Kriminalhauptkommissar Josef Heggmeier gibt Ratschläge um sich in der kalten Jahreszeit gegen Einbrecher zu schützen

"Einen bewohnten Eindruck hinterlassen"

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Symbolbild

Fürstenfeldbruck – Der 55-jährige Kriminalhauptkommissar Josef Heggmeier ist seit 22 Jahren bei der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck als Fachberater in der Kriminalprävention bei Einbruchsdelikten tätig. Im Interview mit dem KREISBOTE erzählt er, wie schon mit einfachen Mitteln die Wahrscheinlichkeit eines Einbruchs sinkt.

Im Jahr 2015 gab es 73 Wohnungseinbrüche im Landkreis Fürstenfeldbruck. Herr Heggmeier, warum wird überhaupt in Wohnungen eingebrochen?

 Josef Heggmeier: Es geht in den Tätern in den allermeisten Fällen darum, Geld zu stehlen oder Gegenstände, die sich zu Geld machen lassen. Besonders gefragt ist hierbei Schmuck.

KB: Wie suchen die Täter ihre Opfer aus?

Wenn es keinen speziellen Grund, wie zum Beispiel hohe Beuteerwartung gibt, dann beschränkt sich das Ausspähen auf kurze Momente, in denen sie erkennen können, dass vermutlich niemand zu Hause ist. In der Regel zieht sich das Ausspähen nicht mehrere Tage hin. Häufig ist man Zufallsopfer. Das nichts Wertvolles in der Wohnung zu finden ist, ist kein Kriterium für den Ausschluss eines Einbruchs. Die Täter hoffen einfach etwas zu finden.

KB: Ein Opfer wurde ausgemacht. Wie stellen die Täter den Einbruch an?

Es gibt verschiedenen Einbruchstechniken, aber ein sehr großer Teil, nahezu 90 Prozent, hebelt ebenerdige Fenster, Terrassentüren oder Haustüren auf. Bevorzugt sind hierbei nicht einsehbare Zugänge, je nach Tageszeit.

KB: In welchem Zeitraum finden die Einbrüche statt?

Einbrüche ereignen sich rund um die Uhr. Ein zeitlicher Schwerpunkt liegt zwischen 16 und 20 Uhr, überwiegend in den Wintermonaten. Die Täter handeln im Schutz der Dunkelheit.

KB: Einem 54-Jährigen konnten 17 Einbrüche nachgewiesen werden. Handelt es sich bei Einbrechern um Serientäter?

Es gibt Einzeltäter, aber auch vermehrt organisierte Banden. Bei Einbrüchen in Kindergärten gehen wir jedoch eher von jugendlichen Tätern und Beschaffungskriminalität aus, da die Täter mit nicht so hoher krimineller Energie handeln und die Tat, aufgrund der niedrigen Beuteerwartung, eher unsinnig ist.

KB: Haben Wohnungseinbrüche in den letzten Jahren zugenommen?

Wohnungseinbrüche haben im Vergleich zu fünf Jahren um etwa 25 bis 30 Prozent zugenommen. Allerdings war im Jahr 2015 bayernweit ein Rückgang von acht Prozent zu verzeichnen.

KB: Wie sollten sich Bewohner verhalten, um Einbrechern das Leben schwer zu machen?

Die Masse der Einbrecher will grundsätzlich, dass niemand der Anwohner im Haus ist. Deshalb sollte auch bei Abwesenheit möglichst ein bewohnter Eindruck hinterlassen werden. Dies ist natürlich nicht immer leicht. Zumindest sollte man den Tätern nicht direkt Hinweise dazu geben, wie zum Beispiel durch überquellende Briefkästen, Tageszeitung vom Vortag im Zeitungskasten beziehungsweise vor der Türe, tagsüber komplett heruntergelassene Rollläden, kein Licht im Haus im Zeitraum ab Beginn der Dämmerung bis etwa 21 Uhr. In dieser Zeit schläft man normalerweise noch nicht, weshalb das dunkle Haus ein eindeutiger Indiz für Abwesenheit ist. Zeitschaltuhren können hier sehr hilfreich sein. Ungeräumte Wege zur Haustüre hin bei Schneefall oder längere Zeit ungemähter Rasen fallen ebenso auf. Hier sind nachbarschaftliche Beziehungen hilfreich, in dem man gegenseitig aufmerksam ist, insbesondere bei längerer Abwesenheit. Verdächtige Personen gegebenenfalls ansprechen (Suchen Sie was?, Kann man Ihnen helfen?), mögliche Ausspäher fühlen sich dadurch unter Umständen gewissermaßen identifiziert und lassen von ihrem Vorhaben ab. Diese Wahrnehmungen immer der örtlichen Polizeidienststelle mitteilen.

