Churfürstensaal für alle erfahrbar – Die Brucker Polizeifachhochschule zeigte einen Sonntag lang ihre schönste Innenseite

Blick zur Churfürstensaal-Westwand mit dem alttestamentarischen David-Zyklus.Fotos: Günter Schäftlein

Der Andrang zum Tag des offenen Churfürstensaals war unerwartet groß: Hans-Michael Mogalle, in der Polizeifachhochschule u.a. für Verfassungsrecht zuständig, sah sich über den Tag gleich fünf Besuchergruppen gegenüber. In Sachen Wittelsbacher und Georg Asam hatte er sich gut vorbereitet -und Spaß machte ihm die Thematik eh.

Der zwischen 2008 und 2010 nach Abbruch von Zwischendecke und -wand in alter Schönheit und Größe (340 qm, 8,6 m hoch) wiederhergestellte Churfürstensaal im Klosterareal entstand 1691-99 in der Regentschaft des Wittelsbachers Maximilian II. Emanuel (1662-1726). Nach mehreren missbräuchlichen Nutzungen des großen Raumes zog man 1894 eine Holzzwischendecke ein, die 1962 durch eine Betondecke ersetzt wurde. Zwischen 1994 und 2008 nahm der Churfürstensaal eine kriminaltechnische Lehrmittelsammlung für die Hochschule und Besuchergruppen auf. Den Freunden des Klosters Fürstenfeld und einer großartigen Fördergemeinschaft gelang die Initiative zur Rückführung und Umwandlung in den alten Zustand - Kosten: ca. 2 Millionen Euro. Alleine der Bauschutt aus Zwischendecke und -wand füllte 35 Container. Nach der Freilegung der übertünchten Freskenreste an westlicher und östlicher Stirnwand begann eine zeitaufwändige Restaurierung. Zuvor waren die Stuckteile an den Wänden und Decken erneuert worden. Die Fresken-Ausmalungen beider Stirnwände hatte 1696-98 der Kirchenmaler Hans Georg Asam vorgenommen, Vater der später noch berühmteren Söhne Cosmas Damian und Egid Quirin. Die Fürstenfelder Deckenfresken gingen bei der Entfernung der einsturzgefährdeten Originaldecke um 1860 unwiederbringlich verloren. Georg Asam (1649-1711), Sohn eines Braumeisters in Rott am Inn, gestaltete u.a. Fresken in den Kloster- oder Wallfahrtskirchen Benediktbeuern, Heilig Kreuz/Landshut und Freystadt/Neumarkt-Opf sowie in der Pfarrkirche St. Quirinius am Tegernsee. Die vollständig restaurierten Wandbilder von 1697 auf der Churfürstensaal-Westseite zeigen einen David-Zyklus nach alt-testamentarischen Texten und bildlichen Anleihen beim ital. Freskenmaler Pietro da Cortona: David tötet Goliath, schlägt ihm das Haupt ab, zieht nach dem Sieg vornan im Triumphzug - zum Missfallen von König Saul. Und David als guter Hirte entreißt einem wilden Tier ein Lamm. Die östlichen Wandfresken von 1698 sind der griechischen Mythologie um den Helden Herkules gewidmet. Zwei der Motive um Kraft und Macht sind zum Teil noch nicht freigelegt bzw. beschädigt: Vorübergehend trägt Herkules für Atlas das Himmelsgewölbe. (Das erste vom FH-Hausmaler freigelegte Motiv 2008). In der Mitte ruht Herkules nach Vollendung seiner (Un-)Taten aus: Erlegung von Eber, 3köpfigem Höllenhund Zerberus, Hirschkuh und Löwen. Im rechten Bild erwürgt er den Riesen Anthäus.Das heldenhafte Gepränge aller Churfürstensaalfresken ist offensichtlich eine Verbeugung vor dem Hause Wittelsbach, speziell vor dem Auftraggeber Maximilian II. Emanuel: Sieger über die Osmanen bei der Eroberung Belgrads, Verlierer im Spanischen Erbfolgekrieg, Frauenheld und Zechpreller, denn er zahlte dem Kloster Fürstenfeld nicht einen Heller für die von ihm selbst in Auftrag gegebenen Arbeiten an den kurfürstlichen Gemächern und Prunksälen dort. Auf einem von acht großen Wandgemälden im Churfürstensaal sieht man ihn herrschaftlich und gut gerüstet, nebst seiner Gattin Therese Kunigunde von Bayern (1676-1730), gemalt von Michael Hartwanger. Aber auch die Eltern sind noch neben ihm prächtig gewandet porträtiert: Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern (1636-79) und Henriette Adelheide von Bayern (1636-76), gemalt von Paul Mignard. Eine Fotowand im Churfürstensaal gab Aufschluß über die einzelnen Werk- und Restaurationsabschnitte 2008-10; ein Begleitflyer nannte die Einzelheiten zu den Fresken.

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