Gymnasiasten aus den Landkreisen Landsberg/Lech und Fürstenfeldbruck üben Chinesisch in China

Für Mandarin nach Qingdao

+
Mit ihrer Lehrerin, der Sinologin Susanne Rübel (1. v. r.) werden die Gymnasiasten aus dem Landkreis FFB und Landsberg nach Qingdao reisen, um ihre Chinesisch-Kenntnisse zu vertiefen. Im Bild: Zwei Schüler, verkleidet als chinesischer Löwe. 

Landkreis –   Ein besonderes Ziel steuern über 30 Gymnasiasten/innen des Klosters St. Ottilien unter der Leitung ihrer Chinesisch-Lehrerin Susanne Rübel ab 22. Mai an: Qingdao, früher einmal unter Tsingtao bekannt. In der quirligen 8-Millionen-Stadt am Gelben Meer erinnert heute noch ein deutsches Viertel mit Bauten aus dem Kaiserreich und Geranien vor den Fenstern an die deutsche Kolonialzeit vor dem 1. Weltkrieg. Das berühmte Bier wird bis zum heutigen Tag nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut. Aber bei dem Auslands-Aufenthalt der Schüler/innen aus den Landkreisen Landsberg und Fürstenfeldbruck geht es nicht um Tourismus, sondern um die Chinesische Sprache.

 Die Schüler aus Deutschland werden bis zum 12. Juni auf dem Universitäts-Campus einquartiert und dort täglich vier Stunden ihre Chinesisch-Kenntnisse vertiefen und daneben in die Kultur Chinas eintauchen.

Susanne Rübel hat Sinologie (Chinawissenschaften) und die Chinesische Sprache in Trier, Taipeh (Republik China Taiwan) und München studiert. 1,3 Milliarden Menschen sprechen Chinesische Sprachen, Hochchinesisch fungiert unter der Bezeichnung „Mandarin“. Und darin unterrichtet sie auch im Gymnasium St. Ottilien, das abseits ausgetretener Pfade Chinesisch oder Italienisch anbietet. Die Leistungen in der chinesischen Sprache werden mündlich im Abitur geprüft. „Potentielle Arbeitgeber reagieren sehr positiv“, betont Susanne Rübel.

Chinesisch wird in St. Ottilien in den 7. und 8. Klassen als Wahlkurs angeboten, nach der 9. Klasse kann Latein abgelegt werden zugunsten der italienischen oder chinesischen Sprache. In der 10./11./12. Klasse wird Chinesisch als festes Fach unterrichtet. 

Seit 2004/2005 wurde Chinesisch als Wahlkurs angeboten, ab 2008/2009 als richtiges Schulfach. Es besteht eine Zusammenarbeit mit dem HSK –Institut München (Konfuzius-Institut), das Prüfungen abnimmt, vergleichbar mit dem Goethe-Institut für die deutsche Sprache. „Das Interesse wird immer größer, seitdem wir in China waren“, sagt die Lehrerin, die inzwischen 100 Schülerinnen und Schüler an dem renommierten Rhabanus Maurus-Gymnasium unterrichtet, das insgesamt 700 Schüler besuchen.

 Die Gymnasiasten, die die Chinesische Sprache erlernen, hätten früh erkannt, dass ihnen der boomende deutsch-chinesische Handel gute berufliche Chancen bieten könne. Anwaltsbüros, Firmen und Wirtschaftsverbände und der Diplomatische Dienst sind auf Übersetzer und Dolmetscher angewiesen und gerade auch mittelständische Unternehmen auf Techniker und Ingenieure, die Chinesisch sprechen. Chinesische Schulkinder erlernen in den ersten sechs Schuljahren mindestens 3000 Schriftzeichen, Hochgebildete mindestens 6000 Schriftzeichen, insgesamt gibt es ungefähr 87 000 Schriftzeichen. Das älteste chinesische Wörterbuch stammt aus dem Jahr 121 n. Chr. Die chinesische Schrift (auch Han-Schrift) gilt als ältestes noch gebräuchliches Schriftsystem der Welt. 

Auch Kalligraphie üben die Schüler in St. Ottilien.

Die bayerischen Schüler/innen beherrschen nach 3 Jahren ungefähr 400 Schriftzeichen – mehr ist neben dem Schulalltag kaum zu bewältigen. Manche Schüler haben bei ihren Übungen auch die Kalligraphie entdeckt: Die in Deutschland mittlerweile unterrepräsentierte Kunst des Schönschreibens mit Federkiel oder speziellen Pinseln und Tusche hat in Japan und China eine große Tradition - dort werden auch Pinsel aus Dachshaaren benutzt, das sind die teuersten und wertvollsten Tierhaare. Auch in der chinesischen Malerei werden Schriftzeichen integriert. „Chinesische Schriftzeichen verraten viel über die Kultur“, erklärt die Lehrerin. Die chinesische Sprache hat sich kaum verändert, integriert aber neue Begriffe. Wie zum Beispiel beim Mobiltelefon: „Handy“ wird einfach als „Handmaschine“ übersetzt, berichtet Susanne Rübel. Interessant für die Schüler könnte auch sein, wie die Eingabemethode auf chinesischen Tastaturen funktioniert und auf den in Europa gebräuchlichen Computer-Tastaturen.

