Deutsche Auswanderer in Neuseeland - Viele schaffen den Neustart

Christchurch/South Islands - Manchmal sind die Begegnungen mit Landsleuten am Rand der Welt einfach und zumeist zufälllig. Im Grunde freuen sich beide Seiten, wieder einmal deutsche Laute zu hören, denn Neuseeland ist total britisch, wie es Grossbritannien britischer nicht sein kann. Ausser Englisch spricht man Maori und auch die neuseeländische Gebärdensprache wurde zur offiziellen Sprachregelung erklärt.

Christchurch gilt als die englischste Stadt unter den urbanen Gebilden bei den Kiwi’s, mit rund 320.000 Einwohnern die grösste der Suedinsel. Das gesamte Stadtgefuege schmückt sich geradezu leidenschaftlich mit den Namen englischer oder nordirischer Staedte, sowohl bei Strassen- wie auch Stadtteilangaben. Es ist die historische Klammer und idealisierende Verbundenheit mit dem ehemaligen Mutterland schlechthin, obwohl man sich in politischen Entscheidungen längst freigeschwommen hat. Als beobachtender Besucher auf der anderen Seite der Weltkugel fragt man sich nach den Chancen für Deutsche, die in diesem Land Fuss fassen wollen. Sie sind durchaus gegeben, erfordern aber die rasche Umstellung in den Sprachgewohnheiten. Keine Schwierigkeit hatte Bernd Sommer damit, ein gelernter Zimmermann, der lange Zeit Bewohner einer Kanu-WG in Nussdorf am Inn war und 2000 an den Okere Falls des Kaituna bei Rotorua landete. Der inzwischen mit einer Maori-Geschäftsfrau liierte Deutsche gestaltet bayerische Biergärten und andere Etablissements geschmackssicher aus und hat als Haupterwerb sich die Fertigung von Stechpaddeln aus Holz für den Wassersport auserkoren - ganz nach individuellen Wünschen. Natürlich wohnt er mit seiner Partnerin längst im eigenen, energiesparenden Haus am Berghang oberhalb der Fälle mit Blickrichtung über Baumgipfel zum Lake Rokoiti. Das eigene Haus ist auf Neuseeland unerlässlicher Standard ... Oder sein Nachbar Andy Uhl, geborener Kaufbeurener, ebenfalls bereits langjährig mit seiner neuseeländischen Ehefrau Sarah an den Okere Falls zu Hause und hier aus der Kanusportszene nicht wegzudenken. Sarah betreibt einen gutgehenden Store füer alles und jedermann, der selbstverständlich bestens für Snacks, Coffie, Tea und Bier aus Kaufbeuren in bequemen Sitzmöbeln und mit bayerischem Biergarten ausgestattet ist. Andy bezieht das Bier in regelmässigen Abständen per Schiffscontainer aus der alten Heimat und die Besucher wie umwohnenden Kiwi’s sind ihm dankbar dafür. Andy und Sarah haben drei Kinder: Bella (7), Michel (5) und Pippi (3) wachsen natürlich zweisprachig auf. Andy’s Hauptberuf zum Store-Einkauf und als Biergartenaushilfe ist der Handel mit Kanuausstattungsatikeln. Flexibel muss man auf Neuseeland schon sein, wenn der NZ-Dollar rollen soll (derzeit 1,0 $ zu 0,40 Euro) ... Ein anderes Beispiel für Ein- und Anpassung sind Tina, Pietro, Leonardo und Angelina Cariga, seit 2007 in Palmerston North auf der Nordinsel ansässig. Tina stammt aus Erding und wohnte mit ihrem Mann Pietro, einem Arzt aus Sardinien, schon vorher sieben Jahre in England. Man wechselte mit der Blickrichtung auf eine noch bessere Zukunft nach Neuseeland. Aktuell waren sie während der Sommerferien