Diabetiker bewältigte 600 Kilomter Fußmarsch von Germering zum Markusplatz in Venedig

Nach mehr als 600 Kilometer und 25 Tagen Fußmarsch war Volker Blum am Ziel: Am Vormittag des 24. Mai steht er auf dem Markusplatz in Venedig, bestaunt von einigen Touristen, die sich über sein Outfit wundern. Wanderschuhe, Rucksack, Funktionswäsche: Der Germeringer Versicherungsmakler Volker Blum hat die Alpen überquert. Das Besondere dabei: Blum ist seit seiner Jugend Diabetiker und seit 2005 dialysepflichtig.

Als Blum auf dem Markusplatz steht, nach zahlreichen Strapazen und dem einen oder anderen Abenteuer „war ich im ersten Moment richtig enttäuscht, dass jetzt alles vorbei ist“, schmunzelt der 41-Jährige. Mit dabei war ein Kamerateam der Arbeitsgemeinschaft für Behinderte, die sich tageweise an seine Versen geheftet hatten, um über das Abenteuer des Germeringer zu berichten. „Auf die Frage, was ich mir am Ziel wünsche, habe ich dem Kameramann gesagt: ‚Fünf Minuten nur für mich’“, schildert Blum weiter. Die bekam er dann auch. Blum hat sich vor vier Jahren für die relativ unbekannte Peritonealdialyse (Entgiftung des Körpers über das Bauchfell) entschieden. Drei mal täglich kann er sich selbst und ohne fremde Hilfe versorgen. Bei der herkömmlichen, bekannten Behandlungsmethode durch Hämodialyse (Entgiftung durch das Blut) wäre eine derartige Wanderung unmöglich gewesen. Auch das Leben, dass der Germeringer heute führt – Blum ist selbständig – wäre stark eingeschränkt „Ich habe mich für die Bauchfelldialyse entschieden, weil sie mir mehr Lebensqualität bot.“ Beruf, Hobbies, Reisen: Blum führt ein fast unverändertes Leben. Er hat sogar eine Nierentransplantation abgesagt, um die Tour über die Alpen auf den Spuren Goethes zu unternehmen. Mit den nötigen Tipps seines Hausarztes und seitens des amerikanischen Pharmakonzerns, der das Dialysepräparat herstellt, das er benötigt, hat Blum sich dann vorbereitet. „Jemand wie ich, muss einfach viel mehr bedenken, wenn er von München nach Venedig will“, sagt er. Seine Frau begleitete ihn in einem Wohnmobil, fuhr entweder voraus oder hinterher. Am Abend, wenn die Dialyse beendet, der tägliche Blog geschrieben und diverse Akkus aufgeladen waren, gönnten sich die Blums ein gemeinsames Abendessen oder einen Stadtbummel. „Das war eine ganz neue Erfahrung, für mich, für meine Frau, ich glaube, für jeden aus meinem Umfeld.“ Am Gardasee hat er mit ersten Komplikationen zu kämpfen. „Ich habe plötzlich dicke Beine bekommen und ich wusste nicht, warum“, schildert Blum die Situation. Zum Glück war er mit seinem Arzt verabredet, der am nächsten Tag nach Italien kommen und ihn sehen wollte. Es war Wasser, was sich in den Beinen gesammelt hatte, aber nach ein paar Tagen war er wieder fit. Seine Route führte Volker Blum, der mit der Aktion vor allem anderen Dialysepatienten Mut machen und auf die Bauchfelldialyse als Alternative aufmerksam machen möchte, von München nach Wolfratshausen, weiter nach Mittenwald, Seefeld, Innsbruck, das Wipptal hinauf zum Brenner. Von dort ging es über Sterzing, Franzensfeste, Brixen, Bozen und Trento nach Rovereto an den Lago di Garda. Über Malcesine, Bardolino und Verona geht es weiter über Vicenza und Padua nach Venedig. Rund 35 Tage hatte Blum eingeplant, „dass ich so zügig voran komme, habe ich ja nicht gewusst“. Jeden Tag ist er zwischen 20 und 30 Kilometer unterwegs, mehr will er sich nicht zumuten. „Obwohl ich schon große Lust gehabt habe, einfach weiter zu marschieren.“ Neben der eigenen Erfahrung, verfolgt Volker Blum mit seiner Tour vorrangig ein Ziel: Er möchte anderen Dialysepatienten zeigen, dass er ein nahezu uneingeschränktes Leben führen kann und von der alternativen Methode überzeugt ist. Von den rund 70.000 Dialysepatienten kämen 40 Prozent für die Peritonealdialyse mittels Bauchkatheder in Frage. „Das Problem ist nur, dass es keiner weiß.“ Teilweise nicht einmal die Medizin selbst. Bleibt das so, hat Volker Blum bereits eine nächste Tour im Kopf – die er aber noch für sich behält. Weiter Informationen auch unter http://dialyseontherocks.wordpress.com/

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