Holocaust-Überlebende - Mit Fürstenfeldbruck dauerhafte Kontakte

Mehr Anerkennung konnte der Großen Kreisstadt nicht widerfahren, als durch das, was der KZ-Überlebende Uri Chanoch für sich und die anwesenden Abba Naor, Zwi Katz und Karl Rom, aber auch für die nicht anwesenden Leidensgenossen und Zeugen aus der NS-Zeit aussprach: „Woanders kommt man hin und geht wieder, aber mit Fürstenfeldbruck haben wir ununterbrochene Kontakte.“ Uri Chanoch weiter: „Ein Ort mit sympathischem Publikum und mit inzwischen vielen Kindern, denen wir über unser Leben berichten können. Es ist unbeschreibbar, aber jeder von uns hat eine eigene Geschichte. Solange wir das geistige Vermögen dazu haben, kommen wir.“

Der rüstige Zeitzeuge kündigte einen Film über die Todesmärsche 1945 an, den er bei nächster Gelegenheit im Fürstenfeldbruck vorstellen wolle. Dass Jugendliche auch zu solchen Erinnerungsjubiläen wie für den Arbeitskreis ‚Mahnmal - Erinnerung, Gedenken, Versöhnung’ kommen, ist auch dem Einsatz von Lehrern wie Hermann Eisenhardt zu verdanken. Ebensoviel Engagement zeigen Schüler/innen des Rassogymnasiums. Vertreten war auch die Fachoberschule Fürstenfeldbruck mit Absolventen und Lehrerschaft. Helmut Zierer hatte für den Arbeitskreis die Begrüßung der zahlreichen - jugendlichen - Gäste im großen Sitzungssaal des Landratsamtes anlässlich der Ausstellungseröffnung zum 15Jährigen des AK übernommen. Er unterstrich die Notwendigkeit und den Werdegang zum Denkmal in Brucks Mitte, denn dies wäre gerade mit den Todesmärschen des KZ Dachau und Außenlagern „gelebte Geschichte vor der Haustüre“. Frau Schneid schlug die Brücke zum Todesmarsch-Mahnmal in der Kreisstadt, zu den Opfern der KZ-Häftlingsmärsche. Aus der Demonstration im Dezember 1992 gegen Fremdenhass hatte sich durch die Eichenauer Friedensinitiative der Antrag zur Errichtung eines Mahnmals ergeben. Und das Ungewöhnliche gelang: „Alle Beteiligten zogen sofort an einem Strang.“ Auf den Tag genau am 28. April 1994 - nur ein Jahr nach der Gründung des Arbeitskreises Mahnmal Fürstenfeldbruck – „errichteten sich Mitbürgerinnen und Mitbürger ein sichtbares Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit und Diskriminierung. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und vor allem der eigens aus Israel eingereisten Zeitzeugen Zwi Katz mit Ehefrau Esther sowie Solly Ganor mit Ehefrau Pola wurde das Fürstenfeldbrucker Todesmarsch-Mahnmal eingeweiht. „Wir waren tief beeindruckt … Denn genau an diesen Tagen um den 28. April 1945 marschierten sie gefoltert, geschunden und verhungert durch unsere Felder und Straßen.“ Gisela Schneid nannte mit Hertha Geys, Monika Jäger, Karin Marquardt, Dorothea Scheingraber, Jürgen Schulz, Barbara Thierfelder, Julia Ziegelmeier und Helmut Zierer die Initiatoren der jährlichen Gedenkveranstaltung am Mahnmal, begleitet von Ausstellungen und Veröffentlichungen. Rund 11.000 Euro spendeten MitbürgerInnen (wozu die Kreisgremien restliche 4.000 Euro beisteuerten) für die Bronzeskulptur des Mahnmals, die Prof. Hubertus Pilgrim geschaffen hat. Historiker und Journalisten im Landkreis, die anfingen, die Lokalgeschichte aufzuarbeiten, stellvertretend hierfür der 2007 verstorbenen Ulrich Bigalski, Anselm Roth und Dr. Dirk Walter. Denn: „Hitler hätte seine Verbrechen nicht in diesem Ausmaß und Umfang begehen können, wenn es nicht so viele Mittäter, Mitläufer, Fanatiker, reine Befehlsempfänger, bedenkenlose Profiteure und alle die wegschauten und schwiegen gegeben hätte … Wir erinnern aber auch an die stillen Helden, mutigen Menschen, die ihre Mitmenschen retteten und die Menschlichkeiten verteidigten, auch aus Respekt vor den Opfern und deren Angehörigen.“ Gisela Schneid bekannte, dass der Feind der Erinnerung Verdrängung und Lüge wären: „Wer sich erinnert, kann mit sich und den anderen ins Reine kommen - eine Voraussetzung zur Versöhnung.“ Der Münchner Studiendirektor Dr. Robert Sigel, tätig am einem Dachauer Gymnasium und für die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, ging ausführlich auf das KZ Dachau mit seinen mehr als 150 Außenlagern ein, in der Entwicklung seit 1933 und dem Ende mit Todesmärschen 1945. Ergreifend seine Lesung aus den „Dachauer Heften“ mit dem Bericht von Johann Weiner, geboren 1926 in Westungarn, verschleppt 1944 nach Auschwitz, Buchenwald und Magdeburg und 1949 übergesiedelt nach Australien. Der Berichtsabschnitt „Der Friedhof der 67“ handelt von Pfaffenberg, Ergoldsbach und Oberlindhart in einem niederbayerischen Gemeindedreieck. Hier endete die Odyssee für Johann Weiner und 12 weitere Mithäftlingen aus Buchenwald lebend und mit der Erkenntnis, dass es im Deutschland der Hitler-Zeit auch noch mitfühlende und helfende Menschen gab. Die Erkenntnis war schwierig genug, nachdem von 1650 in Buchenwald aufgebrochenen Häftlingen am Ende nur diese 13 Menschen nach einem 21tägigen Gewaltmarsch und in einer Hölle aus furchterregenden Hunden, Tritten, Schlägen und Todesschüssen überlebten. Der von ihrer körperlichen Verfassung entsetzte, aber auch mutige bayerische Polizist Max Maurer rettete sie einen Tag vor dem Einrücken der Amerikaner in einen Bauernhof, statt sie Genickschussschützen zu übergeben. 15 Jahre Mahnmal Fürstenfeldbruck, Ausstellung im Landratsamt Fürstenfeldbruck bis zum 8. Mai 2009

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