im Bade- und Surf-Ort Castlepoint an der Ostküste mit den Eltern und Grosseltern Sabine und Joachim Heinzmann aus Erding anzutreffen. Die Kinder und Enkel Leonardo und Angelina wachsen entsprechend den Familien- und Landesanforderungen dreisprachig auf: englisch-deutsch-italienisch ... Ganz energisch und auf Dauer von Deutschland getrennt sieht sich der gebürtige Kieler und gelernte Koch Söhnke Danger (“Meinen Vornamen kann hier keiner aussprechen, darum rufen mich alle Daengdscher ...”) Er uebernahm 2007 das renomierte Mountain House in der Naehe von Stratford am Mt. Taranaki (2518 m hoch) und im Egmont National Park gelegen. Stratford, eine Kleinstadt zwischen New Plymouth und Wanganui im Westen der Nordinsel, beanspruchte früher für sich den Ruhm, das suedlichste Shakespeare-Theater auf der südlichen Erdhalbkugel zu sein (heute ein Kino!) Nach beruflich bestimmten Jahren auf Teneriffa zog es Söhnke Danger 2000 mit Macht nach Neuseeland, was er heute als die richtige Entscheidung für Beruf und Familie sieht. Verheiratet mit der Neuseelaenderin Vanessa ist er Vater von Isabella (4) und Cinnamen (2). Das Mountain House, dass er jeden Tag 70 km lang von seinem Wohn-ort aus anfaehrt, bietet ihm als Huetten- und Gastronomiebetrieb in einem Touren- und Skigebiet Zukunft, denn im neuseeländischen Winter (Juni-August) können hier auch auf der Nordinsel gute Schneebedingungen herrschen. Ganz nebenbei hat sich der Norddeutsche im bisherigen Wohnort ein kleines Farm-Areal angeeignet, will darauf ein neues Haus bauen mit eigener Energieversorgung und für eine gesunde Ernährung Nischenprodukte anbauen ... Nebenbei beobachtet: Die Kiwi’s produzieren eine unglaubliche Menge an Papier für ‘Guides’ und ‘Maps’, um die Vorzuege ihrer Landschaften, Besonderheiten und im Gastgewerbe in unschlagbaren Farben und Worten auszumalen. Soviel Papier und Farbe verbraucht man nicht zusammen im übrigen riesigen und ehemaligen britischen Weltreich. Die Kiwi’s neigen auch dazu, ihre Verkehrsanweisungen direkt auf den jeweiligen Strassenbelag zu malen, so mit “Stop”, “Give way”, “One lane bridge” oder auch “Rail”. Fährt man an den Küsten entlang, stösst man hin und wieder auf ein grosses Schild mit nur einem Ausrufezeichen, dem ein Schild mit “Ford” folgt. Wer nun glaubt, hier würde vor einer Automarke oder einem Autofriedhof gewarnt, der irrt. Dem ganzen folgt eine querlaufende, ausbetonierte Mulde in der Strassenführung, die das herabfliessende Bergwasser am tiefsten Punkt ableitet - und “Ford” heisst zu deutsch ‘Furt”.

Meistgelesene Artikel

Rauschende Ballnacht

Fürstenfeldbruck – Über 550 begeisterte Tänzer haben den Jahreswechsel zusammen mit der Heimatgilde „Die Brucker“ im ausverkauften Stadtsaal …
Rauschende Ballnacht

Erneut tödlicher Verkehrsunfall auf B2

Hattenhofen/Mammendorf - Erneut ereignete sich auf der Bundesstraße 2 zwischen Hattenhofen und Mammendorf ein tödlicher Verkehrsunfall. Erst am 7. …
Erneut tödlicher Verkehrsunfall auf B2

Mülleimer peppen Stadtbild auf

Fürstenfeldbruck – Schülerunternehmen „Royal Trashmasters“ verschönert in Zusammenarbeit mit der Stadt Abfallbehälter der Innenstadt mit …
Mülleimer peppen Stadtbild auf

Kommentare