zu Guttenberg im Festzelt

So dicht zusammenrücken mussten die Brucker für den Vortrag eines CSU-Politikers schon lange nicht mehr im Bierzelt auf dem Brucker Volksfestplatz wie bei Bundswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Der Shootingstar, der die CSU fast schon handstreichartig aus der Krise holte, lockte quer durch alle Generationen Besucher aus Nah und Fern.

Und als er endlich mit einer halben Stunde Verspätung unter den Klängen des Bayerischen Defiliermarsches der Brucker Stadtkapelle ins Zelt einzog, standen die Menschen wie ein Mann spontan auf, klatschten und jubelten, waren echt begeistert: „endlich wieder einmal ein Politiker, der etwas hermacht, nicht nur geschickt daherredet, sondern uns versteht.“ So drückte ein 17-Jähriger seine Gefühlslage im Bierzelt aus. Gerda Hasselfeldt, Stimmkreisabgeordnete und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages begrüßte den Minister als einen der beliebtesten, ehrlichsten und kompetentesten deutschen Politiker. Sie brauchte nicht viele Worte über ihn zu machen. Sie bat die Leute nur, eng zusammenzurücken, damit möglichst viele Platz hätten, um ihn zu sehen. Zu Guttenberg hatte von Anfang an die Leute auf seiner Seite. Er wirkte auf sie wie der Heilsbringer persönlich, obwohl, man muss sich das wirklich bewusst machen, Deutschland in der größten Krise seit Bestehen der Bundesrepublik steckt und viele Zuhörer ganz persönlich davon betroffen sind. Dass ihm das bewusst ist, verrät der Bundesminister gleich in seinen ersten Worten an sein Publikum: Ihm gehe es um Ehrlichkeit in der Politik. Auf dem Sideboard neben dem Rednerpult könne man zwar Salbeitee im Maßkrug verstecken, bei Beckstein habe es sogar zwei Sideboards dafür gegeben. „Bei mir ist aber Bier drin und jetzt erstmal Prost Ihnen allen!“ Damit hatte er auch schon die letzten, noch vorsichtigen Zweifler davon überzeugt, dass er „nach Wochen im Märkischen Treibsand jetzt endlich wieder einmal auf festem bayerischen Boden“ hier vorne steht: „Das tut gut.“ Er werde aber nicht sein 45-Seiten-Manuskript runterlesen, sondern „mein Herz sprechen lassen, offen und ehrlich meine Meinung sagen und aus meinem Herzen keine Mördergrube machen.“ Die Zuhörer begriffen: Man hat es also nicht mit einem der üblichen politischen Schönredner und Taktiker zu tun. Dann begrüßte er charmant und witzig die anwesenden Lokalpolitiker: Zu Gerda Hasselfeldt als Bundestagsvizepräsidentin und Reinhold Bocklet als Landtagsvizepräsidenten, kommentierte er: „Hier herrscht ja geradezu eine Vizepräsidentenschwämme“. Vor dem „jung gebliebenen Thomas Goppel“ dürfe er sich dankbar für dessen „Jahrzehnte langen Dienst an der Heimat“ verbeugen, „ohne dass einem ein Zacken aus der Krone bricht“. Thomas Karmasin und Sepp Kellerer charakterisierte er ebenso elegant wie ehrenvoll mit dem Prädikat: „Landräte und Oberbürgermeister in Bayern sind die letzten Feudalherren dieser Erde.“ Der Wirtschaftsminister vergaß auch nicht, sich höflich bei Michael Piscitelli, dem Brucker CSU-Ortschef für die Organisation seines Besuchs zu bedanken. Dann kam er „zur Sache, zur Krise“. Klar bekannte der Wirtschaftsminister: „Die Krise hat mit ungeheuerer Wucht das Land erfasst und verlangt uns allen besondere Anstrengung ab.“ Von ihm als Minister verlange sie „ein gerüttelt Maß an Demut“. Er verstehe die Krise „nicht als eine Stufe auf der Karriereleiter“, sondern er werde seine „Arbeit bis zum letzten Tag vor der Wahl am 27. September machen“. Guttenbergs erklärte seinen persönlichen Hintergrund: Die Arbeit gegen die Krise erfordere „Unabhängigkeit im Denken und Handeln. Im Bierzelt in Bayern tanke ich die Kraft für Berlin.“ Es wäre „der falsche Weg, unverantwortlich, töricht und dumm“, jeden Tag in den Wettlauf um die schlechteste Nachricht zu treten. „Deutschland hat es nicht verdient“ wie die Mitbewerberin um das Bundespräsidialamt Gesine Schwan in der Krise „auch noch von sozialen Unruhen zu faseln“. Die Menschen würden doch besonnen auf die Krise reagieren. Er verstehe daher nicht, dass er „Watschen“ dafür bekommen habe, „dass ich es gewagt habe, davon zu sprechen, dass es Optimismus geben darf“. Man müsse „Zuversicht verbreiten“, dürfe eben nicht die Kassandra spielen: „Wer sich abends mit Kassandra ins Bett legt, muss sich nicht wundern, wenn er morgens tot aufwacht.“ Nicht nur Gesine Schwan, der SPD und der Linken hielt er den Spiegel vor, sondern auch der CSU: Sie habe „zu wenig die Nähe der Menschen gesucht und Bodenhaftung verloren“ in der Vergangenheit: „Wir sind nicht genug dem Eindruck entgegen getreten, dass wir zu arrogant waren.“ Politisches Handeln sei „Dienstleistung am Menschen, nicht das eigene Fortkommen im Blick haben“. Deshalb suche er das direkte Gespräch mit „dem von der Krise betroffenen Milchbauer und möglichst jeden Tag mit dem Unternehmer aus dem Mittelstand“. Zu Guttenberg wandte sich gegen Pauschalierungen in der Politik. Er beilige sich nicht an generellen Verurteilungen der Manager oder der Banker im Allgemeinen: „Jeder verantwortlich handelnde Sparkassenfilialleiter, das ist mein Maßstab.“ Das „Rückgrat unserer Volkswirtschaft ist der Mittelstand, das Handwerk und die Bauern“. Die haben die Unterstützung verdient. Aus der Krise kommt man nach Guttenbergs Überzeugung dann wieder heraus, wenn man „nicht den Staat in den Vordergrund stellt, sondern die Werte der sozialen Marktwirtschaft“. Es helfe niemandem, die Soziale Marktwirtschaft in Frage zu stellen, es „reicht auch nicht glückseelig Ludwig Erhard zu hauchen und sonst nichts“. Nach Guttenberg zählen „Leistung, Eigentum und Freiheit im Wechselspiel mit Verantwortung, Vertrauen in den Markt und den Menschen die Wahrheit sagen“. Man dürfe „nicht den Leistungsträgern ständig neue Belastungen“ auferlegen. Gerade in der Krise gelte die Maxime: „Soviel Staat wie nötig und soviel Markt wie möglich.“ Man dürfe sich auch nicht an die vielen Milliarden gewöhnen, sondern sich bewusst sein: „Wenn wir von Milliarden zur Unterstützung der Industrie reden, dann reden wir immer von Milliarden Steuergeldern“. Nach Guttenberg „geht es letztlich in der Krise um die Erhaltung von Arbeitsplätzen über den Wahltag hinaus“. Deshalb versteht er auch nicht Schröders „Vorwürfe des Gaspromdiplomaten gegen ihn als Baron von Bayern“. Er habe „kein kaltes Herz“

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