Organisation aus  Germering im Hilfseinsatz 

Ärztecamp in Bangladesch

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Der Internist/Betriebsarzt Dr. Peter Wittmann plant mit seinen Mediziner-Kollegen vom Ärztecamp International e.V. in Germering   im Februar 2013  einen Hilfseinsatz in Bangladesch

Germering  –  Krankheitsbilder, die ein Europäer höchstens vom Hörensagen kennt, dazu Hitze,   kein sauberes  Wasser und Flöhe im Schlafsack:  Die Hälfte seines Urlaubs   verplant  der Münchner Internist und Betriebsarzt Dr. Peter Wittmann seit Jahren  für  „medizinische Einsätze in unterversorgten Gebieten“.  In Bangladesch ist  für Wittmann und seine  Kollegen vom Ärztecamp International e.V. in Germering der  nächste Einsatz  im Februar 2013. 

Im  Februar steht der 13. Einsatz für Dr. Wittmann  an  - im Armenhaus Bangladesch in Südasien     zusammen mit Kollegen des Ärztecamp International e.V. Germering, in Zusammenarbeit   mit der GIZ - und auf eigene Kosten.    Nepal, Philippinen, Albanien, Togo, Ruanda und Mali kennt Dr. Wittmann durch  medizinische  Hilfs-Einsätze   bereits. Bangladesch ist ein Schwerpunktpartnerland der GIZ, der Deutschen  Gesellschaft für  Internationale Zusammenarbeit (GIZ, früher GTZ). 


Die Hilfsproganisation Gonoshashtaya Kendra - GK, Volksgesundheitszentrum, hat  um Hilfe gebeten, weil die vorhandenen eigenen Ressourcen nicht ausreichen. Das Ärztecamp in einem der dichtbesiedeltsten Flächenstaaten der Welt   ist geplant vom 14. - 28. Februar 2013. Die deutsche GIZ hat Hilfe zugesagt beim Transport der medizinischen Ausrüstung wie Ultraschall, EKG, Sterilisator und Chirurgische Instrumente.  Diese Ausrüstung wollen die Ärzte auf eigene Kosten  auf einem Zweitmarkt erwerben. Dabei sind Ärzte für Allgemeinmedizin, Kinder, Innere, Hals-Nasen-Ohren, Gynäkologie und Chirurgie, sowie Krankengymnastik, Labor, OP-Schwester oder auch Studenten höherer Semester. Leitung des Ärztecamp International e.V. in Germering: Dorothea Licht, Krankengymnastin. 


Die  Mediziner  werden nach einer Evaluation im Einsatzgebiet  einen Bericht anfertigen.  Zusammen mit der GIZ  ist der Aufbau einer  medizinischen  Station  und deren Betreuung vorgesehen.  Dafür sollen die  Ärzte aus Deutschland  Einheimische   rekrutieren  und  schulen.  Ein wichtiger Punkt  ist die Hygiene-Beratung:    Die Ärzte werden gemeinsam mit einheimischen Fachkräften Patienten behandeln und eine Gesundheitsprophylaxe durchführen. Ein Diesel-Generator sorgt für den nötigen Strom bei Ultraschall-Untersuchungen etc.  

„Was in Bangladesch auf uns zukommt, wissen wir noch nicht, „ sagt Dr. Wittmann,   der acht Jahre Krankenhauserfahrung, darunter in einer Infektionsabteilung, und 23 Jahre  Erfahrung als Internist in einer eigenen Praxis  mitbringt.  Jetzt arbeitet Wittmann als Betriebsarzt und  seit acht Jahren bei einem Kollegen in einer internistischen Praxis. 


Im Februar starten die Ärzte von München aus nach Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch,  das bis 1947 einen Teil Britisch-Indiens bildete und 1971 die Unabhängigkeit erlangte. Das damalige Ostpakistan benannte sich in Bangladesch um.  Das muslimische Land  mit einer hohen Geburtenrate (die Einwohnerzahl ist auf 160 Mio angestiegen) wird beherrscht von Korruption, Unordnung und  politischer Gewalt,  Bangladesch  ist eines der ärmsten Länder der Welt. Jedoch sind die Streitkräfte des Landes in zahlreiche  UN-Friedensmissionen eingebunden. 


Die Krankheitsbilder in Afrika und Asien sind anders.  Es kommt wegen der unzureichenden Wasserqualität und fehlender Hygiene häufig zu schweren Magen-Darm-Infektionen, Dengue-Fieber, Malaria in Teilbereichen und Hepatitis sind in vielen dieser Länder  anzutreffen. Die Organisation Ärztecamp International wurde mit dem Ziel gegründet, die Gesundheitsversorgung vor allem in Afrika und Asien zu verbessern. Patienten soll durch direkte Behandlung gezielt geholfen werden. Aber auch die Förderung der Gesundheitsprophylaxe und die Ausbildung medizinischer Fachkräfte vor Ort gehört zu den Aufgaben der Organisation aus Germering. 

In seinen Aufzeichnungen „Medizinische Einsätze in unterversorgten Gebieten“ beschreibt der Münchner Mediziner Dr.  Wittmann  Beispiele: Den  Leprakranken mit dem amputierten Bein,  das junge, unverheiratete 15-jährige Mädchen, das wegen Bauchweh kommt, und bei dem neben den vermuteten Würmern auch eine Frühschwangerschaft festgestellt wird.  Das  schüchterne Mädchen schwört Stein und Bein, noch nie mit einem Mann zusammengewesen zu sein.  Die deutschen Ärzte können hier nicht helfen. Die  Schwangerschaft bei einem unverheirateten Mädchen bedeutet in manchen Kulturkreisen den Ausstoß aus der Gemeinschaft, ja den sicheren Tod. 


Der Arzt  legt Fotos den Tisch, auf denen eine  junge Mutter mit Säugling   zu sehen ist. Deutlich sichtbar ist  der Brust-Abszess nach einer schweren  Entzündung.   "Hier könnte nur eine Amputation helfen," sagt der Arzt.  Dann die Diagnose Elephantiasis - eine Lymph-Erkrankung  an den Beinen, die vor allem in tropischen Gebieten auftritt.   Daneben  das Bild  einer jungen Afrikanerin, deren  Gesäß  und ein Arm nach dem Sturz in eine Feuerstelle großflächige Verbrennungen aufweist und von den Ärzten gereinigt und behandelt wurde.  Und ein Bild eines   jungen Afrikaners,  mit einer  faustgroßen Geschwulst, das aus der   Mundhöhle  ragt. „Das konnte operiert werden, und so wurde er vor dem Verhungern bewahrt,“ berichtet der Arzt.  Und das Bild eines  Aids-Patienten, der am Bein operiert worden ist.  Dann der Fall des  philippinischen  Fischers, der nach dem Biss einer Seeschlange von den deutschen Ärzten gerettet wurde. Und als Lichtblick, das Bild eines Neugeborenen, dessen Leben deutsche  Ärzte gerettet haben, weil  sie das während der Geburt  aspirierte Fruchtwasser absaugen konnten. 


 Ein Abstecher zur Erholung nach dem anstrengenden Einsatz sei übrigens nicht geplant.  Dr. Wittmann: „Die Anfahrt mit dem Schiff in den Süden des Landes, in die  Provinz Barisal,  und danach die Fahrt zur Stadt Barguna ist für uns Abwechslung genug.“   

www.aerztecamp-international.de  Ärztecamp International e.V. Friedensstraße 41d, 82110 Germering

                                   

Hedwig Spies


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