Härtligt välkommna - Schwedische Personalreferentin mit jordanischen Wurzeln sprach in Olching über Gleichstellung der Frau

Für die ‚Fährfrau’ Samar Perez Lennart ist diese Frage von Bedeutung für Entscheidungen nach personellen oder unternehmerischen Gesichtspunkten. Foto: Günter Schäftlein

Auf Einladung der Gemeinde und Anregung des Gleichstellungs- u. Migrationsreferenten Peter Knoll kam die Personalreferentin eines schwedischen Möbel-Konzerns, Samar Perez Lennart, ins Haus der Begegnung und schrieb „Härtligt välkommna!“ (Herzlich willkommen!) Die Referentin verfaßte 2009 eine Masterarbeit über die Gleichberechtigung im Topmanagement ihres Unternehmens, für das sie seit 20 Jahren tätig ist.

In seiner Begrüßung sprach 1. Bgm. Andreas Magg von einer weiblichen Quote in Führungspositionen, die selbst von den Frauen auch gegensätzlich gesehen würde. Die eigene Gemeinde ginge damit objektiv um: Von sechs Amtsleitungen wären je drei weiblich/männlich besetzt - und man habe eine Geschäftsleiterin. Peter Knoll sah es für allgemeine Verhältnisse realistisch: „Bei der Gleichberechtigung sind wir als Deutsche nicht gerade vorne dabei!“ Die Referentin Frau Perez Lennart, mit einem Spanier verheiratet und Mutter von zwei Söhnen, die dreisprachig aufwachsen, kommt aus der IT-Branche und ist bereits langjährig in Deutschland tätig: „Unter lauter Männern war ich die Prinzessin.“ In Schweden käme viel aus der Tatsache, dass die Frauen viel stärker ins Erwerbsleben eingebunden wären: 90% der Frauen arbeiteten wieder nach 12 Monaten Mutterschaft. Alle Kinder wären in Voll- oder Teilzeit im Kindergarten untergebracht. Das Familienleben ließe sich trotzdem gut organisieren; betriebliche Rücksicht würde auch bei der Arbeitszeit genommen. Selbst bestimmte - letzte - Zugverbindungen nach Hause als unumgänglich akzeptiert. Natürlich gäbe es auch in Schweden Probleme für Teilzeitbeschäftigte im Einzelhandel, wenn vom Publikum gewünschte Öffnungszeiten abends oder an Wochenenden anstünden. Insgesamt aber eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Nach diesem mehr allgemeinen Ausflug in die skandinavische und weibliche Arbeitswelt stand die Masterarbeit von Frau Perez Lennart an.: Die Frauen-Quote im Top-Management. Eigentlich sei das Wort ‚Frauen-Quote’ ja negativ belastet. Und: „Frauen von heute passen nicht in alte Schubladen. Eltern von heute mit kleinen Kindern können ebenso 20 wie 40 Jahre alt sein …“ Wie sieht es beispielsweise bei den „Tops“ in der Politik aus, die ja so gern in diesem Punkt den Mund manchmal voll nimmt? Die CSU als sogenannte staatstragende Partei propagiert für Führungspositionen einen Anteil von 40% als unverbindliche Empfehlung - und nimmt hierfür gleich mal die Orts- und Kreisebene aus. Und wie sieht es in Groß- oder börsennotierten Unternehmen mit den Aufstiegschancen für weibliche Kräfte aus? Bosch, BMW, E.ON und auch noch andere streben einen Frauenanteil zwischen 15 und 22 % an. Frauenanteil-Primus D. Telekom muß sich für sein Angebot von 30% weibliche Führungsposten weltweit inzwischen Vorwürfe gefallen lassen. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Köln bemängelt, dass die Telekom mit ihrer öffentlichkeitswirksamen Selbstverpflichtung „andere Großunternehmen in Zugzwang bringen würde.“ Das tun aber die Norweger, die 2003 lediglich über 7% Frauenanteil in den Verwaltungsräten der börsennotierten Unternehmen verfügten (in Deutschland = 3%) mit ihrer gesetzlichen Anordnung (bei Strafandrohung) aus dem gleichen Jahr: Heute sitzen in den gleichen Verwaltungsräten fast 39% Frauen. Dänemark hat eine ausgeglichene Geschlechterpräsentation auf der Führungsebene in Unternehmen/Verwaltungen mit staatlicher Mehrheitsbeteiligung. In Schweden sind in öffentlichen Sektoren als Führungskraft 65% Frauen tätig, in privat-geführten Unternehmen im Top-Management 25% Frauenanteil. Die Niederlande wollen eine Quote von 30% an weiblichen Führungskräften bis 2016 realisieren, Frankreich eine Frauenquote von 40% im Top-Management aller öffentlichen Einrichtungen und in börsennotierten Unternehmen. Und IKEA - in Deutschland mit 46 Häusern stark vertreten? 50% aller Führungskräfte sind Frauen in Häusern bis zu 250 Mitarbeiter und bis zu 350 Mitarbeiter. Die 12 Häuser darüber kennen nur eine männliche Führungsebene. 62% aller Mitarbeiter sind Frauen, denn auch 61% der Kunden sind Frauen. 75% des IKEA-Führungsnachwuchses stammt aus eigenen, internen Reihen. Geschätzt werden die firmeneigene Kinderbetreuung, die Gehaltsgerechtigkeit und die flexiblen Arbeitszeiten. Und: „Wir überlegen ständig, was im Umgang mit Kunden verbessert werden kann.“

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