. Doch die Vorschläge von Agrarkommissar Ciolos für die Reform der EU-Agrarpolitik 2014-2020 weiterer Flächenstilllegungen vertragen sich damit nicht. Direktzahlungen der ersten Säule müssten als Ausgleich für die hohen gesellschaftlichen Leistungen der Landwirte im Tier-, Natur- und Umweltschutz gewährt werden, heißt es in der Fürstenfeldbrucker Erklärung. Mit der Erklärung unterstreicht der Bauernverband, dass er die Energiewende positiv begleitet. Die deutschen Bauern haben seit 2009 über zwölf Milliarden Euro in Biogas, Fotovoltaik und Windenergie investiert, informierte Rukwied. „Mit der Forstwirtschaft zusammen liefern wir zwei Drittel aller erneuerbaren Energien in Deutschland“, betonte der neue DBV-Präsident. Doch man müsse beim Ausbau der Erneuerbaren Energie die Balance zwischen Nahrungsmittelerzeugung und Energieproduktion wahren. „Deshalb mahnen wir die Einschränkung der Fotovoltaik in der Fläche und die Korrektur der Überförderung bei großen Biogasanlagen an“, so Rukwied. Auch der Netzausbau lasse sich nur mit der Land- und Forstwirtschaft und nicht gegen sie voranbringen, meinte Rukwied. Sein Adrenalinspiegel schwelle gewaltig an, wenn er vergleiche, dass den privaten Netzbetreibern eine gesetzliche Eigenkapitalrendite von jährlich neun Prozent zugesichert werde, Gemeinden eine Akzeptanzprämie von 40.000 Euro je laufenden Kilometer Höchstspannungsleitung erhalten, die Bauern und Waldbesitzer aber einmalig enteignet werden und mit 10 bis 20 Prozent des Grundstückswertes entschädigt werden. „Das ist für uns nicht mehr akzeptabel“, schimpfte Rukwied. Als dritten Punkt fordert der Bauernverband in der Brucker Erklärung den Schutz landwirtschaftlicher Flächen endlich gesetzlich zu verankern. „Bei den gewaltigen Herausforderungen in der Ernährungs- und Energiefrage ist ein Flächenverbrauch in Deutschland von täglich 90 Hektar – also rund 120 Fußballfeldern – nicht mehr tragbar“, sagte Rukwied. „Wir brauchen jeden Hektar“., fordert der neue DBV-Präsident den Flächenverbrauch deutlich zu senken. Erst müsse die Innenentwicklung der Kommunen kommen und dann die Suche in der „Freifläche“, fordert Rukwied. Ausgleichsgelder und Ökopunkte sind vorrangig für die Entsiegelung brachliegender Immobilien und alter Gewerbegebiete zu verwenden. Das vierte große Thema dieses Bauerntages, ist die Nutztierhaltung. Mehr als 2,5 Millionen Menschen sind in der Produktionskette von Milch, Fleisch, Eiern und Geflügel beschäftigt, informierte Rukwied. Sie ist von fundamentaler Bedeutung für die deutsche Landwirtschaft, mache sie doch mehr als Zweidrittel der Einkommen aus. Nach dem Leitbild des Deutschen Bauernverbandes, das auf dem Bauerntag vergangenes Jahr in Koblenz verabschiedet wurde, werde bis zur Klausurtagung des Präsidiums im Oktober 2012 an einem Kodex Tierhaltung gearbeitet. Im Winterhalbjahr wird der Kodex in allen Kreisbauernverbänden vor Ort zur Diskussion gestellt.

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