Fünf Wochen im Reich der Mullahs - Zwei Natur- und Kunstfreunde aus den Landkreisen Dachau und Fürstenfeldbruck berichten

Sichtbarer Haß auf die USA und Israel an Fassade der ehemaligen US-Botschaft in Teheran. Fotos: Glas/Knobloch

Fünf Wochen kreuz und quer durch den Iran gereist sind Armin Glas - Landkreis Dachau - und Egbert Knobloch aus Olching im Herbst 2010. Andere Touristen aus westlichen Ländern trafen die beiden weitgereisten Bergsteiger, Natur- und Kunstfreunde nicht. Mit 600 Fotos, darunter auch die ehemalige US-Botschaft , kamen sie zurück. Zu Hause brachten sie ihre Erfahrungen zu Papier: „Die Bevölkerung war uns gegenüber hilfsbereit und sehr gastfreundlich , aber in den vielen Gesprächen hörten wir, dass die Iraner mit ihrer momentanen Situation sehr unzufrieden sind.”

Ausschnitte aus dem Tagebuch von Armin Glas, Elektriker aus dem Landkreis Dachau: „ Mein Freund Egbert "Ecki" Knobloch (beschäftigt im Haus der Kunst/München) und ich besuchten den Iran im August/Sept. 2010. In Frankfurt checkten wir problemlos bei der Iran Air ein. Hier sah ich auch den Airbus A380 der Lufthansa mit dem Namen München am Terminal stehen. Der Flug mit einem betagten Airbus A300-600 war angenehm ruhig und mit 4h 11min schön kurz. Die Einreise am Emam Khomeyni Airport war kein Problem, das nötige Visum hatten wir schon vor der Reise besorgt. Am nächsten Tag trennten sich unsere Wege für eine Woche. So flog der Ecki weiter nach Baku/Aserbaidschan, während ich mit einem Taxi ins Alborz-Gebirge aufbrach.Im Bergstädtchen Reineh bereitete ich mich auf die Besteigung des 5.671m hohen Damavand vor. Der aktive Vulkan ist der höchste Berg im Iran. Die Verhandlungen mit dem Bergführer waren schwierig und am Ende doch erfolglos. Er wollte für die 3-Tagestour stolze 300 US-Dollar. Am 21.08.2010 fuhr ich mit einem Landrover rauf zum Ausgangspunkt auf 3.050 m Höhe. Hier wollte ich ein Muli für meinen schweren Rucksack mieten. Ich war alleine und für 10 US-Dollar für meinen Rucksack machte der Mulitreiber keinen Handstrich. Er wollte stolze 45 US-Dollar sehen. Ich wollte das Muli ja nur ausleihen und nicht kaufen!! So schulterte ich den gut 15 kg schweren Rucksack selber und marschierte um 10.45 Uhr los. Nach 4h 40min für 1.200 Höhenmeter traf ich um 15.25 Uhr endlich an der grossen Berghütte auf 4.250 m ein. So um 4.00 Uhr machte ich mich alleine auf dem Weg. Es war noch stockdunkel und so fand ich mit Hilfe meiner Stirnlampe den Pfad durch die steilen Schotterfelder. Gegen 6.30 Uhr ging langsam die Sonne auf. Heikel war die Stelle, wo ständig giftiger Schwefel aus dem Vulkan austritt. Der Höhensturm wehte den Schwefeldampf genau über den Weg zum Gipfel. Um 8.50 Uhr stand ich endlich auf den 5.671m hohen Gipfel des Damavand. Am 23.08.2010 fuhr ich zurück nach Teheran. Hier erkundete ich die nächsten Tage die Megametropole meist zu Fuss. Teheran ist eine hektische und gesichtslose Stadt. Der Autoverkehr ist laut und verpestet die Luft. Als Fussgänger muss man höllisch aufpassen,dass man nicht von einen Auto oder Mopedfahrer überfahren wird. Am 26.08.2010 kam der “Ecki” zurück aus Aserbaidschan. Am 27.08.2010 fuhren wir im Rahmen eines Tagesausfluges in die heiligste Stadt Qom. Die Stadt liegt 150 KM südlich von Teheran am Rande der Kavir-Wüste Die Fahrt mit dem Bus dauerte 90 Minuten und kostete 2 US-Dollar. Jedes Jahr strömen Millionen von Pilger in diese Stadt, um das Heiligtum der Fatemeh zu besuchen. Wir hatten schon Angst, hier im religiösen Zentrums wegen des Ramadans quasi zu verhungern!! Um so größer war unser Erstaunen,als wir ein mit Vorhängen verhülltes Restaurant gleich gegenüber des Heiligtums betraten. Hier nahmen viele Pilger genüsslich ihr Mittagessen ein. Kaum hatten wir Platz genommen,flitzte schon ein Ober herbei und brachte Salat und Fladenbrot. Dazu genossen wir eine üppige Portion,bestehend aus Huhn mit Reis, Joghurt und zweier Coca Cola. Ziemlich gesättigt bezahlte ich für dieses oppulente Mahl nur 6 US-Dollar. Am Nachmittag suchten wir den Bahnhof von Qom auf,um mit dem Zug zurück nach Teheran zu fahren. Die Fahrkarte kostete 0,70 US-Dollar und es war sogar eine gefrorene 0,5 Liter Mineralwasserflasche inklusive!! Der Zug war gut 2,5 Stunden unterwegs und um 19.30 Uhr stiegen wir am Hauptbahnhof in Teheran aus. Zurück im Hotel trafen wir auf einen superhilfsbereiten Rezeptionisten.Da wir Morgens nach Tabriz fahren wollten, buchte er für uns die Busfahrkarten .Am 28.08.10 fuhren wir mit einem Taxi zum Busterminal im Norden von