Riesenchance für Baxyern - Erntepressefahrt im Landkreis FFB auf Einladung des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums und  BBV

Trend zu regionalen Lebensmitteln hält an

+
Die Erntepressefahrt des Bayerischen Landwirtschaftsministerium führte in diesem Jahr in den Landkreis Fürstenfeldbruck. Unser Bild zeigt von links Andreas Hatzl, Franz Hartl, Minister Manfred Brunner, BBV-Präsident Walter Heidl und den BBV-Getreidepräsidenten Walter Greif.

Esting – Das Bayerische Landwirtschaftsministerium hat zusammen mit dem Bauernverband in diesem Jahr zur Erntepressefahrt in den Landkreis Fürstenfeldbruck eingeladen. Auf den Höfen der Familien Hatzl und Hartl in Esting hat sich Landwirtschaftsminister Manfred Brunner und der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Walter Heidl, vor Ort ein Bild gemacht, wie es aktuell um die diesjährige Ernte steht.  

 

Dabei war Minister Brunner voll des Lobes, mit wie viel Kreativität die Bauern bei den seit Wochen anhaltenden außergewöhnlichen Witterungsbedingungen ihr Tagwerk vollbringen. Er rechnet trotz lokaler witterungsbedingter Einbußen mit einer überdurchschnittlichen Getreideernte. Auch hätten sich Zuckerrüben- und Kartoffeln sowie der Mais trotz der Wetterkapriolen verhältnismäßig gut entwickelt. Zu Beginn der Pressekonferenz machte es Minister Manfred Brunner deutlich, dass die bayerischen Bauern gute Arbeit geleistet hätten und in der Lage sind, die Bevölkerung mit besten Lebensmitteln zu “ernähren”. Niemand brauche Engpässe bei Brot oder Brötchen zu befürchten, was nicht überall auf der Welt der Fall sei. So würdigte Brunner auch das regionale Netzwerk “Unser Land”, das als Vermarktungsorganisation dazu beiträgt, den Weg der Lebensmittel vom Erzeuger zum Verbraucher lückenlos zu dokumentieren und schlussfolgerte: “Der Trend zu regionalen Lebensmitteln ist eine Riesenchance für Bayern”.

Um die Ernte einfahren zu können, wünschen sich die bayerischen Bauern in den kommenden Wochen stabiles Wetter. “Wenn der Sommer keine allzu lange Pause einlegt, sind wir mit der Situation zufrieden, sagte Hermann Greif, Getreidepräsident des Bayerischen Bauernverbandes. “Unwetter und starke Regenfälle haben zwar mancherorts schwere Schäden verursacht. Auf dem Acker haben sich aber die Niederschläge positiv ausgewirkt”, stellte Greif fest. Probleme würde allerdings die Tatsache bereiten, dass durch heftige Unwetter das Getreide in einigen Flächen am Boden liegt und dort einfach schlechter reift. So bestehe die Gefahr, dass die Pflanzen auswachsen und deshalb schwieriger zu ernten seien.

 BBV-Präsident Walter Heidl sprach von einem besonders schwierigen Jahr für die bayerischen Bauernfamilien. Dies sei auf die extreme Witterung zurück zu führen, würde aber von den Landwirten mit Bravour gemeistert werden. Problematisch sieht er dagegen die dramatisch gesunkenen Erzeugerpreise: “Bei diesen Preisen können wir in vielen Bereichen nicht kostendeckend arbeiten”. Konkret erwähnte er, dass der Preis für einen Doppelzentner bestem Weizen derzeit bei Euro 14,-- liegt und betonte: “Auf Dauer kann das kein Betrieb durchhalten”. Die niedrigen Preise würden den Betrieben regelrecht die Substanz rauben. Der nicht zuletzt durch das Russland-Embargo entstandene Preisverfall würde zusätzlich durch den deutschen Lebensmitteleinzelhandel verschärft. “Die Konzerne Aldi, Lidl, Edeka und Rewe beherrschen mittlerweile 85% des deutschen Lebensmittelhandels und haben immer mehr Macht angehäuft”, gab der Bauernpräsident zu bedenken. Diese Macht würden die Konzerne gnadenlos gegenüber den Bauern geltend machen, um die Preise zu drücken und immer neue Rabattschlachten anzuzetteln. Anstatt dieser Konzentration entgegen zu treten, leiste die Politik dann solchen Tendenzen noch Vorschub. Schließlich habe Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel trotz heftiger Kritik vom Kartellamt die umstrittene Erlaubnis erteilt, dass Kaiser`s Tengelmann durch Edeka übernommen werden kann. “Damit werden die Großen immer noch größer und bauen so ihre Marktmacht erneut aus”, schlussfolgerte Heidl.

Mittlerweile sei die erteilte Sondererlaubnis zwar vom Oberlandgericht Düsseldorf gestoppt worden, aber man wisse nie, wie das Endergebnis aussieht. Mit einem konkreten Beispiel machte er deutlich, was sich auf dem Markt gerade abspielt: Um die neuesten Fußballschuhe, die viele Profis bei der EM 2016 getragen haben, kaufen zu können, muss ein Landwirt heute mehr als 1,4 Tonnen Getreide am Markt verkaufen. Ob dieses Verhältnis noch in Ordnung sei, soll jeder selbst beurteilen, meinte Walter Heidl. Soviel würde aber feststehen: “Die niedrigen Preise stellen eine große Gefahr für die bäuerlichen Familienbetriebe dar”. Was die Landwirte letztendlich im Tagesgeschäft leisten, wurde bei der Feldfahrt deutlich.

Als Franz Hartl zum Beispiel erklären musste, wie er bei seinen steinigen Böden, die Kartoffeln von den Steinen trennt, oder wie Andreas Hatzl die in diesem Jahr verstärkt auftretende Krautfälle bei den Kartoffeln als Biobetrieb in den Griff bekommt. Selbst Minister Manfred Brunner war überrascht, mit wie viel Einsatz und Engagement jeder auf seine Weise die Probleme löst. Als Andreas Hatzl auf die vielfältigen Probleme angesprochen wurde, meinte dieser: “Das geht nur, weil ich meinen Traumberuf Landwirt mit Leib und Seele ausübe und da fällt einem, wenn Dinge nicht so laufen, wie sie laufen sollen, immer wieder etwas ein”. Darauf antwortete Brunner, dass es für ihn noch eine Steigerung zum Traumberuf des Landwirts gebe, die da heißt: Landwirtschaftsminister! Ob das allerdings für Andreas Hatzl eine Alternative ist, konnte bis zum Ende der Erntepressefahrt nicht geklärt werden.

Georg Johannes Miller

Meistgelesene Artikel

Nach Abriss folgt Aufbau

Fürstenfeldbruck – Ein bedeutendes Schulbauprojekt des Landkreises Fürstenfeldbruck ist einen wesentlichen Schritt vorangekommen: Schulleiterin und …
Nach Abriss folgt Aufbau

Neue Buslinie im Landkreis

Landkreis – Die Gemeinden präsentierten die neue, zwischen Olching, Gröbenzell und Puchheim verkehrenden MVV-Regionalbuslinie 832, die ab 12. …
Neue Buslinie im Landkreis

Überfall auf Schreibwarenladen

Germering - Zwei unbekannte, vermummte Männer tauchten am Mittwoch, 23. November, gegen 17 Uhr in einem Schreibwarenladen in der Friedenstraße auf …
Überfall auf Schreibwarenladen

Kommentare