 In Qingtao dürfen die bayerischen Chinesisch-Schülerinnen und –Schüler in Gruppen die Stadt kennenlernen. Rübel: „Es geht nicht um touristische Ausflüge, sondern alles dient dem Erwerb von „interkultureller Kompetenz“ und hilft, sich in der chinesischen Sprache zu verständigen. Die Schülergruppen besorgen ihr Busticket auf Chinesisch, fragen nach dem Weg, den ihnen chinesische Passanten zuvorkommend erklären. Sie freuen sich wenn sie hören, dass man aus Deutschland kommt und Chinesisch erlernt.“ Neben dem Sprachunterricht auf dem Campus, der mit einem offiziellen Zertifikat der Universität endet, wird den bayerischen Schülern allerdings auch die deutsche Kolonialgeschichte im ehemaligen deutschen Viertel von Qingdao/Tsingtao nahegebracht, die auch im Schulunterricht schon behandelt worden ist.

 Die chinesische Stadt, in der heute 8 Millionen Menschen leben, sollte im Deutschen Kaiserreich zu einer „Musterkolonie“ ausgebaut werden, bevor sie 1914 – kurz nach Beginn des 1. Weltkriegs – von den Japanern eingenommen wurde. „Noch heute erinnert man sich in China jedoch gerne an die Deutschen,“ hat die Sinologin immer wieder bei ihren Besuchen erfahren. Und was erinnert an die Deutschen? Die Bewohner von Qingtao zählen auf: „Die Kanalisation, Gully-Deckel und das Bier.“

Die Zeit um Pfingsten hat sich übrigens ideal zum Reisen erwiesen: die Frühlings-Luft am Meer ist in dieser Zeit frisch und sehr erträglich, im Gegensatz zur Schwüle der Sommermonate und zum Dauer-Smog in Peking. Chinesische Studenten, die ihrerseits die deutsche Sprache erlernen, unterstützen die Schüler aus Deutschland an der Universität. Es gilt, einen Einblick in die 5000 Jahre alte Geschichte Chinas zu gewinnen, die chinesische Philosophie, Küche, Kultur und Wissenschaft, Musik, Literatur, Malerei, Architektur und die traditionelle chinesische Medizin umfasst. Ein chinesischer Koch wird mit den Schülern aus Deutschland chinesische Speisen zubereiten. 

Susanne Rübel, die Initiatorin des Auslandsprojekts, versteht es, ihren Schülern auf allen Ebenen chinesisches Alltagsleben nahe zu bringen: „Nach drei Tagen spätestens können die Schüler gut mit den Stäbchen umgehen. Die vielfältige Küche, die sich sehr von den an den deutschen Geschmack angepassten Gerichten der China-Lokale hierzulande unterscheidet, kommt bei unseren Schülern sehr gut an.“ 

Im Jahr 2006 wurde durch die Initiative von Heinz Reinhardt der Verein "Bayerisch-Chinesische Schülerkontakte e.V." gegründet. Reinhardt war Schulleiter des Dante-Gymnasiums in München und hatte an dieser Schule im Jahr 2000 erstmalig einen Schüleraustausch mit einer Schule in Peking gestartet, der sich seither bestens entwickelt hat. 2002 fand die erste dieser Sprachreisen nach Qingdao statt, um Schülerinnen und Schüler für die mündliche Abiturprüfung zu fördern. 

Hauptaufgaben des Vereins sind heute: Initiierung von Schulpartnerschaften und Schüleraustausch zwischen bayerischen und chinesischen Schulen, Starthilfe bei Einführung von Chinesisch-Unterricht an bayerischen Schulen und eben ganz besonders Organisation und Durchführung von Sprachschulungsreisen, wie beschrieben.

Susanne Rübel ist sehr aktiv in diesem Verein tätig, dessen Arbeit ganz besonders durch den Freistaat Bayern unterstützt wird; sie begleitet zusammen mit anderen aus dem Verein jährlich die Sprachreisen nach Qingdao. Der Verein steht außerdem unter dem Dach der Stiftung "ex oriente", die sich den kulturellen Austausch mit Fernost auf breiter Basis zur Aufgabe gemacht hat. Ansprechpartner des Vereins und 1. Vorsitzender ist Heinz Reinhardt OStD a.D. aus Mammendorf. 

E-mail: h.reinhardt@gmx.de Telefon: 08145 997401. Internet: www.schülerkontakte-china.de

 Autor: Hedwig Spies

Meistgelesene Artikel

Bedrückende Stimmung im Sitzungssaal

Fürstenfeldbruck – Brucks 53-jähriger Oberbürgermeister Klaus Pleil (BBV) ist nach Feststellung einer amtsärztlichen Untersuchung auf Dauer …
Bedrückende Stimmung im Sitzungssaal

Famata erfolgreich behandelt

Fürstenfeldbruck – Als Fatama Cephas vor vier Jahren das erste Mal im Klinikum behandelt worden ist, war sie acht Jahre alt. Nach einem Sturz ist ihr …
Famata erfolgreich behandelt

Faschings-Party-Meile in Bruck

Fürstenfeldbruck – Die Heimatgilde „Die Brucker“ verwandelt den Geschwister- Scholl-Platz (Center Buchenau) am Rosenmontag, 27. Februar, von 11 bis …
Faschings-Party-Meile in Bruck

Kommentare