Gedenken an Oberleutnant der Lufwaffe, Ludger Hölker, im Fliegerhorst Fürstenfeldbruck 

Der Pilot, der sein Leben opferte, um andere zu retten

+
Oberst Oliver Kemmerzell, Kommandeur I. Lehrgruppe OSLw, begrüßte die Angehörigen von Ludger Hölker, die zu den Gedenkveranstaltungen in Fürsty und Straßberg angereist waren (v. li.): Kemmerzell, Schwestern Anneliese und Hedwig sowie der Bruder Rudolf, Gerlinde Hölker (Frau v. Rudolf), Nichte Evelyn, Neffen Lutz und Martin.

Fürstenfeldbruck – Vor 50 Jahren opferte der Oberleutnant der Luftwaffe, Ludger Hölker, sein Leben, um andere zu retten. Damals, am 15. September 1964, startete er zusammen mit Major Walter Sütterlin mit einem Schulungsflugzeug Lockheed T-33A vom Militärflugplatz Lechfeld. Als die Piloten in rund 1.000 Metern Höhe einen Leistungsverlust des Triebwerks feststellten, übernahm Hölker, der im vorderen Cockpit saß, die Steuerführung. Versuche, eine höhere Triebwerkleistung zu erreichen, blieben erfolglos. „Wir müssen aussteigen“, sagte Sütterlin. „Noch nicht, erst müssen wir über die Häuser weg“, erwiderte Hölker.

 Sie glitten über das Betriebsgelände der Farbwerke Hoechst in Bobingen mit mehreren tausend Arbeitern und erreichten den nordöstlichen Ortsrand der Gemeinde Straßberg. Sütterlin betätigte den Schleudersitz als erster, dann Hölker. Zu spät für einen sicheren Ausstieg. Sütterlin überlebte verletzt, Hölker starb drei Stunden später im Schwabmünchner Krankenhaus. Mit seiner Entscheidung, sein Leben für andere zu opfern, wurde Hölker neben Captain Richard W. Higgins, Stabsfeldwebel Michael Giermeier und Hauptmann Jürgen Schumann zum Vorbild für Offiziere und Offizieranwärter der Luftwaffe. 

Neben Hölker gibt es drei weitere Vorbilder in der Luftwaffe. US-Pilot Higgins opferte 1957 sein Leben, als er nach einem Start von Fursty nach Triebwerksproblemen erst ausstieg, als er sich am westlichen Stadtrand von Fürstenfeldbruck über unbewohntem Gebiet befand. Der ehemalige Starfighter-Pilot, Hauptmann Jürgen Schumann, bezahlte als Flugkapitän der von Palästinensern entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“ 1977 mit seinem Leben, als er versuchte Passagiere zu schützen. Stabsfeldwebel Michael Giermeier ging als „Engel von Sarajevo“ in die Geschichte ein, als er in Bosnien Hilfe für die notleidende Bevölkerung organisierte. Als die Offizierschule der Luftwaffe (OSLw) 1977 von Neubiberg nach Fursty umzog, wurde der neue große Hörsaal zum Gedenken und zur Erinnerung an Hölkers Vorbildtat in „Ludger-Hölker-Saal“ getauft. Hölkers Einheit, das Jagdbombergeschwader 32, benannte 20 Jahre nach dem Absturz eine Straße in der Kaserne Schwabstadl nach dem Flugzeugführer, der nur 35 Tage mit Charlotte Hagg, einer Studien-Assessorin an der Mittelschule in Schwabmünchen verheiratet war. So wie seinerzeit die Grundschule West in Fürstenfeldbruck den Namen Richard-Higgins-Schule erhielt, so wurde am 16. März 2010 auch die Grundschule in Straßberg in „Ludwig-Hölker-Volksschule“ umbenannt. Im Juli 2004 hatte Hölkers Geburtsstadt Billerbeck (NRW) den Flugzeugführer geehrt und eine Straße nach ihm benannt. 

50 Jahre nach Hölkers Heldentod fanden an der OSLw am 14. September und einen Tag später, genau am 50. Jahrestag des Absturzes, im Bobinger Ortsteil Straßberg in Anwesenheit von acht Familienangehörigen, darunter zwei Schwestern und ein Bruder von Hölker, Gedenkveranstaltungen statt. 

Dieter Metzler

Meistgelesene Artikel

Bedrückende Stimmung im Sitzungssaal

Fürstenfeldbruck – Brucks 53-jähriger Oberbürgermeister Klaus Pleil (BBV) ist nach Feststellung einer amtsärztlichen Untersuchung auf Dauer …
Bedrückende Stimmung im Sitzungssaal

Famata erfolgreich behandelt

Fürstenfeldbruck – Als Fatama Cephas vor vier Jahren das erste Mal im Klinikum behandelt worden ist, war sie acht Jahre alt. Nach einem Sturz ist ihr …
Famata erfolgreich behandelt

Wiederbelebter Fasching

Fürstenfeldbruck – Von wegen „Der Fasching ist tot“. In der Amperstadt wird ihm gerade wieder neues Leben eingehaucht. Am 14. und 18. Februar, gibt …
Wiederbelebter Fasching

Kommentare