Historischer Verein lud zu Kurzfilm 1972 - Olympische Impressionen ins Veranstaltungsforum

Aus der LRA-Wanderausstellung „5. September 1972 - Das Ende der Heiteren Spiele von München“.

Auf Einladung vom Historischen Verein FFB und dem Veranstaltungsforum Fürstenfeld zeigte der Produzent und Regisseur Stephan Kayser, 64, im kleinen Stadtsaal den Kurzfilm „1972 - Olympische Impressionen“ sowie die Auftragsarbeit zum Münchner Olympia-Sicherheitskonzept als filmische Dokumentation „Die Polizei im Zeichen der fünf Ringe“: 35 Minuten lang, mit zum Teil bisher unbekannten Bildern.

Auch vom entsetzlichen Ende in den frühen Stunden des 6. September 1972 im Fliegerhorst Fürstenfeldbruck, „eingebrannt ins Gedächtnis als Terror der Stunde Null“: Bilder, aufgenommen vom 2. Kameramann Walter Jessberger. Der damals noch junge Produzent Stephan Kayser erhielt den Zuschlag für dieses spezielle Filmprojekt und wurde somit „zum wichtigen Zeitzeugen eines Ereignisses, dass nicht nur die sportliche Welt erschütterte“. Kayser realisierte seinen dazu eröffnenden, preisgekrönten Kurzfilm mit dem im Stadtsaal gleichfalls anwesenden Kameramann Frederik Hettich in der noch ungetrübten, spielerisch-heiteren Morgenstimmung des 5. September im und am Stadion - um dann nur Stunden später im Olympiapark von der brutalen Wirklichkeit der Terrororganisation „Schwarzer September“ als Filmemacher eingeholt und bedroht zu werden. Eine ergänzende Film-Szenen-Musik-Collage zum gleichen Thema in 40 Minuten produzierte jetzt eindrucksvoll der Sohn und Komponist/Pianist Oliver Amadeus Kayser, 35, in künstlerisch-experimenteller Form: Es sind bei aller Graumsamkeit dieser Olympiatage fließende und damit auch wieder belebende Bilder, musikalisch hervorragend untermalt und begleitet. Zum Gesamtgeschehen in den Septembertagen 1972 und den umfangreichen ordnungspolitschen Vorbereitungen zu den Münchner Spielen merkte Stephan Kayser bei seiner Begrüßung an, man möge doch mit den Verurteilungen im Nachhinein vorsichtiger umgehen, denn „es hätte noch schlimmer kommen können!“ In Anbetracht von 14.000 olympischen Teilnehmern aus insgesamt 122 Nationen nachvollziehbar. Dennoch bleibt die Frage, ob die im Doku-Film herausgehobene und vorhandene „spezielle Polizeitruppe im Olympiapark für 60 ständig gefährdete Personen“ nicht auch auf die 18 israelischen Sportler, Trainer und Kampfrichter in der Connollystraße hätte ausgedehnt werden können. Gemäß der Auftragsvergabe ist die filmische Dokumentation „Die Polizei im Zeichen der fünf Ringe“ ein einziges Loblied auf die Ordnungskräfte. Zweifel an der Richtigkeit der getroffenen Maßnahmen sind nicht zu entdecken. Auch nicht beim sehr schnell beendeten Befreiungsversuch von bewaffneten Polizisten auf dem Dach, mitverfolgt von den Terroristen via Fernsehen. Fast körperlich schmerzhaft für den heutigen Zuschauer die lange Filmfrequenz zum Befund der beiden zerfetzten Hubschrauber in Fürstenfeldbruck. Otto Meissner vom HVF dankte den Filmgestaltern. Dem Thema und der Ausführung angemessen folgte ein kurzer Beifall. Beeindruckend die auch zu dieser Veranstaltung im Auftrag des LRA Fürstenfeldbruck initiierte Wanderausstellung „5. September 1972 - Das Ende der heiteren Spiele von München“ in vielen Bildern mit prägnanten Kurzkommentaren. Mit dem ausführlichen Begleitheft zum Werdegang der Spiele 1972 und auch einer Würdigung der überlebenden israelischen Sportler und Trainer, legt die Autorin Dr. Angelika Schuster-Fox eine bemerkenswerte Arbeit vor, zu der zahlreiche Personen aus Institutionen und Medien Fotos und Informationen beisteuerten. In Begleitworten äußerte sich u.a. Bundespräsident Joachim Gauck mit sicherem Gespür: „Es gibt Augenblicke im Leben, die teilen unser Denken in ein Davor und Danach - manchmal viele Jahrzehnte.“ OB Sepp Kellerer, aus eigenem Miterleben: „Plötzlich hörte man Schüsse und immer wieder Schüsse. Und dies bis zu mir nach Hause in Aich, das doch immerhin einige Kilometer entfernt liegt. Dann war es ruhig. Im Radio wurde gemeldet, dass alle Geiseln befreit seien. Diese Nachricht wurde am nächsten Tag korrigiert und ich erfuhr, in welchem Fiasko der missglückte Befreiungsversuch geendet hatte.“ Und der Generalkonsum des Staates Israel in München, Tibor Shalev Schlosser: „Das Leben eines jeden einzelnen der elf ermordeten Sportler und des getöteten deutschen Polizisten wurde im September 1972 abrupt und kaltblütig beendet. Ich wünsche mir, dass ihre Gesichter und Biografien öffentlich gezeigt und für jedermann zugänglich gemacht werden. Einen bedeutenden Beitrag zum Erinnern leistet der Landkreis Fürstenfeldbruck, der kein Jahr vergehen lässt, ohne der Opfer dieses terroristischen Anschlags zu gedenken.“ Wanderausstellung „5. September 1972“, im Landratsamt Fürstenfeldbruck bis zum 12. Oktober 2012.

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