Ende der Ein-Kind-Politik in China? - Experte referierte in Türkenfeld

Der Referent des Abends in Türkenfeld, Markus Grabmeier hat vier Jahre in China verbracht. Grabmeier, den der CSU-Ortsverband über die Hanns-Seidel-Stiftung München eingeladen hatte, zeigte sich „fasziniert von China, von seinen vielen Gesichtern, von der Vielschichtigkeit, den einfachen Wahrheiten und von seinen Widersprüchlichkeiten“. Der Jurist und Politologe studierte einige Jahre an Universitäten in Shanghai und Peking und erhielt so einen guten und aktuellen Einblick in das tägliche Leben der Chinesen.

Vermittelt hatte den Vortrag die Hanns-Seidel-Stiftung. Regionalbeauftragter Rainer Schwarzer war extra nach Türkenfeld gekommen, um die Aufgaben der Stiftung zu erklären und stellte zusammen mit dem CSU-Ortsvorsitzenden und Gemeinderat Emanuel Staffler den jungen Chinakenner vor. Unter den rund 50 Zuhörern befanden sich neben Bürgermeister Pius Keller auch Besucher aus Fürstenfeldbruck: Als erstes verwies Grabmeier auf die für Europäer schwierige Sprache, die aus etwa 40 000 Schriftzeichen besteht, wobei man für den Alltag zwischen drei- bis fünftausend Zeichen schon beherrschen sollte. Alles an China sei „unvorstellbar riesig und widersprüchlich“, erklärte der Referent, unter anderem auch die Vielzahl möglicher Konflikte. Diese seien allein schon dadurch gegeben, dass das Land an 14 verschiedene Staaten grenzt. Chinas Osten und die Ostküste mit den Millionenmetropolen Beijing, Shanghai und Hongkong ist hochmodern und wohlhabend, der Westen immer noch ein ärmliches Entwicklungsland. Grabmeier erklärte an vielen Beispielen, der bis vor zwanzig Jahren „schlafende Riese“ sei aufgewacht. Er prophezeite, das Land werde „spätestens 2050 die in allen Bereichen erste und bestimmende Weltmacht sein“. Gerade ziehe China mit seiner relativ stagnierenden Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen als Volkswirtschaftsmacht an Deutschland vorbei auf die dritthöchste Stelle und werde in zehn, spätestens zwanzig Jahren auch die USA überholt haben, die derzeit noch Platz eins einnehmen. Die USA seien heute mit etwa 700 Milliarden Dollar der größte Gläubiger Chinas. Die chinesischen Exporte nach Nordamerika und Europa übertreffen schon seit einigen Jahren die Importe aus diesen Ländern in beträchtlicher Höhe. Die wirtschaftliche Wachstumsrate Chinas schwanke gegenwärtig um die zehn Prozent und werde aufgrund seiner Größe dieses Wachstum auch beibehalten. Schon heute sei China der Weltmarktführer in Kleidung, Spielzeugindustrie und im Baugewerbe. Dass sich der Wirtschaftsboom auch auf viele andere Bereiche ausdehnen wird, dafür sorgen nach Grabmeiers Ansicht die Arbeitnehmer selbst: „Die Chinesen sind genügsam, fleißig, arbeiten 12 Stunden am Tag und 27 Tage pro Monat, wohnen in oder nahe bei der Arbeitsstätte und schicken das dort verdiente Geld ihren daheim gebliebenen Familien.“ Zum Vergleich: Die chinesische Sparquote betrage rund 40 Prozent, die deutsche 10 und die in USA null. Derzeit realisiere China im Kampf gegen die globale Finanz- und Wirtschaftskrise das weltweit größte Konjunkturpaket. Gewonnen hat die Regierung bereits den Kampf gegen den Hunger, früher über Jahrhunderte hinweg die übelste Geisel des Landes. Nach den Informationen des Referenten macht sich die Politik Chinas zügig daran, pragmatisch die notwendigen Reformen umzusetzen. So bahne sich eine Lockerung der Ein-Kind-Politik an, um eine Verkrustung der Sozialstruktur zu verhindern. Es gebe zu wenig Frauen: Derzeit könnten bei dem herrschenden Mangel an jungen Frauen 20 Prozent der chinesischen Männer keine Familie gründen. Es gibt auch zu wenige Kinder, so dass, wie es schon in Europa Wirklichkeit ist, auch China eine Vergreisung der Bevölkerung drohe. Dass China pragmatisch, rasch und unideologisch anstehende Probleme lösen kann, zeigte der Referent am Beispiel der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele: Der Smog infolge des CO2-Ausstoßes wurde durch Halbierung des Autoverkehrs auf Pekings Straßen und vorübergehende Schließung der die Luft verschmutzenden Fabriken innerhalb von einem Monat vor Beginn der Spiele drastisch zurückgefahren, die Stadt in wenigen Wochen von 4000 Gärtnern dicht und nachhaltig begrünt. Die Folge: Pekings Luftverschmutzung und der Grauschleier über der Stadt waren während der Olympischen Spiele weg. Für das Land waren die Spiele mehr als nur ein sportliches Großereignis. Es habe sich gezeigt, dass China ein perfekter Gastgeber sein kann und in der Lage ist, ein solches Ereignis fehlerfrei und eindrucksvoll zu organisieren. Allerdings, so schloss Markus Grabmeier seinen Vortrag, „war das während Olympia nicht das echte Peking“. Um aber die Mängel und Probleme, die in China und wegen China herrschen, in den Griff zu bekommen, müsse man „im Dialog und in Kooperation ohne Druckmittel mit dem Land zusammenarbeiten, schon deswegen, weil wir im Westen wegen der Globalisierung auch keine Druckmittel mehr haben“.

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