Die Einrichtung des Trägervereins ,,Frauen helfen Frauen - Fürstenfeldbruck e.V." bietet bei akuter häuslicher Gewalt Zuflucht und Schutz

Seit 25 Jahren Frauenhaus FFB

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Die drei Sozialpädagoginnen teilen sich die Arbeitsbereiche im Frauenhaus FFB (von li:) Maria Harrer, Miriam Ludwig und Ulrike Jurschitzka

Fürstenfeldbruck - Leider ist häusliche Gewalt nach wie vor ein Tabuthema: Jede vierte Frau in Deutschland hat mindestens einmal im Laufe ihres Lebens Gewalt durch den eigenen Partner erlebt. Dazu gehören alle Fälle von physischen, psychischen und sexuellen Übergriffen, die vom eigenen Partner ausgehen. Manchen Betroffenen wird der Kontakt zu anderen Menschen oder das Verlassen der Wohnung verboten. Besonders gefährlich ist die Trennungssituation bei einem gewaltbereiten Partner: Bei einer drohenden Trennung wird meist die Gefährlichkeit des Partners nicht richtig eingeschätzt. Zuflucht und Schutz finden die gepeinigten Frauen im Frauenhaus, wo sie Ruhe, Stabilität und Sicherheit bekommen. Oft haben sie ihre Kinder dabei.

1991 hat der Verein ,,Frauen helfen Frauen" das Frauenhaus Fürstenfeldbruck ins Leben gerufen. Das Haus bietet maximal Platz für sechs Frauen und sieben Kinder. Zu wenig für den Bedarf, wie Ulrike Jurschitzka, Sozialpädagogin und Helferin im Frauenhaus, mitteilt: ,,Leider müssen wir immer wieder Frauen wegen fehlender Zimmer absagen. Dennoch versuchen wir, sie in anderen Frauenhäusern in der Umgebung oder vorübergehend bei Bekannten, Verwandten oder Freunden unterzubringen. Wir tun, was machbar ist, bis der Platz frei ist". Den Schritt, in ein Frauenhaus zu flüchten, schaffen die meisten Frauen erst nach einigen Anläufen. Zu groß ist die Angst vor dem gewalttätigen Mann. ,,Auch der Kinder zuliebe sind die Frauen oft nicht von zu Hause weggegangen", sagt Ulrike Jurschitzka. ,,Zuerst bleiben sie wegen der Kinder, dann gehen sie wegen der Kinder". In der Regel sind Kinder und Jugendliche, die mit ihren Müttern ins Frauenhaus flüchten, schwer belastet durch eigene Gewalterfahrungen oder durch miterlebte Gewalt gegenüber der Mutter. Die Kinder sind einem Gefühl der Hilflosigkeit ausgesetzt und haben große Angst um ihre Mutter.

In den vergangenen 25 Jahren haben rund 800 Frauen und 1000 Kinder den Schutz des Frauenhauses in Anspruch genommen. ,,Frauenhäuser werden immer bekannter, weshalb mehr Frauen die Flucht wagen", berichtet Ulrike Jurschitzka. ,,Die Gemeinschaft hier hilft den Frauen sehr und der gegenseitige der Austausch mit den anderen. Sie sehen, dass sie nicht allein sind".

Ein wesentlicher Faktor der Arbeit im Frauenhaus ist die psychosoziale Beratung - wichtig für die Bewohnerinnen, die häufig traumatisiert sind, nicht arbeiten können und Orientierung suchen. ,,Wir sprechen über Existenzsicherung, Zukunftsplanung und alles, was die komplette Lebensführung ausmacht", erklärt die Sozialpädagogin. Häufig bleiben die Frauen ein halbes Jahr oder länger. Einige schaffen sofort den Start in ein neues Leben, andere gehen zurück zum gewalttätigen Mann: ,,Viele Frauen kommen dann später wieder auf uns zu, wenn der Leidensdruck zu groß wird." Besonders wichtig für das dreiköpfige Team im Frauenhaus ist die Ergebnisoffenheit bei der Beratung: ,,Wir möchten die Frauen zur Selbständigkeit anregen und erreichen, dass sie die Verantwortung für sich selbst tragen".

Aktuell existieren in Bayern 40 staatlich geförderte Frauenhäuser mit 426 Schutzplätzen für Frauen und 504 Plätzen für Kinder. 2014 wurden mehr als 1.500 Frauen in den bayerischen Frauenhäusern aufgenommen. Nach der neuesten Bedarfsermittlungsstudie im Auftrag des bayerischen Sozialministeriums wird davon ausgegangen, dass ca. ebenso viele Frauen keinen Platz im Frauenhaus gefunden haben.

Info: Notrufhandy-Frauenhaus: 08141 - 357 35 65 (24- Stunden Rufbereitschaft)

 Nicole Burk

 

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