Gemeindemitglieder wurden auf einer Informationsfahrt der evangelischen Kirche mit dem Versammlungsort bayerischer und sächsischer Faschisten in F ...

Themen-Gottesdienst in der Erlöserkirche zu "Christen gegen rechte Gewalt" 

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Neuer Neo-Nazi-Treff in Oberprex/Franken. 

Fürstenfeldbruck – Gemeindeglieder der Erlöserkirche Fürstenfeldbruck waren am 9. Juli bei einer Informationsfahrt der evangelischen Kirche nach Oberprex dabei und haben darüber Berichte  zum Thema "In welcher Weise sollen sich Christen gegen rechte Gewalt und Fremdenhass in Deutschland engagieren?" verfasst. Im Dorf Oberprex, Landkreis Hof, nahe der Grenze zu Tschechien, haben sich Neonazis eingenistet. Sie kauften über eine „Strohfrau“, Mutter eines straffälligen Neonazis, einen ehemaligen Gasthof. Nun ist dieses Domizil Treffpunkt und Veranstaltungsort der bayerischen und sächsischen Faschisten, sowie auch derer aus dem Nachbarland.

Diese Frage steht nach der  Reise nach Franken, im Landkreis Hof bei den evangelischen Christen im Landkreis Fürstenfeldbruck im Raum:  "Oberprex - Würde Jesus tatenlos zusehen?" Pfr. Willam-Singer  wird mit Helfern   einen Gottesdienst zum Thema zu gestalten.  Thematisiert wird  "In welcher Weise sollen sich Christen gegen rechte Gewalt und Fremdenhass in Deutschland engagieren?" Der Gottesdienst findet statt am 1. September,   9 Uhr in der Versöhnungskirche Emmering und um 10:30 Uhr in der Erlöserkirche Fürstenfeldbruck.

Die Vorgeschichte beschrieb Gemeindemitglied  Jürgen Schulz im Gemeindebrief der Erlöserkirche FFB:  "In dem Dorf Oberprex, Landkreis Hof, nahe der Grenze zu Tschechien, haben sich Neonazis eingenistet. Sie kauften über eine „Strohfrau“, Mutter eines straffälligen Neonazis, einen ehemaligen Gasthof. Nun ist dieses Domizil Treffpunkt und Veranstaltungsort der bayerischen und sächsischen Faschisten, sowie auch derer aus dem Nachbarland. Sie nennen das Haus „Nationales Zentrum Hochfranken“. Von hier aus können sie ungestört agieren, die lokale Bevölkerung bedrohen, die Jugend für ihre Ziele anwerben. 

Der Privatbesitz macht eine polizeiliche Kontrolle der Vorgänge im Haus fast unmöglich. Neonazis sind bevorzugt in strukturschwachen Regionen aktiv und erfolgreich. Die Gründe sind vielgestaltig: Erosion der Infrastruktur, Gewerbebetriebe machen dicht, Arbeitsplatzabbau, Mangel an kulturellen Angeboten, Perspektivlosigkeit, Schulen schließen, letztlich Abwanderung der Bevölkerung. 

Die Synodale,  Ulrike Wilhelm, Pfarrerin in Tutzing, hat diese Situation in Oberprex erkannt, in die Herbstsynode 2012 eingebracht und eine Solidaritätsaktion organisiert. Ziel ist es dem Treiben der Neonazis entgegen zu wirken, Werte zu vermitteln, die dem christlichen Menschenbild entsprechen. Die Stelle einer evangelischen Jugendreferetin/Diakonin soll für fünf Jahre eingerichtet werden. Da geht es also um mehr, als um Betreuen und Bespaßen von Jugendlichen. Es gilt zu erklären: Was macht mich zum Neonazi und was bewahrt mich davor? Es sind Wege zwischen Anpassung, Wut und Mut zu finden. Anfang Juli hat sich ein Bus mit über 50 evangelischen Christen, vorwiegend aus den Dekanaten Weilheim und Fürstenfeldbruck, auf den Weg nach Oberfranken gemacht. Eine Informations- und Solidaritätsaktion zu den Menschen in Regnitzlosau, der Nachbargemeinde von Oberprex. Mit dabei war auch ein Team des Bayerischen Rundfunks. 

Im Fokus der Fahrt stand der Solidaritätsgottesdienst, der politische Thematik und christliche Verantwortung miteinander verband. Ortspfarrer Holger Winkler sprach ein wichtiges Thema an: „Warum wird im Ort kein offener Widerstand geleistet, wie es anreisende Solidaritätsgruppen und Medienvertreter anmerken? Kein Widerstand bedeutet nicht Zustimmung. Wenn die Gäste wieder abreisen bleiben die Menschen in Oberprex mit dem Problem allein zurück.“ Nach dem Gottesdienst fuhren wir nach Oberprex. Es gab dort eine Begegnung der besonderen Art. Das Nazidomizil war nicht, wie erwartet, geschlossen, sondern etwa ein Dutzend Männer in schwarzer Kleidung stand uns auf Meterdistanz gegenüber, die Leitfiguren der bayerischen Nationalsozialisten. Höhnisches Lächeln, aggressives Fotografieren ihrerseits – bei mir das beklemmende Gefühl meiner Ohnmacht. Unsere Friedenslieder als Zeichen der Solidarität, aber auch der Hilflosigkeit, wenigstens für diesen Augenblick. 

Die Nazis machen Angst in Oberprex: Drohanrufe, zerstochene Autoreifen, allgegenwärtige Belästigungen. „Wir haben Angst um unsere Kinder“, die Bemerkung einer Mutter, die ich am Rande des Geschehens traf. Wer will mit eigener Haut für seine Überzeugung einstehen? Was könnten, was würden wir als Christen in Fürstenfeldbruck wohl tun, wenn bei uns im Ort eine Situation wie in Oberprex entstehen würde? Unser deutlicher, finanzieller Beitrag zur Mitfinanzierung der Diakonenstelle ist aktuell gefragt. Enttäuschen wir die Menschen in Oberprex nicht." 

 

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