Teheran.Hier wurden wir namentlich von einem Mitarbeiter der Busgesellschaft empfangen.Mit einem V.I.P. Bus, der gerade einmal Sitzplätze für 24 Passagiere bietet, fuhren wir superbequem die 620 km bis nach Tabriz,einer Millionenstadt ganz im Nordwesten des Irans. Die Iraner sind neugierig und kommen auf uns zu, um uns zu fragen, woher wir kommen, was wir im Iran machen und wie es uns gefällt? Öfters mussten wir auch als Fotomodell herhalten. Auch bekamen wir hier in Ardebil eine Grossdemonstration gegen die USA und Israel mit. Menschenmassen strömten von aussen in das Zentrum von Ardebil.Alles wurde genau gefilmt und fotografiert. Für den 30.08.10 hatten wir einen Tagesausflug nach Takht-e Soleyman gebucht. Punkt 7.00 Uhr war der Taxifahrer da und so fuhren wir über gute Teerstrassen rein in das kurdische Bergland. Nach Ardebil war die hügelige Hochebene von der Sonne verbrannt. Als wir einen Tunnel durchquerten, änderte sich die Szenerie dramatisch. Nun erreichten wir den steilen Abhang des Alborz-Gebirges, runter zum Kaspischen Meer. Unser Ziel heute war das Bergdorf namens Masuleh.Das Dorf würde ich als das Zermatt vom Iran bezeichnen. Die Strasse war steil und so fuhr unser Busfahrer langsam bergab.Dabei sahen wir auch zwei schwere Lastwagenunfälle.Die Trucks lagen ziemlich verbeult im Strassengraben. Am Vormittag des 04.09.10 flanierten wir noch einmal durch die engen Gassen von Masuleh. Um die Mittagszeit fuhren wir mit einem Taxi gut 60 KM nach Rasht und weiter mit einem Bus nach Nowshahr,wo wir erst am Abend eintrafen. So suchten wir am Vormittag einen geeigneten Strand,um im Kaspischen Meer zu baden. Leider war fast die gesamte Küstenlinie zugebaut. Die Küste bestand hier aus dicken Kieselsteinen und war vermüllt mit Dosen und Plastikflaschen. Auch trieb auf dem Wasser schwarzer Dreck. Am 06.09.10 fuhren wir um die Mittagszeit weiter von Nowshahr nach Gorgan. Der Busfahrer fuhr ewig langsam und machte viele Pausen. So waren wir heilfroh,als wir um 20.30 Uhr in Gorgan ausstiegen. Witzig war ein Mister Ali, der Besitzer vom Guesthouse Pars. Erst wurden wir über Deutschland, Europa und die Welt ausgefragt, bevor wir das Zimmer beziehen durften. Am Vormittag des 07.09.10 fuhren wir mit einem Taxi von Gorgan in das 90 KM entfernte Gonbad-e Kavus. Der Taxifahrer fuhr sehr sportlich. Unangenehm waren nur die vielen Radarfallen der Polizei. Promt wurde der rasende Taxler geblitzt und musste gleich an Ort und Stelle 20 US-Dollar Strafe bezahlen. In Gonband-e Kavus besichtigten wir einen 55 m hohen Grabturm. Am Abend fuhren wir mit einem Taxi zum Busbahnhof von Gorgan.Hier bestiegen wir erneut einen modernen Luxusbus.Der Bus hatte drei Achsen und stammte von der Firma Scania.Um 23.05 Uhr fuhr der Busfahrer los. Am nächsten Morgen erreichten wir die Millionenstadt Mashhad. Nun waren wir ganz im Nordosten des Irans angekommen.Von hier aus wäre es nicht mehr weit bis nach Afghanistan oder Turkmenistan. Von Tabriz bis Mashhad sind es über 1.500 KM. Wegen der grossen Entfernungen in Iran hatten wir von Teheran nach Isfahan einen Inlandsflug gebucht.Mit einer Fokker 100 der Iran Air flogen wir am 12.09.10 in nur 41 min in den sonnigen Süden. Wunderschön anzusehen war der Imam-Platz,der mittlerweile zum Unesco-Weltkulturerbe zählt. Als erstes gingen wir zum grossen Imam-Platz,dann weiter zur Madrese (Koranschule) Chahar Bagh. Diese altehrwürdige Schule stammt aus dem Jahre 1703 und wird immer noch als Theologisches Seminar genutzt. So wurde uns Touristen leider der Eintritt verwehrt. Schon bald erreichten wir den Fluss Zavandeh mit der berühmten Ziegelsteinbrücke aus dem Jahre 1602. In einem Gassengewirr südlich des Imam-Platzes befanden sich unzählige Werkstätten, die Souvenirs herstellten. Hier entdeckte ich eine Malerin mit einer frisch operierten Nase. Die Menschen im Iran,egal ob Mann oder Frau,lassen sich oft die Nase operieren,als Zeichen des Protests gegen das Mullah-Regime. Am 19.09.2010 war nun unser letzter Urlaubstag hier im Iran. Kurz vor der Endstation mit der Metro im Süden von Teheran machte ich ein - wie ich dachte - originelles Bild vom Frauenabteil. Kaum war ich an der Endstation ausgestiegen,war ich auch schon umzingelt von gut 20 aufgebrachten Frauen. Was für ein Temperament die iranischen Frauen an den Tag legen!! Zu meinem Glück mischte sich der nette U-Bahnfahrer sofort ein und nahm mich etwas zur Seite. So musste ich wohl oder übel das Foto wieder löschen.”

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