Bei den Bauern sorgt die stetig wachsende Zahl von "Schwarzkitteln" für Verdruss - Hege- und Naturschau im Landsberieder Dorfwirt

452 Wildschweine von den Jägern geschossen

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Begutachten eine Jagdtrophäe (v.l.) Kreisjagdberater Rainer Grüter, Hans Betz von der Unteren Jagdbehörde und der BJV-Vorsitzende Gerhard von Hößlin.
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Bei der Hegeschau konnten die Jäger sehen, welche Tiere in den Revieren geschossen wurden.
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Insgesamt 654 Böcke wurden in der Saison 2015/2016 zur Strecke gebracht und deren Geweihe bei der Hegeschau ausgestellt.
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Für dia kapitalsten Böcke gab es Medaillen, hier in Silber.
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Die Trophäen müssen einmal im Jahr bei der Hegeschau ausgestellt werden, das ist vorgeschrieben.
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Auch Forstamtsleiter Hans-Jürgen Gulder machte sich ein Bild von der Tätigkeit der Jäger.
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Diese fünf Trophäen wurden heuer mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
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Die Bläser blasen zum Auftakt der Hegeschau das Halali.

Landsberied – Vor zehn Jahren galt das Wildschwein im Landkreis praktisch noch als ausgestorben. Doch das hat sich geändert. 452 Stück, der im Volksmund Schwarzkittel genannten Tiere wurden in der Jagdsaison 2015/2016 von den Jägern geschossen – sehr zur Freude der Landwirte. Denn während sich Naturschützer über die Rückkehr der Wildschweine freuen dürften, sorgen sie bei den Bauern für Verdruss.   Der Grund: Das Schwarzwild wühlt Äcker und Wiesen um und sorgt damit für nicht unerheblichen Schaden. „Das finden die Bauern natürlich nicht so lustig“, sagt Michael Pöllmann, Sprecher der Brucker Kreisgruppe des Bayerischen Jagdverbandes (BJV), am Rande der diesjährigen Hege- und Naturschau im Landsberieder Dorfwirt.

 

Ein weiteres Problem: Nicht alle Tiere landen als Nahrung auf den Tellern. Eine ganze Reihe muss weggeworfen werden. Der Grund: Strahlenbelastung. Vor allem Pilze sind nach wie vor durch die Tschernobyl-Katastrophe stark belastet. Wildschweine, die diese Pilze fressen, weisen ebenfalls oft eine Belastung jenseits des Grenzwertes auf. Das fällt jedoch von Tier zu Tier ganz unterschiedlich aus – je nachdem, was es gefressen und wo es gewühlt hat. „Wir hatten auch schon Tiere aus einer Rotte, von denen eins gar nicht belastet war und das andere weit über dem Grenzwert lag“, sagt Pöllmann. Aus diesem Grund muss jedes geschossene Tier einzeln in einer Messstation in Unterschweinbach gestestet werden. Liegt der Wert unter 600 Becquerel, dann darf das Wildschwein gegessen werden. Andernfalls wird es weggeworfen. Während die Population beim Schwarzwild also steigt (Pöllmann: „Das ist zwar ein Thema, aber dramatisch ist die Situation noch nicht“), vermeldet der BJV beim Rehwild eine stabile Population. Die übliche Auseinandersetzung zwischen Jägern und Förstern, die junge Bäume vor dem Verbiss von Wild schützen wollen, blieben in Landsberied deshalb nahezu aus.

 „Das Verbissgutachten ist stabil“, sagt Pöllmann. „Der Wald ist in Balance.“ Auch die Abschussquoten können deshalb stabil gehalten werden. Das ist aber nicht immer so. Generell beklagt der BJV-Vorsitzende Gerhard von Hößlin, dass der Staat immer höhere Quoten fordert. „Dabei wollen wir das gar nicht.“ Pöllmann ergänzt: „Bei den Förstern lautet die Devise ,Wald vor Wild'. Ich vertrete eher die Ansicht ,Wald mit Wild'.“ Der ebenfalls anwesende Forstamtsleiter Hans-Jürgen Gulder mahnte die Jäger, die Abschussquoten auch weiter einzuhalten, da sonst droht, dass sie nicht mehr stabil gehalten werden können. Insgesamt wurden in der vergangenen Saison in den auf vier Hegeringe aufgeteilten 83 Jagdrevieren im Landkreis 2118 Stück Rehwild geschossen – davon 654 Böcke, deren Trophäen nach Vorschrift bei der Hegeschau ausgestellt werden müssen, 731 Geißen und 733 Kitze. Zusammen mit den nur leicht höher liegenden Abschusszahlen der beiden Vorjahre ergibt sich, dass 96 Prozent des Abschuss-Solls erfüllt wurden. Wie Gulder, so mahnte auch Hans Betz von der Unteren Jagdbehörde: „Bei Nichterfüllung der Abschusszahlen wird sich die Verbiss-Situation mit Sicherheit verschlechtern.“

Andreas Daschner

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