Geigenbauer Paul Lijsen aus Türkenfeld hat die Liebe zur Pappel entdeckt

Instrumente für die Ewigkeit

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Geigenbauer Paul Lijsen überprüft den Klang des Pappel-Cellos

Türkenfeld - Regelmäßig spielt der Geigenbaumeister seine Bratschen und Celli im Reifelager an. Er überprüft deren Klang, wie sie sich entwickelt haben und wie lange sie noch reifen müssen. Paul Lijsen liebt dieses Ritual, das ihm bei seinen Streichinstrumenten aus Pappelholz enorm wichtig ist. Im Gegensatz zu den Instrumenten aus Ahorn, die sofort nach deren Fertigstellung einsatzbereit sind, müssen Celli und Bratschen aus Pappelholz einen langen Reifeprozess durchlaufen - je nach Wuchsgebiet und Härte des Stammes: ,,Ich würde ihnen eine Zeit von mindestens fünf bis zehn Jahren einräumen", sagt Paul Lijsen. Natürlich auch länger.  

,,Ich baue die Pappelinstrumente jetzt schon mal vor, damit es sie auch in hundert Jahren noch gibt". Um den Unterschied zu demonstrieren, spielt er erst eine Ahorn-, dann eine Pappel-Bratsche an. ,,Die Bratsche aus Ahorn klingt strahlend und brilliant. Sie bietet jetzt schon das volle Register", erklärt der Geigenexperte. Dagegen ertönt die Pappel-Bratsche in einem dunklen, eher gedämpften Tembre. ,,Diese hat noch nicht so viele Spitzen. Je länger sie reift, umso idealer wird ihre Klangdichte". Aufgrund der Eigenschaft von Pappelholz - weich und von grobfaseriger Struktur - werden tiefe Schwingungen erzeugt. Diese sind für die dunkle Klangfarbe verantwortlich. Erst nach Jahren der Reifung haben Bratschen und Celli aus Pappel den perfekten Klang, der von vielen Cellisten gesucht wird.

Mit Stolz präsentiert er sein ,,Reifelager"

Als eines Tages ein Musiker sein kaputtes Cello in die Werkstatt zur Reparatur brachte, war es um Paul Lijsen geschehen. ,,Es handelte sich um ein altes italienisches Pappel-Cello aus dem 18. Jahrundert", schwärmt er. ,,40 Jahre habe ich darauf gewartet, dieses Cello in den Händen zu halten und kopieren zu können". Mittlerweile hat er drei Pappel-Celli und einige Bratschen aus Pappel angefertigt. Der Geigenbaumeister nennt sie Instrumente für die Zukunft - wenn sie ihren Reifeprozess durchlaufen haben. ,,Je reifer, desto besser. Man kann es vergleichen mit einem guten Beordeaux oder Cognac".

1974 eröffnete der Geigenbauer mit holländischen Wurzeln seine erste Geigenbau- Werkstatt in Moorenweis. Sechs Jahre später ging er nach Türkenfeld, wo er in der Zankenhausener Straße eine kleine Werkstatt mit angrenzendem Verkaufsraum bezog. Seinen hohen Qualitätsstandard verdankt er nicht nur der Tatsache, dass er an vielen bedeutenden internationalen Fachseminaren mit Violine, Viola und Violoncello teilgenommen hat, sondern auch, weil er mit Biss und Leidenschaft an die Sache rangeht: "Ich fahre regelmäßig zu Ausstellungen für Geigenbauer, nehme an internationalen Geigenbau-Wettbewerben teil und besuche Symposien in ganz Europa", erzählt Paul Lijsen. Zuletzt war er bei den diesjährigen Münchner Geigentagen. Um immer auf dem neuesten Stand zu sein, pflegt er die Mitgliedschaft im Verband deutscher Geigen- und Bogenmacher und in der Deutschen Violagesellschaft.

Weitere Informatonen unter: www.geigenbau-lijsen.de

Nicole Burk

 

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