Heitere Lesung vom Leben auf dem Lande - Sarg mit Sichtfenster

Kreisheimatpfleger Toni Drexler hatte an diesem Novemberabend im nach wie vor aktiven Mühlenbetrieb der Furthmühle an der Landkreisgrenze die biografische Vorstellung zu Marianne Hofmann, Therese Sandmeir und Simone Schmid übernommen. Dank der Qualität der ausgesuchten Beiträge wurde es ein aufschlussreicher, häufig auch heiterer Gang durch frühe Erlebnisse und Begegnungen.

Im vollbesetzten Mühlencafé „Mahlgang“ verging die Zeit wie im Fluge. Die drei Frauen wechselten sich in ihren Erinnerungs -beiträgen ständig ab, musikalisch begleitet (Auswahl: Kreisheimatpfleger Sepp Kink) von den „Saitenzupfern“ Hildegard Zierer (Zither), Gisela Zellner (Gitarre) und Rosmarie Hörmann (Hackbrett). Marianne Hofmann, geboren in Niederbayern und seit 1985 in München ansässig, schrieb 1997 ihren überraschenden Erstlingserfolg „Es glühen die Menschen, die Pferde, das Heu“. Zehn Jahre später folgte „Der Klang des Wassers“. Präzise ihre Schilderung zu den mühsamen Arbeitsschritten bei der Anlage eines Eiskellers. Oder ihre Erfahrungen mit dem Erwerb eines eigenen Lexikons für die Schule, was fast einen Dorfaufstand auslöste: „Der Lehrer ist wahnsinnig. Hier studiert doch keiner!“ Momentaufnahmen folgten wie „Pfannenkoscht“, „Honig aus Hengersberg“ oder „Großmutter in Minga, Löwengrub 3a“. Szenisch dichte Beschreibungen um schmerzlich eingeengte Lebensverläufe, ländliche Alltagsgespräche oder wie man Abneigungen gegen das Stadtleben gewinnt. Die Hörbacherin Therese Sandmeir, geboren in Unterschweinbach, kramt in ihrer ganzen Erinnerungskiste: Alles Manuskripte, noch keines verlegt, was Toni Drexler sehr bedauert. Ein Dorfschmied spielt darin eine Rolle und Buben mit ständigen Löchern in den Hosentaschen von den eingesammelten Hufnägeln. Nur zwischen Weihnachten und Neujahr hat der Schmied endlich Zeit, seine Rechnungen zu schreiben. Eine Idylle, die mit der anwachsenden Zahl der Bulldogs unaufhaltsam endet: „Der Schmied, rheumageplagt, gab auf. Er wurde nur 57 Jahre alt. Ein letztes, unabgerissenes Kalenderblatt blieb von ihm …“ Therese Sandmeir las auch von einem anderen Sterben, 1943, an der Ostfront. Von einer jungen Frau und Mutter, die länger keinen Brief mehr von ihrem Mann von dort bekommen hat. Und von einer Postbotin, die mit sich kämpft, ob sie ihr den unzustellbaren Brief an ihren Mann aus dem Postsack herausholen soll. „Gefallen für …“ Schließlich schrieb die Hörbacherin auch über die Schwierigkeiten auf dem Lande, ins Leben zu kommen, wenn keine Hebamme greifbar und das einzige Auto im Dorf kaputt ist. Für die künftige, geborene Marianne ging dennoch alles gut - und das ausgerechnet in der Augsburger Klinik „Mariae Heimsuchung“. Simone Schmid, geboren in München und langjährig wohnhaft in Grafrath (jetzt in Türkenfeld), lange politisch aktiv tätig, schrieb 1990 „kreuz und gwehr“, 2004/2005 „Rund um den Rasso I und II“. Eine Ihrer Stärken ist die Situationskomik um Grafrather Originale und Besonderheiten, die sie wortwörtlich mit „Vom Leben und vom Sterben“ aufspürte. Wahre Lachsalven erzeugen Schilderungen wie die um einen Sarg vom Schreiner mit Sichtfenster für den Postmetzger und einem unverzichtbaren Probeliegen. Kurzen Versen „Geht’s Dir auch mal so?“ aus ‚kreuz und gwehr’ folgte die köstliche Erzählung um eine zum Trocknen aufgehängte, von Saufkumpanen geklaute Franziskanerkutte, die nach einem weltlichen Zechgelage einem Opfer zu einer unfreiwilligen Ausschlafnacht im Rasso-Kloster verhilft. Am anderen Morgen schickt man ihn dann mit folgender Botschaft nach Hause: „Jetzt gehst hoam und fragst, ob Du dahoam bist. Wenn nicht, dann bist Du dahoam.“

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