Erdstall-Rätsel auch im Landkreis - Der Historische Verein FFB HVF lud Experten ins Mammendorfer Bürgerhaus ein

Erdstall-Referent in Mammendorf. Foto: Günter Schäftlein

In die „Mammendorfer Filiale“ der HVF-Heimat- und Bodendenkmalforschung eingeladen, konnte der Geretsrieder Gymnasiallehrer Karl Wilhelm sein Wissen zu den sagenumwobenen, mystischverklärten Erdställen in Bayern und anderswo bildlich vorstellen. HVF-Vorstand Otto Meißner sah in diesem Zusammenhang den Platz Mammendorf als zukunftsfähig für weitere vereinsinterne Veranstaltungen.

Und er freute sich insbesonders über den Besuch von rund 70 Interessenten am Premierenabend. Das Rätsel der unterirdischen „Erdställe“ im europäischen Raum ist bis heute nicht plausibel gelöst: „Zweckbauten oder Kultstätten?“. Die einzige wissenschaftliche Erklärung zu den in traditioneller Bergbauweise angelegten Systemen aus niedrigen Gängen, verbindenden engen Schlupfen und (Schluß-)Kammern mit Sitzbänken ist: „Das Rätsel um die Zweckbestimmung der Erdställe bleibt weiterhin ungelöst.“ Der im oberbayerischen Aying/Graß und bei Dieter Ahlborn ansässige und für Deutschland und Österreich zuständige Arbeitskreis für Erdstallforschung widmet sich der Sicherung, Dokumentation und Erfassung von Erdstallanlagen und steht im ständigen Austausch mit Österreich, Tschechien (Böhmen/Südmähren), Ungarn, Frankreich, Spanien und Großbritannien (Schottland). In ihrer Entstehung werden die oft labyrinthartig, in jedem Gesteins- und Bodenuntergrund angelegten Gang- und Kammersysteme ohne Abmauerung und Stützen ab etwa 950 n.Chr. vermutet. Dennoch: „Eine eindeutige Datierung der fundleeren Erdställe bleibt problematisch!“ Fundleer, weil sie weder Totengebeine noch Grabbeigaben oder sonstige Gegenstände enthielten, auch keine Wandmalereien. Erdställe wurden/werden überwiegend unter Siedlungsplätzen (Wohnstätten, Gehöfte, Einzelhöfe) aufgefunden, aber auch in Kirchbergen und unter Friedhöfen. Funde (Holzkohle, Keramikteile, Pflanzenreste, verziegelter Lehm, Tierknochen) aus verfüllten Einstiegsschächten in Bayern lassen mit Hilfe der C14-Untersuchungsmethode eine Verfüllung und damit ein Ende der Erdställe-Nutzung um 1200 n.Chr. annehmen. Aussage hierzu: „Ab 1200 setzte sich die Lehre vom (christlichen) Fegefeuer durch. Es ist die Zeit, in welcher die Erdställe verschüttet wurden …“ Und dies lässt mutmaßen, dass es sich bei den unterirdischen Erdställen um „Leergräber für Ahnenseelen“ gehandelt haben könnte. Rund 700 bisher aufgefundene Erdställe kommen in Bayern vor, mit auffälligen Schwerpunkten in der Oberpfalz und in Niederbayern (Landkreise Cham und Passau), in Österreich überwiegend in Niederösterreich (Wachau). Im Landkreis Für-stenfeldbruck existieren bisher zehn aufgefundene Erdställe, davon vier im Gemeindegebiet Maisach (Rottbach, Überacker, Untermalching und Zötzelhofen), weitere in Dünzelbach/Moorenweis, Emmering, Stadt Fürstenfeldbruck, Nannhofen/ Mammendorf, Roggenstein/Emmering und Schöngeising, Aufgefunden wurden Erdställe in Bayern schon um 1640: In Reichersdorf/Gde. Irschenberg, Lkr. Miesbach (beim Schäfflerbauer, der im Hof nach Wasser grub, was eine Wallfahrt auslöste mit Tuffsteinfigur der hl. Barbara). Aber auch noch im 20. Jhd.: 1967 mit dem Erdstall „Eidengrub“/Gde. Michelsneukirchen, Lkr. Cham (als ein Traktor in den Untergrund einbrach). 1976 in Trebersdorf/Gde. Traitsching, Lkr. Cham (bei Flurbereinigungsarbeiten). 2002 bei der Höcherlmühle/Gde. Teunz, Lkr. Schwandorf (durch ein plötzliches Loch in der Wiese). Der österreichische Benediktinerpater Lambert Karner (1841-1909) gilt als Pionier der Erdstallforschung. Er besuchte in Europa 400 Höhlen. 1903 erschien sein wegweisendes Werk „Künstliche Höhlen aus alter Zeit“. Zu den in Forschung und Literatur führenden deutschen Pionieren zählte Karl Schwarzfischer (1916-2001) aus Roding/Opf. Er war der Gründer des für Deutschland und Österreich zuständigen Arbeitskreises Erdstallforschung. Informationen: Dieter Ahlborn, 85653 Aying/Graß, Internet www.erdstall.de oder e-Mail: info@erdstall.de

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