Strengste Sicherheitskontrollen im Nord-Irak – Handverlesene internationale Geschäftsleute setzen auf einen boomenden Markt in der autonomen Regio ...

Goldgräberstimmung im Nord-Irak: Maisacher Logistik-Unternehmer zurück aus Erbil – Lage im Irak eskalierte 

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Inhaber der Consolidated Freight Services Iraq, Thomas Paar (r.) mit Dusan Pokorny, Department Manager, in Maisach.

Maisach – Ende Mai kehrte Thomas Paar, Inhaber der Consolidated Freight Services Iraq mit Sitz im Maisacher Industriegebiet, zum 3. Mal von einem Geschäftsbesuch in der autonomen Region Kurdistan zurück, ein Land im fragilen Staatsgefüge des Irak, das in keinem Reisekatalog präsentiert wird, aber bei internationalen Geschäftsleuten für Goldgräber-Stimmung sorgt. Fast über Nacht (10. 6. 2014) ist  die "angespannte Lage" im Irak in der ca. 80 km von Erbil entfernten Stadt Mosul durch den Vormarsch radikaler sunnitischer Islamisten/ISIS/ISIL eskaliert: Tausende Bewohner seien geflohen, die kurdische Stadt Erbil habe ihre Checkpoints für Flüchtlinge geöffnet, heißt es.  

Die älteste Zitadelle der Menschheit, die ununterbrochen bewohnt war. 

Für Thomas Paar war es „spannend“, obwohl es in Erbil außer zahlreichen Hotels, der pompösen Familien-Mall, unendlich vielen Baustellen und der uralten Zitadelle auf dem Hügel keine Sehenswürdigkeiten gibt. „Unterhaltung sucht man hier vergeblich,“ sagt Paar. Kein Kino, keine Konzerte, kein Theater, kein Musical. Aber in dem nach Unabhängigkeit strebenden Land, dessen kurdische Regionalregierung (KRG)  der irakischen Zentralregierung untersteht, ist es mit einem immensen Sicherheitsaufwand gelungen, Anschläge zu verhindern. Dies verleiht dem kurdischen Erbil angesichts der instabilen Lage im Irak und der problembelasteten Nachbarländer ein Alleinstellungsmerkmal, das Geschäftsleute in Goldgräber-Stimmung versetzt. 

In dem Land, das die Ausbeute der Öl- und Gasvorkommen per Vertrag für 25 Jahre der Türkei übertragen hat, hat sich auch das Deutsche Wirtschaftsinstitut in Erbil niedergelassen und ein deutsches Generalkonsulat. Außerdem sind diplomatische Vertretungen der Amerikaner, Russen, Franzosen, Iraner, Briten und Südkoreaner in der Boom-Town mit den unzähligen Baustellen, darunter auch viele Hochhäuser.

Das Lager der Maisacher Firma in Erbil - Standard, ca. 500 qm. 

 Das Logistik-Unternehmen aus Maisach, das außerdem noch Vertretungen in Georgien, Rumänien und dem Iran unterhält, hat in Erbil ein eigenes Lager eröffnet. Das Speditionsgut besteht aus Medizinischen Produkten, Baumaterial, Maschinen aus ganz Europa für die Förderung von Erdöl und Gasvorkommen, Textilien, Kosmetik, Parfüm. Das Angebot in den Malls der Stadt Erbil unterscheidet sich nicht von dem anderer Großstädte. Aber nicht jeder kann sich hier einen Einkauf leisten, das zeigen die vielen kleinen Läden in den Straßen, die Gebrauchtwaren anbieten. Momentan ist die autonome Region Kurdistan ohne Regierung, denn der Staatschef hält sich zu einer medizinischen Behandlung in Deutschland auf, eine Regierung konnte nach den Wahlen noch nicht gebildet werden. Die Sicherheitslage im Irak gilt als „sehr angespannt“, es bestehe im gesamten Land auch die Gefahr von Entführungen, (siehe Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes). Für den Irak besteht eine verschärfte Reisewarnung: "Vor Reisen nach Irak wird gewarnt. Dies gilt mit Einschränkungen auch für die Region Kurdistan-Irak mit den Provinzen Dohuk, Erbil, Sulaymaniyah und Halabja. Besonders gefährlich sind Reisen in die Provinzen Anbar und Ninewa (Grenze zu Syrien) sowie in die Provinzen Diyala, Ta’mim, Salah ad-Din und das Umland von Bagdad. Nachdem terroristische Gruppierungen die Provinz Ninewa am 11.06.2014 unter ihre Kontrolle gebracht haben und nun in weitere Teile der genannten Provinzen vordringen, ist dort mit bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Terroristen, den irakischen Sicherheitskräften und Milizen sowie mit schweren Anschlägen zu rechnen.  Auch in einigen Bezirken der Hauptstadt Bagdad ist weiterhin mit schweren Anschlägen insbesondere auf irakische Sicherheitsinstitutionen und deren Angehörige, auf Ministerien, Hotels, öffentliche Plätze und religiöse Einrichtungen zu rechnen. 

