Fast fünf Monate als Sonderausstellung im Bauernhofmuseum Jexhof: Die Milch

Schulwandbild ‚Trinkmilch’ von 1928 (Leihgabe: Schloß Aschach). Alle Fotos: Günter Schäftlein

Das begleitende und pünktlich zur Ausstellungseröffnung aufgelegte Begleitheft „Milch! Nahrung - Mythos - Politikum“ umfasst Jahrtausende der Verwendung - seit der Jungsteinzeit. Nennt aber die letzten 150 Jahre als besonderen Schritt auf der Karriereleiter. Dank des wachsenden Bedarfs nach Milch in den Städten des Industriezeitalters.

Dabei ist, weltweit betrachtet, die Rohmilch für fast 75 Prozent der Menschheit ein schwieriges Kapitel, da sie gentechnisch nicht in der Lage sind, den Milchzucker (Laktose) ernährungsgemäß aufzuspalten. Dabei kann - so die Begleitheft-Autorin Michela Leonardi – „in Krisenzeiten die nahrhafte Zufuhr von Milch entscheidend für das Überleben sein.“ Kurator Sammy Khamis äußert dagegen zum ‚Mythos Milch“: kritisch: „ Sie ist schnell verderblich, aufwändig in Produktion, Transport und Verarbeitung.“ Fügt aber dann doch ihre variantenreiche Vielseitigkeit an für Müsli, Trinkschokolade, Milchkaffee, Butter, Käse, Joghurt und als Milchpulver in Fertiggerichten, Tabletten und Kosmetika. Schließlich lobt Sammy Khamis die Kuh, die aus Gras Fett, Proteine und Eiweiß macht. Heute liefert dieses wichtige Nutztier im Durchschnitt 7000 kg Milch pro Jahr; 1965 waren es im Brucker Land nur 3550 kg. Insgesamt hat man im Milchland Bayern im Nov. 2010 1,24 Mio Milchkühe gezählt und die rund 38.000 Milcherzeuger lieferten 7,2 Mio to Milch an 75 Unternehmen in der Molkereibranche. In ihrem Grußwort zur Ausstellungseröffnung nannte die stv. Landrätin Gisela Schneid für den Landkreis FFB aktuell 158 landwirtschaftliche Milchbetriebe mit 4550 Kühen. Vor 50 Jahren waren es noch 1000 Betriebe mit rund 13.500 Kühen. Fast 40.000 Menschen sind heute in Deutschland in der milchverarbeitenden Industrie tätig. Petra Schreiner und die Hebamme Charlotte Dörnemann befassten sich im Begleitheft mit dem „Stillen“: Historisch wie kunstgeschichtlich (Asam-Deckenfresken in der Fürstenfelder Klosterkirche) oder in der politischen Aufwertung (völkische Ideologie in der NS-Zeit) und ganz realistisch (Dogma Muttermilch?) mit den weiblichen Brüsten und ihren zwei Aufgaben. Bgm. Joh. Thurner schrieb über die Mammendorfer Molkerei, Wolfgang Kleinknecht sehr ausführlich zu „Hornvieh - nichts anderes als misterzeugende Maschinen?“ und Kreisheimatpfleger Toni Drexler über den Weg der Milch vom Erzeuger zur Molkerei. Bei der Ausstellungseröffnung fragte Museumsleiter Reinhard Jakob fast provozierend „Wem gehört die Milch? … Dem Tier, dem Bauern, der Molkerei, dem Handel, dem Verbraucher?“ Er fand aber, dass dieses breite Thema ausgezeichnet zu einem Bauernhofmuseum passt. 60 großzügige und unkomplizierte Leihgeber fanden das gleichfalls. Dr. Jakob befasst sich im Begleitheft ausführlicher mit der noch bestehenden Molkereigenossenschaft Moorenweis, die 1959 noch 273 Mitglieder umfasste. Heute sind hier nur noch 15 Milcherzeuger vereint, die allerdings 3 Millionen kg Milch jährlich an Ehrmann liefern. Im weiteren Beitrag „Milchregion Brucker Land ?“ setzt sich der Museumsleiter mit statistischen Erkenntnisse aus dem Jahr 1910 auseinander. Wie sehr die einfache Milch zu einem Politikum werden konnte, beweist ein 1921 handgeschriebener Beschwerdebrief der Gde. Fürstenfeldbruck an das Bezirksamt FFB: Man hielt es für nicht hinnehmbar, dass die Milcherzeuger in den Landkreisdörfern Grafrath, Unteralting und Mauern nicht mehr an die Brucker Molkerei, sondern an einen besser bezahlenden Münchner Milchhändler lieferten. Aufmüpfig waren auch die Erzeuger der „Fairen Milch“ bei ihrer Protestaktion am 31. März 2008 vor Müllermilch in Aretsried - mit der Beerdigung der Fairnis und einer „ergreifenden“ Grabrede von Kabarettist Ottfried Fischer. Oder die streitbaren ‚Millibauern’ 2009 auf dem Münchner Odeonsplatz mit Reizworten wie „Ignoranz“, „Preisdumping“, „Täuschung“, „Hoffnungslosigkeit“ und „Verlust des Glaubens“... Sonderausstellung „Milch! Nahrung - Mythos - Politikum“ mit vielen Fotos und milchwirtschaftlichen Details bis zum 6. November im Jexhof. Täglich, außer Mo., 13 – 17 Uhr geöffnet. Neue Stüberl-Bewirtung durch Fam. Ripp.

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