Flößerei & Schifffahrt im Landkreis Fürstenfeldbruck – Jürgen Horbach vom Historischen Verein FFB hat recherchiert

Historische Ansicht der Schifffahrt im Ammersee-Gebiet. Foto: HVF Archiv

„Beides hätte es ohne die Flößerei und Schifffahrt auf dem Ammersee nicht gegeben. Beide waren voneinander abhängig.“ Da ist sich Jürgen Horbach, Mitglied des Histor. Vereins FFB, ziemlich sicher. Die so genannte „Holztrift“ der Flößerei - von Kurfürst Maximilian III. 1766 genehmigt - über Ammer, Ammersee und Amper bis zu den Bedarfsstellen in Olching und Dachau (Papierwerke) war über 160 Jahre lang das „billigste Mittel, Nutz- und Brennholz über weite Strecken zu transportieren.“ Die Flöße waren dabei auch oft Transportmittel für andere Waren wie Baumaterial, Holzkohle, Textilien, auch Lebensmittel. Und sogar zur Personenbeförderung geeignet, denn auf so genannte „Ordinariflöße“ konnte man vom 17. bis 19. Jh. einmal wöchentlich von München nach Wien reisen. Erst durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes ab Mitte des 19. Jh. wurden diese alten Handwerke nach und nach verdrängt.

Der Transport über den Ammersee war windbedingt schwierig. Er begann 1767 mit eigens dafür gefertigten Ladschiffen, die etwa 70 Klafter (210 Kubikmeter Holz) fassten. Ab 1774 erfolgte der Transport durch übergroße, mit 2 Masten besegelte, an- einander gebundene Hohlflöße („Schären“, insgesamt 180 m lang), die bis zu 1200 Klafter (3600 Kubikmeter) Holz aufnehmen konnten: Mit 65-70 Mann Besatzung an 52 Zug- und Steuerrudern. In Stegen wurden die Schären in zwei Tagen abgebaut und die Holzscheiter der Amper zum Weitertransport übergeben. Für das Einladen in Diessen hatten dagegen 120 Mann 4 Wochen gebraucht. In der zweiten Hälfte des 19 Jh. kam am Ammersee das Langholzfloß, die herkömmliche Flößerei mit nebeneinanderliegenden Stämmen auf. Breiter als 4 Meter durften sie jedoch nicht sein, weil man mit ihnen auch die Amper mit Brücken und Schleusen befuhr. „Aber es gab bald Probleme.“ Seit 1880 konnte die Flößerei nur noch nachts durchgeführt werden, um die Schiffahrt zwischen Stegen und Grafrath nicht zu behindern. Weitere Schwierigkeiten entstanden durch die an der Amper gebauten Elektrizitätswerke. Beschwerden von Anliegern, aber auch Beschädigungen waren gelegentlich nicht zu vermeiden. Zwischen 1929 und 1930 endete die gewerbsmäßige Flößerei auf der Amper. Die Schifffahrt auf Ammersee und Amper für Fracht und Personen blieb durch königl. Verfügung (1841) ausschließlich den Fischern dort vorbehalten. Dieses Privileg beendete der Dießener Werftbesitzer Peter Ringmaier 1873/74 mit der Gründung eines 12köpfigen Bürgerkomitees (“12 Apostel“) aus lauter Handwerkern und seinem Antrag auf Bewilligung eines Dampf-schifffahrtsbetriebes, was dann auf 25 Jahre erlaubt wurde. Ringmaier erwarb am Neckar ein entsprechendes Dampfschiff, was über die Eisenbahn und in Einzelteilen zerlegt in die Nähe von Weilheim gefahren wurde: Es war 19 m lang, nur 2 m breit, fasste 20 Personen und hatte maschinell 12 PS zu bieten. Der Name: OMNIBUS (lat.: „Für alle“). Bei seiner Wasserung 1877 in den Ammersee erwies sich das Schiff als nicht seitenwindfest und musste nachträglich mit Radkästen stabilisiert werden. Die erste Eisenbahnverbindung Richtung Ammersee erreichte im gleichen Zeitraum den Bf. Grafrath, was die Münchner in Scharen dorthin brachte. Aber sie mussten ja weiter nach Stegen, um den OMNIBUS zu erreichen. Die „12 Apostel“ (inzwischen eine Aktiengesellschaft) bestellte bei Maffei in München 1879 einen Flussdampfer, der ab 1880 die Amper befuhr und den Zubringer- und Abholerdienst zwischen den Stationen Grafrath („Dampfschiff“) und Stegen bestritt. Der Name, offiziell „Marie Therese“, im Volksmund RESERL oder MOOSKUH (nach einer Vogelart im Ampermoos). Das Schiff, 24,5 m lang, Tiefgang 70 cm, 17 Std-Km langsam, fasste 150 Personen, war ein Glattdeckdampfer mit hohem Kamin und Sonnensegel für das Achterdeck der 1. Klasse. Der Steuerstand war offen mit Sprachrohrverbindung zum Maschinenraum. Die Fahrten durch das Ampermoos waren so beliebt, dass bald ein hölzerner Schleppkahn für ebenfalls 150 Personen mit 30 m langer Leine angehängt werden musste. 1885, nach nur 7 Jahren, löste sich die Ammersee-Amper-AG wegen finanzieller Verluste auf. Der Maschinenfabrikant Ritter von Maffei erwarb die gesamte Immobilie für 45.000 Mark und wurde alleiniger Inhaber der Ammersee-Amper-Schiffahrt. Er trennte sich davon 1907 und übergab für 110.000 Mark an den bayerischen Staat (Staatsbahnen) Werftanlagen, Schiffspark und alle Gebäude/Einrichtungen. Die MOOSKUH fuhr noch bis 1925 auf der Amper. Mit dem Kriegsbeginn 1939 ruhte die Amper-Schiffahrt. Die Schiffe STEGEN und GRAFRATH wurden nach dem WK II an den Bayerischen Lloyd in Regensburg verkauft.

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