Abba Naor, Karl Rom und Uri Chanoch in Fürstenfeldbruck 

Jüdische Todesmarsch-Überlebende am Mahnmal in Fürstenfeldbruck 

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Karl Rom, Uri Chanoch, Abba Naor kamen aus Israel zur Gedenkfeier nach Fürstenfeldbruck

Fürstenfeldbruck – Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung: "Wir sterben nicht einfach, aber wir sterben, wenn wir vergessen", sagte der 84-jährige Abba Naor bei der Gedenkstunde am 27. Januar am Todesmarsch-Mahnmal in Fürstenfeldbruck. Ihn begleiteten zwei weitere Überlebende, Karl Rom und Uri Chanoch.

 Als Julia Zieglmeier vom Fürstenfeldbrucker Arbeitskreis Mahnmal die ca. 150 Fürstenfeldbrucker um eine Schweigeminute bat, begannen die Mittags-Glocken der nahen Stadtpfarrkirche zu läuten. Feierlicher hätte die Gedenkstunde am 27. Januar am Todesmarsch-Mahnmal in der Brucker Innenstadt nicht zu Ende gehen können.  

„Wir sterben nicht einfach, aber wir sterben, wenn wir vergessen“, sagte der 84-jährige Abba Naor, der zusammen mit zwei weiteren Überlebenden des Todesmarsches, Karl Rom und Uri Chanoch, auch heuer wieder an der Gedenkfeier teilnahm. Der 1928 im litauischen Kaunas geborene Naor, der heute in Israel lebt, dankte in seiner kurzen bewegenden Ansprache der Brucker Bevölkerung, dass sie die Gräueltaten des Nazi-Regimes nicht vergessen. 1,5 Millionen Kinder wurden umgebracht, nur weil sie jüdische Kinder waren, klagte Naor an. Viele bestreiten die Zahl, meinte er. „Und wenn es nur ein Kind ist, ist es nicht eines zu viel?“

 Neben den drei Zeitzeugen konnte Julia Zieglmeier auch den ehemaligen Bürgermeister aus Gauting, Ekkehard Knobloch mit Gattin begrüßen. Knobloch hatte 1989 mit einem Rundbrief an 25 Kollegen in der Region angeregt, mit einer Reihe von Mahnmalen an den Todesmarsch zu erinnern, stieß aber bei den meisten seiner Kollegen auf Ablehnung. 

Das Todesmarsch-Mahnmal des Künstlers Hubertus von Pilgrim, das in immer gleicher Form jeweils eine Station des Leidensweges der KZ-Häftlinge darstellt, steht inzwischen in 23 Orten und wurde 1994 in Fürstenfeldbruck an der Dachauer Straße/Ecke Augsburger Straße errichtet. Es erinnert an den Todesmarsch 1945 von KZ-Häftlingen aus den Lagern Landsberg/Kaufering. Kurz vor dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes und vor dem Einmarsch der Amerikaner wurden fast ausschließlich jüdische Zwangsarbeiter aus Richtung Landsberg durch den Landkreis getrieben. 

Die Stadt wurde vom zweiten Bürgermeister Johann Schilling und einigen Stadträten vertreten, und für den Landkreis kam Landrat Thomas Karmasin und Stellvertreterin Gisela Schneid Vermisst wurden von Abba Naor allerdings Vertreter der Bundeswehr. 

Dr. Matthias Weber vom Brucker „theater5“ sowie Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Puchheim unter der Leitung von Dr. Peter Anetsberger trugen abwechselnd aus George Taboris „Die Kannibalen“ und „Mutter Courage“ sowie aus dem „Tagebuch der Anne Frank“ und aus einem Brief der Dichterin Mascha Kaleko beklemmende und bewegende und sehr nachdenklich stimmende Textpassagen vor. Der Chor des Puchheimer Gymnasiums unter der Leitung von Anna Schurr sang zwei Lieder und die elfte Klasse der FOS/BOS Fürstenfeldbruck erinnerte mit Plakaten und Collagen an die Geschichte des Todesmarsches. „Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung“, zitierte Julia Zieglmeier eingangs den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und diese Erinnerung werde man auch in Zukunft durch die jährliche Gedenkfeier wachhalten. Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung legten die Besucher nach jüdischem Brauch Steine am Mahnmal nieder.

Dieter Metzler 

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