Landrat Thomas Karmasin sprach sich gegen die Einführung einer Biotonne und die Errichtung einer landkreiseigenen Bioabfallvergärungsanlage aus

Biomüll: Bestehendes System hat sich bewährt 

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Es bleibt beim bewährten braunen Papiersack für die Entsorgung von Bioabfällen im Landkreis.

Fürstenfeldbruck – Im Landkreis besteht seit 1992 ein flächendeckendes Angebot für die Getrennterfassung von Bioabfällen (insbesondere von Küchen- und Speiseabfällen) mittels Holsystem (brauner Sack). Gartenabfälle werden seit 1987 mittels Bringsystem erfasst. Das bestehende System habe sich bewährt und sei ökologisch sinnvoll, sprach sich Landrat Thomas Karmasin (CSU) gegen die Einführung einer Biotonne und die Errichtung einer landkreiseigenen Bioabfallvergärungsanlage aus, die von der Ausschussgemeinschaft UBV/FDP/ödp-Parteifreie in einem Antrag gefordert wird. Unterstützt wird der Antrag von ZIEL 21.

Unterstützung erhielt der Brucker Landrat bei der Pressekonferenz am 19. Mai im Landratsamt vom Referenten für Abfallwirtschaft, Dieter Rubenbauer (CSU), und dem Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs im Landkreis (AWB), Herbert Britzelmair. Der Antrag der Ausschussgemeinschaft wird in einer öffentlichen Werkausschuss-Sitzung am 11. Juni behandelt. Es gebe für ihn keine plausiblen Gründe, an dem bestehenden System etwas zu ändern, so Karmasin. Nur weil etwas in Mode ist, müsse man dem nicht gleich folgen. Man habe im Landkreis eine Sammlung auf sehr hohem ökologischem Niveau. Wenn man das System umstellen wollte, müsste man es auf alle umlegen und die Kompostierung in den Haushalten würde entfallen. Das würde zugleich bedeuten, dass auch der Gebührenabschlag entfiele.

 Abfallwirtschaftsreferent Rubenbauer betonte, dass der Landkreis die seit Januar 2015 geltenden gesetzlichen Vorgaben bereits seit mehr als 20 Jahren erfüllt. Die Verwertung der Bioabfälle (derzeit 5.000 Tonnen pro Jahr) erfolgt über ein privates Entsorgungsunternehmen in Volkenschwand (bei Kelheim). Die Firma betreibt eine Nassvergärungsanlage. Das entstehende Biogas wird in einem angeschlossenen Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt. Mit einem Teil wird die Biogasanlage betrieben, etwa 75 Prozent des produzierten Stroms werden ins öffentliche Netz eingespeist. Die Kosten für den Transport und die Verwertung der Bioabfälle liegen bei ca. 260.00 Euro im Jahr. Die Menge an Gartenabfällen im Landkreis schwankt im Jahr zwischen 13.600 und 15.600 Tonnen. Die Verwertung erfolgt ebenfalls über ein privates Unternehmen in Mammendorf. Die Kosten betrugen im Jahr 2014 290.000 Euro. 

AWB-Leiter Britzelmair erläuterte abschließend die Kosten für die bisherige Erfassung und Verwertung der Bioabfälle im Sacksystem und stellte die den Kosten bei Einführung einer Biotonne und Verwertung in einer eigenen Vergärungsanlage gegenüber. Danach belaufen sich die Kosten beim bisherigen Erfassungssystem mit Bioabfallsäcken inklusive Einsammlung, Transport und Verwertung auf ca. 1,1 Millionen Euro jährlich. Bei Einführung einer Biotonne inklusive Vergärung der Abfälle in einer eigenen Anlage würden sich die Kosten auf ca. 3,6 Millionen Euro jährlich erhöhen. Energieerlöse sind dabei bereits kostenmindernd berücksichtigt. Die Einführung der Biotonne (36.350 Biotonnen müssten beschafft werden) würde letztlich zu Mehrkosten in Höhe von ca. 2,5 Millionen Euro führen. „Um das finanzieren zu können, müssten die Abfallgebühren um 18 Prozent angehoben werden“, teilte Britzelmair mit. Die Investitionskosten zur Errichtung einer Bioabfallvergärungsanlage mit ca. einer Laufzeit von 30 Jahren gab Britzelmair mit 15 bis 22 Millionen Euro an. Die derzeitige Biomüllmenge reiche nicht aus, eine derartige Anlage wirtschaftlich zu betreiben, so Britzelmair. Der Betrieb von Vergärungsanlagen rentiere sich in der Regel erst ab einen Anlagendurchsatz von 30.000 Tonnen pro Jahr. Im Landkreis fallen aber jährlich rund 5.000 Tonnen über die Bioabfallsammlung und rund 15.000 Tonnen über die Gartenabfallsammlung an. 

Dieter Metzler

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