In der Region Kurdistan-Irak mit der Verwaltungshauptstadt Erbil und den beiden großen Städten Sulaymaniya und Dohuk ist die Sicherheitslage vergleichsweise besser. Aufenthalte können aber auch in der Region Kurdistan-Irak nur nach sorgfältiger Prüfung der aktuellen örtlichen Sicherheitslage und mit den dann jeweils notwendigen Sicherheitsmaßnahmen in Betracht gezogen werden."

Vorbild ist Dubai: Blick auf die vielen Baustellen in der Stadt Erbil.

Draußen vor Erbil befindet sich ein großes Flüchtlingslager mit syrischen Flüchtlingen. Diese seien dankbar für ein Stück Brot, sagt Paar, dem im Hotel viele Syrer als Hilfskräfte begegneten. Nur 80 Kilometer weiter, in Mosul, so Paar - sei die Situation eine ganz andere. Dort hat sich die Al-Kaida festgesetzt. Außerdem wird der Nord-Irak von der kurdischen PKK kontrolliert, und diese hat der Gewalt noch nicht abgeschworen, weshalb die türkischen Streitkräfte immer wieder Stellungen mutmaßlicher Rebellen unter Beschuss nehmen.

In Erbil erlebten Thomas Paar und sein Department Manager aus gutem Grund strengste Sicherheitskontrollen, Polizei und Sicherheitskräfte seien sehr präsent - vor allem auf den Zufahrtsstraßen zum Flughafen. Kein Privatwagen darf an den Flughafen heranfahren, alle Passagiere werden mit Bussen befördert, es erfolgen mehrere Gesichts-Kontrollen, teilweise auch mit Abnahme von finger prints und etliche Checkpoints müssen passiert werden. 

Eine Moschee in Erbil.

Mehrere Einzelreisende seien im Vorfeld der Messe Medicare von Sicherheitskräften zurückgewiesen worden, berichtete Paar, der sich in allen bürokratischen Angelegenheiten von einem einheimischen Partner vertreten lässt. Die Zollformalitäten - in vielen Fällen wird eine kostspielige Zertifizierung, CoC , verlangt - sind über die Maßen bürokratisch und langwierig. Umgangen wird dieses eigentlich sinnvolle Prozedere mit türkischen Billigzertifikaten, die es mit der Qualitätsprüfung nicht so genau nehmen. Bei der Medicare war ein „Bayerischer Pavillon“ mit Medizintechnik vertreten, aber auch türkische, iranische, italienische, irakische und libanesische Aussteller vor Ort, dazu wurde ein Symposium für Zahntechniker veranstaltet. 

Bei den Autos im Straßenverkehr - so Paar - dominieren koreanische und japanische Kleinwagen, die sehr günstig angeboten werden und alte deutsche Autos, zum Beispiel Opel. Viele Frauen steuern ihr Auto inzwischen selbst. Bezahlt wird mit der Landeswährung, dem irakischen Dinar oder auch mit US-Dollar. In der Mall werden Kreditkarten akzeptiert, im Restaurant und im Hotel zahlt man cash. Handy und Internet funktionieren überall problemlos, Ausländer können sich in Englisch verständigen, das kurdische Sorani ist die Amtssprache und auch Arabisch wird gesprochen sowie Türkisch, das der Maisacher Geschäftsmann Thomas Paar gut beherrscht.

Hedwig Spies 

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