Gesteuert von Cyber-Kriminellen? - Sabine Nagel, Expertin des LKA für Computer- und Internetkriminalität sprach bei Veranstaltung des Kreisboten FFB

Unser Bild zeigt: v. l. Direktor der Unternehmenskommunikation der Sparkasse Fürstenfeldbruck, Dirk Hoogen, r. KB-Geschäftsstellenleiter Günther Preiss.

„100 Prozent Sicherheit wird es nie geben, weil sich das Netz weiterentwickelt“, sagte Sabine Nagel am 30. November bei ihrem Vortrag in Fürstenfeldbruck. „Aber gute Möglichkeiten, das Internet sicherer zu machen.“ Auf Einladung des Kreisboten Fürstenfeldbruck referierte die Sachgebietsleiterin für Wirtschaftsdelikte, Korruption und Computerkriminalität beim Bayerischen Landeskriminalamt über Cybercrime - Computer- und Internetkriminalität.

Eine im Auftrag von KPMG, einem führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen, bei Führungskräften aus Unternehmen aller Größen und Branchen durchgeführte Befragung des Emnid-Instituts habe ergeben, dass in den vergangenen drei Jahren jedes vierte Unternehmen in Deutschland Opfer von Computerkriminalität wurde, berichtete die ausgewiesene Expertin. In ihrem 45-minütigen Vortrag brachte sie den ca. 70 interessierten Zuhörern im Brucker Sparkassensaal nahe, wo für sie als Unternehmer aber auch als Bürger Gefahren bei der Internetbenutzung lauern und wie sie sie abwenden können. Der stellvertretende Verlagsleiter des Kreisboten, Helmut Ernst aus Weilheim, sowie der Geschäftsstellenleiter aus Fürstenfeldbruck, Günther Preiss, und als Hausherr, Sparkassen-Kommunikations-Direktor Dirk Hoogen, hatten zuvor in ihren Grußworten auf die Thematik eingestimmt und einhellig die Notwendigkeit zur Aufklärung über die Gefahren begrüßt. Aus einer Studie des Bundesverbandes für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) geht hervor, dass 70 Prozent aller Bundesbürger das Internet nutzen. Davon glauben 40 Prozent, dass ihre persönlichen Daten sicher sind, so Nagel. Jeder fünfte Nutzer surft ohne Virenschutzprogramm, obwohl die Sorge, von Schadprogrammen infiziert zu werden, am größten sei. Die polizeiliche Kriminalstatistik Bayerns für 2009 hat in der Computer- und Internetkriminalität 8166 Delikte registriert. Gegenüber dem Jahr 2008 stiegen die Delikte um 26,3 Prozent. Darunter fielen u. a. 3440 Fälle von Computerbetrug, 1051 Fälle von Ausspähen und Abfangen von Daten, 193 Datenveränderungen und 82 Computersabotagen. Der Schaden betrug insgesamt sechs Millionen Euro. Anhand von Fallbeispielen zeigte die LKA-Beamtin das organisierte und vernetzte Vorgehen der im Bereich „Cybercrime“ aktiven Kriminellen auf. Als herausragendes Phänomen erklärte sie beispielsweise den Identitätsdiebstahl, die Erlangung von persönlichen Daten z. B. von Kreditkarten. Dabei werden Bankkunden mittels Mail auf eine perfekt gefälschte Bankwebsite geleitet und aufgefordert ihre Zugangsdaten zu aktualisieren. Oder der Rechner des Kunden wird über den Besuch von „harmlosen“ Websites mit Schadstoffware (Trojaner) infiziert. Das Schadprogramm spürt dann auf dem Rechner gespeicherte Daten auf. Allein 2010 rechnen das Bundeskriminalamt und BITKOM bundesweit mit 5000 Phishingfällen und einem voraussichtlichen Schaden von 17 Millionen Euro. Bei einer weiteren Methode schmuggelt sich der Täter über eine auf dem Kundenrechner installierte Schadstoffware in die Online-Kommunikation zwischen Bank und Kunde ein (Man-in-the-middle-Angriff). Oder Internetbenutzer werden trotz richtiger Eingabe der richtigen Adresse seiner Bank auf eine täuschend echt nachgeahmte Seite der Täter umgeleitet (Pharming). Neben einer intensiven Kundenberatung und der Nutzung eines sicheren Verfahrens riet Nagel zum Schutz gegen Schadstoffware zur Aktualisierung von Betriebssystemen und allen installierten Programmen, zur Nutzung von aktuellen Antivirenprogrammen und aktueller Firewall. Aber auch das persönliche Verhalten beim Umgang mit dem Internet sei wichtig. Um das Ausspähen von Unternehmensdaten, oder einer Computersabotage, bei der ein gekündigter Mitarbeiter Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse verriet und einen Schaden von 600.000 Euro verursachte oder wo über ein Telefonanlagenhacking ein Schaden von 380.000 Euro entstand, einigermaßen gewappnet zu sein, riet Nagel zur Entwicklung und Einrichten eines IT-Sicherheitskonzeptes. Dazu zählen die Ermittlung und der Schutz unternehmenskritischer Daten (Abschottung und Datensicherung) und sicherheitsrelevanter Systeme, eine optimale Systemsicherheit und Festlegung von Verantwortlichkeiten, die Festlegung von Zugriffsregelungen, IT-Nutzungsrichtlinien sowie die Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeiter. Zum Ende ihrer Ausführungen informierte Nagel über Angriffe unter Verwendung von Botnetzen. Das liebste und produktivste „Haustier“ vieler Cyberkrimineller ist das eigene Botnet – Massen übernommener PCs, die auf einen Einsatz als Spam-Versender oder DDos-Maschinerie warten. Wer derartige Dienste benötigt, kann Botnets oder Teile davon gegen festgelegte Gebühr für einige Stunden oder Tage mieten. „Sie sollten sich genau überlegen, wem gegenüber sie persönliche Daten preisgeben“, gab die Expertin zum Abschluss ihrer Ausführungen den Zuhörern mit auf den Weg und warnte insbesondere vor dem großen „Tummelplatz“ der sozialen Netzwerke. „Machen sie einmal einen Test und googlen sie sich selbst. Sie werden sich wundern, welche Daten es über sie gibt.“

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