Rund um den Imkerberuf - 16 Stunden Arbeitstag und EU-Bürokratie - Bayern verhinderte Auswüchse

Bienenstockregistrierungsgesetz vom Tisch

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Im Hofladen des Berufsimkers beim Ausflug mit dem ADFC.

Landkreis FFB/München – Die Imker in Bayern und Deutschland bleiben von überzogener Bürokratie verschont. Wie Landwirtschaftsminister Helmut Brunner in München mitteilte, war der hartnäckige Einsatz Bayerns gegen das vom Bund wegen entsprechender EU-Forderungen geplante Bienenstockregistrierungsgesetz erfolgreich. „Die Kommission hat akzeptiert, dass die vorgesehene akribische Erfassung und Kontrolle von Bienenstöcken nichts bringt außer mehr Bürokratie für Imker und Verwaltung“, sagte Brunner.  

Bienen am Stock.

 Stattdessen bleibt es nun bei der bisherigen pragmatischen Regelung: Um die im Durchschnitt acht Euro Fördergelder pro Imker und Jahr erhalten zu können, melden die Imkerverbände die Zahl der Bienenstöcke über den Bund nach Brüssel. Bayern hatte sich zuvor in Brüssel und Berlin massiv für die Beibehaltung der bisherigen Praxis eingesetzt. Die EU-Kommission und der Europäische Rechnungshof hatten die bislang übliche Meldung auf Grundlage der Verbandszahlen angezweifelt und eine bundeseinheitliche Erfassung der Bienenvölker gefordert. Ein Bienenstockregistrierungsgesetz aber hätte allein in Bayern mehr als 30 000 Imker einer jährlichen Meldepflicht unterworfen. Selbst Imker, die gar keine Fördermittel in Anspruch nehmen, hätten am Meldeverfahren teilnehmen müssen – für Brunner eine völlig überzogene Vorgabe und im krassen Missverhältnis zu den ausgereichten Fördermitteln.

Viele Menschen wissen, dass Honig ein besonders gesundes Lebensmittel sein kann. Neue Bienenfreunde sind in den letzten Jahren zu Hobby-Imkern geworden. Wenige aber dürften ein so fundiertes und breites Wissen über die Imkerei besitzen wie Christian Engelschall, betont der 1. Vorsitzende der  BRUCKER LAND Solidargemeinschaft,  Dr. Michael Dippold.  Engelschall,  gelernter  Tierwirt führt als einziger Berufsimker im Landkreis seinen Betrieb in Aich bei Fürstenfeldbruck mit über 100 Völkern, eigener Königinnenzucht und einem Hofladen. Die rund 15 Teilnehmer einer gemeinsamen Fahrradtour von ADFC und BRUCKER LAND waren von der professionellen Ausstattung sehr beeindruckt. Viel Arbeit, nicht nur von Seiten der Bienen, ist nötig, um gesunden und hochqualitativen Honig herzustellen. Besonders im Frühsommer zu Hauptblütezeit umfasst der Tag des Imkers oft 16 Stunden und mehr. Ein einziges Volk kann dann mehrere Zehntausend Inidividuen umfassen.

Aus Verbrauchersicht war besonders interessant zu hören, dass beim Betrieb Engelschall alles auf natürliche und hochwertige Erzeugung von Honig ausgerichtet ist. So wird ein eigener Wachskreislauf gepflegt und der seit einigen Jahren allgegenwärtige Parasit, die Varroamilbe, nur mit biologischen Mitteln bekämpft. Da heimische Imker nur knapp 20% der gesamten Honignachfrage bedienen können, ist bei Billighonigen Vorsicht geboten, Importe unterliegen nicht den deutschen Erzeugervorschriften. Jüngste Testergebnisse haben dies übrigens auch bestätigt.

 Um Honig als Nahrungs-, Genuss- und Heilmittel ernten zu können, bedarf es einer blütenreichen, vielfältigen und giftfreien Landschaft. Dafür unterstützen die Bienen mit ihrer erstaunlichen Bestäubungsleistung den Menschen in der Kulturlandschaft.

Neben der sozusagen natürlichen Schwierigkeit, Bienenvölker über den Winter zubringen, haben die Imkerbetriebe in der Gegenwart mit zusätzlichen Herausforderungen zu kämpfen. Von der Politik fühlen sich die Imker nicht gut gefördert und das leider mit zunehmender Tendenz. Andere Interessen setzen sich häufig zum Schaden der Bienen und der Imkerei durch. Neben der Schwächung durch Spritzmittel macht den Bienen besonders das Fehlen von Blüten in der Landschaft zu schaffen. Nach der Rapsblüte beginnt oft schon die „Hungerzeit“ der Bienen und nach der Sonnenwende und der Lindenblüte ist die Honigsaison auch schon zu Ende.

Christian Engelschall kombiniert auch verschiedene Gewürze und Fruchtsäfte mit Honig und kann so in seinem Hofladen besondere Geschmackserlebnisse anbieten. Außerdem findet sich dort eine breite Palette weiterer Bienenprodukte wie Pollen, Kosmetik oder Kerzen. Die Teilnehmer konnten sich davon mit verschiedenen Proben überzeugen.

Weitere Informationen unter www.unserland.info

redkb

 

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