MdB Dr. Anton Hofreiter wetterte beim Brucker Volksfest gegen TTIP und die Zustände bei der S-Bahn 

Auch Toni Hofreiter gefrustet von der S 4

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Grünenchef Toni Hofreiter muss auf dem Weg ins Festzelt durch ein Spalier des Kreisverbandes des Bay. Bauernverbandes

Fürstenfeldbruck – Es war eher ein Zufall, dass statt des „roten Teppichs“, der üblicherweise für besondere Anlässe vor dem Eingang ausgerollt wird, ein grüner Teppich dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag, Dr. Anton „Toni“ Hofreiter, den Weg zu seinem politischen Auftritt in das richtige Festzelt auf dem Brucker Volksfestplatz wies.

 

 Denn der grüne Teppich ziert seit Beginn des Brucker Volksfestes von Haus aus den Eingang und den Biergarten vor dem kleinen Festzelt. Auf dem Weg ins Festzelt musste der Diplom-Biologe und Chef der Bundesgrünen zunächst durch ein Spalier einer Abordnung des Kreisverbandes des Bayerischen Bauernverbandes. Mit Spruchbändern „Reden Sie mit uns, nicht über uns“ sowie „Landwirtschaft ist Lebensgrundlage und kein Wahlkampfthema“ protestierten sie gegen die Grünen-Agrarpolitik. Ein Tütchen Gummibärchen nahm der Grünen-Politiker von ihnen entgegen, auf eine Diskussion mit den Bauernvertretern ließ er sich aber nicht ein. Bevor der Grünen-Fraktionsvorsitzende dann endgültig mit dem Maßkrug in der Hand ans Rednerpult trat, trug er sich an einem Biertisch in gebeugter Haltung noch rasch ins aus dem Rathaus herbeigebrachte Goldene Buch der Stadt ein, flankiert dabei von Oberbürgermeister Klaus Pleil (BBV) sowie der dritten Bürgermeisterin Karin Geißler. Im kleinen Festzelt herrschte dann bei der einzigen Parteiveranstaltung während des diesjährigen Volksfestes neuer Art eine gespaltene Stimmung. Von den vorderen Reihen, wo ausschließlich die Anhänger der Grünen saßen, erhielt Hofreiter bei seinem dreiviertelstündigen Rundumschlag gegen die politischen Gegner regelmäßig Beifall, während in den hinteren Bänken des gut gefüllten Zeltes zwischendurch Protestrufe zu vernehmen waren. Als die Zwischenrufe, vor allem aus der Ecke, wo sich die Bauernvertreter niedergelassen hatten, störend wurden, mussten die Aktivisten in Begleitung der Securityleute das Zelt verlassen. Hofreiter ließen die Unmutsäußerungen äußerlich unbeeindruckt.

 Nur einmal hielt er inne, als in der ersten Reihen eine offenkundig angetrunkene Frau ständig dazwischenrief, die dann aber ebenfalls das Zelt verließ. „Bei der S4 muss sich dringend etwas ändern“, eröffnete Hofreiter seine Rede im Bierzelt. Er sei nach Bruck mit der S-Bahn gekommen, und die war „gerammelt voll“, ging der Grünenchef auf die Situation im MVV-Bereich ein. 

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Dr. Anton Hofreiter, trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein, flankiert von OB Klaus Pleil (li.) und der dritten Bürgermeisterin Karin Geißler (re.)

Die bayerische Staatsregierung „ignoriere das Problem souverän“. Eine zweite Röhre, die vielleicht mal in zehn Jahren komme und dann drei, vier Milliarden koste, brauche man nicht, so Hofreiter. Mit kleineren Maßnahmen sei das Problem auch zu lösen. Doch nicht nur lokal laufe einiges schief, ging der geborene Münchner auf die zahlreichen Kriege, Konflikte im Nahen Osten und in Afrika sowie die Flüchtlingsströme ein. Es werde nicht so schnell gelingen, den Schlepperbanden das Handwerk zu legen, die Fluchtursachen zu bekämpfen, kritisierte Hofreiter die europäische Flüchtlingspolitik. „Wir müssen dafür sorgen, dass keine Menschen mehr im Mittelmeer ertrinken Zur Brust nahm sich Hofreiter auch Seehofers Politik. Die Reise von Seehofer nach Saudi-Arabien und seiner Aussage zu Waffenexporten verurteilte Hofreiter: „Wenn Seehofer meint, Weltpolitik zu betreiben, dann geht das schief“, wünscht er sich bald einen anderen Ministerpräsidenten. Auch kritisierte Hofreiter die 10H-Regelung, mit der Seehofer indirekt den Atomausstieg torpediere. 

Man brauche einen vernünftigen Leitungsausbau, aber auch Windkraft und Photovoltaik, damit Seehofer kapiere, dass der Strom nicht aus der Steckdose komme. Schließlich verurteilte Hofreiter die Maut von Bundesverkehrsminister Dobrindt und wetterte am Ende seines Auftritts gegen die Massentierhaltung, Gentechnik und das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA. Hofreiter nannte es eine „Aushebelung des Rechtsstaates“, wobei es darum gehe, die Rechte von Parlamenten und Verbrauchern zugunsten von Großkonzernen einzuschränken. 

„Wir Grüne wissen nicht alles besser, aber wir wollen die Welt so gestalten, dass sie nicht nur kurzfristig, sondern langfristig funktioniert. Der Planet hat vieles überlebt. Er muss nicht gerettet werden. Der hat 20 Millionen Jahre Zeit, sich zu erholen. Doch wer hat von uns 20 Millionen Jahre Zeit, dass sich die Ökosysteme erholen? Lasst uns deshalb gemeinsam dafür sorgen, das Minimum zu stabilisieren, dass unsere Kinder und Kindeskinder zumindest eine gerechte Chance haben.“

 Dieter Metzler

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