Internetanschlüsse – Unter den knapp 600 Flüchtlingen in der Erstaufnahmeeinrichtung am Brucker Fliegerhorst herrscht große Freude

Endlich mit dem Herkunftsland vernetzt

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Mitarbeiter des Münchner IT-Unternehmens gaben den Flüchtlingen eine Einführung in den Umgang mit dem PC und dem Internet

Fürstenfeldbruck – Große Freude herrschte unter den knapp 600 Flüchtlingen in der Erstaufnahmeeinrichtung am Brucker Fliegerhorst am 5. August. Endlich erfüllte sich ihr sehnlichster Wunsch auf einen Internetanschluss, um mit ihren Familien in der Heimat kommunizieren zu können. „Teradata“, ein IT-Unternehmen aus München, und „Refugees Online“, ein gemeinnütziger Verein aus Gilching machten es gemeinsam möglich. „Gute sechs Monate lang haben wir für den Anschluss „gekämpft“, berichtete Volker Werbus, der erste Vorsitzende des Vereins.

Bisher konnten die Flüchtlinge nur über die teureren Mobilfunkverbindungen Kontakt mit ihren Angehörigen aufnehmen. Mit Unterstützung des Freisinger Bauamtes ist es endlich gelungen, dass die Telekom die Zehn-Megabit-Leitung exakt am 5. August herstellte. Die vorhandenen Leitungen der Militärs durften aus Sicherheitsgründen nicht genutzt werden, informierte Werbus, also musste die Telekom extra Leitungen verlegen. Eine weitere Schwierigkeit ergab sich durch das in Deutschland geltende Prinzip der Störerhaftung. Das bedeutet, wer einen Wlan-Hotspot anbietet, der haftet auch für eventuelle illegale oder kostenpflichtige Downloads. 

Der Diplom-Ingenieur aus Gilching, der auch in München, Germering und Inning in Asylbewerbereinrichtungen den Flüchtlingen einen Internetzugang ermöglichte, musste zuvor noch die Bedenken der Regierung von Oberbayern und der Landratsämter ausräumen, indem er das Haftungsproblem für die Einrichtung eines Wlan-Hotspots löste. Die Flüchtlinge erhalten einen Zugangscode, mit dem sie sich eigens anmelden müssen. Der Code ist identisch mit ihrer Yellowcard-Nummer, dem Passersatz, den alle Flüchtlinge bei der Erstaufnahme erhalten. So lässt sich durch die Mitarbeiter von Refugess Online im Bedarfsfall genau nachverfolgen, welche Seiten im Internet aufgerufen wurden. Ein Missbrauch kann somit schnell aufgeklärt werden. 

Besser hätte das Timing nicht passen können, denn just an dem Tag, als die Leitung endlich stand, kündigten sich zehn Mitarbeiter der Münchner Unternehmens von Teradata in der Dependance der Münchner Erstaufnahmeeinrichtung im Fliegerhorst an, um den Flüchtlingen eine Einführung in den Umgang mit dem PC und Internet zu geben. Dabei standen vor allem die grundlegenden Dinge wie die allgemeine Bedienung des PCs und Smartphones oder die Einrichtung einer kostenlosen E-Mail-Adresse, eines Facebook oder Skype-Kontos im Mittelpunkt.

Der Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins „Refugees Online“, Volker Werbus (hält den symbolischen Scheck), bedankte sich für die großzügige Spende des Münchner IT-Unternehmens

 „In unserer Firma wird soziales Engagement sehr groß geschrieben“, erzählte Angela Dein von Teradata. Drei Tage im Jahr wird jeder Mitarbeiter freigestellt, um soziale Projekte zu unterstützen. Neben der Freistellung hatte die Firma auch noch ihre Mitarbeiter zu Geld- und Sachspenden aufgerufen. So brachten sie nach Fursty noch einen Scheck in Höhe von 1.000 Euro mit, den sie dem gemeinnützigen Verein Refugees Online für weitere Aktionen überreichten und aus dem privaten Fundus gingen von den Mitarbeitern auch noch 50 ausgediente Smartphones sowie zwei Kisten voll mit Bekleidung ein. Zum Abschluss der PC-Einführung hatte das Teradata-Team noch ein Buffet organisiert, um noch in lockerer Runde die ein oder andere Frage der Flüchtlinge zu beantworten. „Da heute alles zusammenkam, die Leitungsverbindung und die Einweisung, war der Andrang immens“, teilte Dein mit. „Alle sind sehr wissbegierig.

 Das größte Bedürfnis der Leute war die Einrichtung einer persönlichen E-Mail-Adresse, von Facebook sowie einer Skype-Verbindung. „In unserem Verein engagieren sich Menschen, denen das Schicksal der Flüchtlinge am Herzen liegt“, sagte Werbus. Im Dezember 2014 gründete er mit seiner Frau und fünf weiteren Menschen, die alle ehrenamtlich arbeiten und den Verein zusätzlich durch Geld- und Sachspenden unterstützen, den gemeinnützigen Verein. „Wir sind der Meinung, dass der Zugang zum Internet den traumatisierten Flüchtlingen auch dabei hilft, ihre Erlebnisse besser zu verarbeiten, wenn sie mit ihren Angehörigen in ihrer Heimat in Kontakt bleiben können.“ 

Dieter Metzler

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