KB: Welche technischen Möglichkeiten gibt es sich vor Einbrechern zu schützen?

Heutzutage gibt es für nahezu alle Türen, Fenster und Kellerlichtschächte mechanische Sicherungen zum Nachrüsten. Diese Zusatzsicherungen führen mit großer Wahrscheinlichkeit dazu, dass es beim Einbruchsversuch bleibt.

KB: Und was halten Sie von Alarmanlagen?

Das ist auch eine Möglichkeit des Einbruchschutzes. Man sollte hier auf geprüfte und zertifizierte Anlagen, aufgrund der Fehlalarmempfindlichkeit, achten. Wenn eine Gefährdung durch höhere Wertgegenstände oder der Person vorliegt, dann auf alle Fälle. Je nach Sicherheitsbedürfnis kann es eine Ergänzung der mechanischen Sicherungen sein. Im Normalfall bleibt es auch ohne Alarmanlage, mit mechanischen Sicherungen bei einem Versuch. Je nach Größe des Objektes oder bei denkmalgeschützten älteren Fenstern, für die man keine Beschläge mehr bekommt und Nachrüstungen aufgrund der Ästhetik nicht möglich sind, kann eine Alarmanlage als Alternative empfohlen werden.

KB: Wie sieht es mit „stillen Alarmanlagen“ aus, die keine akustischen Signale von sich geben?

Für uns ist ein stiller Alarm eine große Hilfe, da der Täter nicht gewarnt wird und eher vor Ort festgenommen werden kann. Aus Sicht der potentiellen Opfer gilt es aber, dass möglichst wenig im Haus betreten, durchsucht, beschädigt und gestohlen wird und der Täter schnellstmöglich kehrt macht.

KB: Wie verhält man sich nach einem Einbruch? Ruhig bleiben und die Polizei verständigen. Soweit möglich keine Räume betreten und erst nach Abschluss der Spurensicherung schauen, was konkret weggekommen ist.

KB: Wie fühlen sich die Opfer?

Sie sind sehr häufig verunsichert. Sie fühlen sich nicht mehr wohl in den eigenen vier Wänden. Die psychischen Folgen sind häufig schlimmer als der Verlust des Eigentums. Im Extremfall überlegen sie sich auch umzuziehen.

KB: Warum tut sich die Polizei so schwer Einbrecher festzunehmen?

In der Regel gibt es keine Zeugen. Gerade professionelle Banden „arbeiten“ arbeitsteilig, hinterlassen kaum Spuren und haben Schmieresteher. Das macht eine Festnahme auf frischer Tat und die Aufklärung schwierig.

KB: Womit würde die Bevölkerung die Polizei unterstützen?

Wenn jemanden etwas verdächtig vorkommt, sollen sie dies der Polizei mitteilen und keine großen Überlegungen anstellen, ob das für die Polizei interessant sein könnte. Die Bewertung dieser Informationen ist unser Job. Häufig gehen ähnliche Informationen auch von anderen ein, sodass ein einzelner Hinweis ein ganz anderes Gewicht bekommt.

KB: Was ist das Ziel Ihrer Vorträge? Unser Ziel von der Prävention ist, dass man einen Einbruch mit sehr großer Wahrscheinlichkeit durch Verhalten und technische Möglichkeiten vermeiden kann. Denn der Spruch „Wenn ein Täter rein will, kommt er rein“, ist falsch. Die Täter wollen mit möglichst wenig Aufwand und Entdeckungsrisiko einbrechen, ist dies gegeben, bleibt es meist beim Versuch. Mittlerweile scheitert nahezu jeder zweite Einbruchsversuch.

Interview: Felix Hamann

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