Gespräch mit der FW-Spitzenkandidatin Ulrike Müller, MdL, vor der Europa-Wahl

Landwirtin aus dem Allgäu Zugpferd für  Brüssel – "Gestalten und nicht spalten" 

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Auf Wahlkampftour durch Bayern und ganz Deutschland, mit Veranstaltung in Landsberied: v.l. MdL FW, Bürgermeister Benno Zierer, Freising, MdL Ulrike Müller, FW-Spitzenkandidatin für die Europwahl 2014. Gottfried Obermair, Germerswang. 

Fürstenfeldbruck – Sie ist die Spitzenkandidatin der Freien Wähler in Deutschland und kann sich seit dem Wegfall der 3%-Hürde Chancen ausrechnen, ins Europäische Parlament einzuziehen: Ulrike Müller, 51, Landtagsabgeordnete.  

Zum Gespräch im Landkreis FFB  erscheint die Allgäuer Ehrenkreisbäuerin, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Mitglied des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie Mitglied im parlamentarischen Beirat für eMobilität BEM, nicht etwa im Dirndl, sondern in einem blauen Blazer, dessen Farbton genau mit dem Bayerisch-Blau des Wahlprogramms abgestimmt zu sein scheint. Sie kandidiert als „Zugpferd“ für die Europawahl 2014 der Partei der Freien Wähler, die als Dachorganisation 4000 Mitglieder verzeichnet. 40 000 Mitglieder sind in den kommunalen Parteien in Bayern registriert.

Ulrike Müller ist häufig mit dem Auto in Bayern unterwegs zu Veranstaltungen. Nicht nur deshalb will die Abgeordnete mit Schwerpunkt Landwirtschaft, Umwelt- und Verbraucherschutz, die Elektromobilität befördern. Die ausgebildete Landwirtschaftliche Hauswirtschafterin bringt ihr Fachwissen nicht nur bei Fragen zur Ernährung, Landwirtschaft und Umweltschutz ein, sie kontert auch schlagfertig, wenn es um Gentechnik oder um die Krise in der Ukraine geht. Vor allem stört es sie, wenn sie von Medienvertretern in der Eingangsfrage schon nach einer anderen Splitterpartei, der „AfD“ gefragt wird, mit der die Freien Wähler nicht in einen Topf geworfen werden wollen, wie sie betont. 

 Man wolle „kein Europa befremdlicher Bürokratie und des Zentralismus, in dem wichtige Entscheidungen hinter verschlossenern Türen in großen Glaspalästen getroffen werden“, lässt die Partei der Freien Wähler verlauten, die „durch eine Politik des gesunden Menschenverstands, durch mehr gelebte Demokratie und Transparenz wieder einen gesellschaftlichen Konsens über Europa sowie verlorengegangenes Vertrauen in die EU herstellen“ will.

Ulrike Müller, MdL setzt sich auch für eMobilität ein.

 Ulrike Müllers nächstes politisches Ziel ist also 6 Stunden entfernt - die EU in Brüssel. Müller: „80 Prozent der Gesetze und EU-Richtlinien betreffen uns alle, wir von den Freien Wählern wollen uns einmischen, mehr Mitsprache-Rechte fordern.“ Nach fünf Jahren im Bayerischen Landtag mit den Anforderungen in der Politik vertraut, wolle sie „keinen Stillstand“, sondern mit 51 Jahren neue politische Herausforderungen. In der legendären „Bayerischen Vertretung“, dem „Sahneschnittchen“ von Brüssel, die dem 1. Landtagsvizepräsidenten und CSU-Landtagsabgeordneten Reinhold Bocklet zu verdanken ist, war die FW-Kandidatin bereits. Sie hat einen Kontakt in die EU-Kommission geknüpft und die langen Flure und die großen Sitzungssäle kennengelernt, „wo man sich leicht verlaufen kann“. 

Als „unendlich belastbar“ wird sie von ihren Parteifreunden beschrieben. Am Wochenende hat die 51-jährige noch Kühe gemolken, auf dem gemeinsamen Hof, den ihr Mann und der erwachsene Sohn bewirtschaften, im Landkreis Oberallgäu lebt auch ihre erwachsene Tochter. Und jetzt ist Müller wieder einmal auf Wahlkampftour kreuz und quer in Bayern und in Deutschland.  Vor dem abendlichen Gesprächs-Termin in Landsberied schaut die Politikerin mit MdL Benno Zierer, Bürgermeister der Stadt Freising und Gottfried Obermair, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit des FW-Kreisverbands FFB kümmert, beim KREISBOTEN FFB vorbei zu einem Gespräch über die bevorstehende Europa-Wahl am 25. Mai. Kleinere Parteien wie die FW, die durch den Wegfall der 3%-Hürde eine reelle Chance sehen, ins Europa-Parlament einzuziehen, sind mit ihren Wahlspots insgesamt viermal in ARD und ZDF vertreten, letztmals am 21. Mai im ZDF um 17.55 Uhr. Ulrike Müller ist Hauptdarstellerin in dem Spot. 

„Ich bin geerdet“, sagt sie, und das sei für einen Politiker wichtig. „Man muss wissen, was im täglichen Leben vor sich geht, was ein Liter Milch kostet oder die Butter.“ Müller, die sich seit langem auch ehrenamtlich engagiert in der Pfarrgemeinde oder als Vorsitzende des Freundeskreises Schwäbisches Jugendblasorchester im Allgäu-Schwäbischen Musikbund: „Manchmal kommt eine Kindergärtnerin vorbei bei uns zu Hause, weil sie einen Ratschlag braucht, oder die eine oder andere Landwirtsfamilie.“ Am frühen Morgen, als die Abgeordnete am Wochenende für die Familie nach der Stallarbeit das Frühstück herrichtete, klingelte kürzlich das Telefon und ein Anrufer aus Trier wollte ihre Meinung zum Thema „Transatlantisches Freihandelsabkommen“ erfahren. „Wir“ - (die Freien Wähler) „lehnen das Freihandelsabkommen ab, man sollte es stoppen und neu beginnen.“  Die Spitzenkandidatin und ihre Partei haben 23 Forderungen für ihren „Europaplan“ ausformuliert, darunter auch die „Veröffentlichung aller EU-Dokumente in deutscher Sprache“, weil die Übersetzung so lange Zeit in Anspruch nehme, sowie ein „verbindliches und verschärftes EU-Lobby-Register mit Veröffentlichungspflichten der Personennamen, der Mitarbeiterzahl, der Klienten, für die die Lobbyisten tätig sind und die Höhe der finanziellen Aufwendungen für Lobbyarbeit.“ Ob und was die kleine Splitterpartei realisieren kann, wird die Europa-Wahl am 25. Mai entscheiden. Ulrike Müller: „Auf jeden Fall wollen wir gestalten, und nicht spalten.“

Hedwig Spies

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