Bericht aus Istanbul von Eric C. Hoeschen aus Eichenau - Rückkehr nach 6 Jahren Auslandsaufenthalt in der Türkei

Bericht aus Istanbul: Die Angst geht um

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Die Angst geht um in der Türkei. Der Eichenauer Erik C. Hoeschen wird im August nach sechsjährigem Auslandsaufenthalt wieder in den Landkreis FFB zurückkehren und hat einen Bericht aus Istanbul übermittelt.

Istanbul/Eichenau - Erik C. Hoeschen aus Eichenau  - seit sechs Jahren mit seiner Ehefrau, Lehrerin an einem Privatgymnasium - in Istanbul ansässig, freut sich auf den 10. August. Denn dies ist der Abreisetag. "Nach sechs Jahren hier ist aber auch der Zeitpunkt gekommen, wo wir uns wieder auf Deutschland freuen. Deutschland, diese kleine Insel der Glückseligen! Je länger man vom Ausland aus drauf schaut, desto mehr merkt man, wie geringfügig unsere Problem sind," schrieb Hoeschen per Mail. Zum Attentat auf den Atatürk Havalimane in Istanbul hat er einen Bericht übermittelt.

"Wir verlieren unser Land, unsere Heimat, das Paradies, die Zukunft."

So, oder ähnlich lauten die Reaktionen in den Medien, neben der klassischen Berichterstattung über den Tathergang.

Die Angst geht um! Nicht nur vor dem Terror, auch vor den wirtschaftlichen Folgen. Die Basare, Strände und Hotels sind leer. Kredite der Banken können nicht mehr bedient werden. An den Eingängen der U-Bahn und der Einkaufszentren muss man ähnliche Sicherheitskontrollen absolvieren wie in den Flughäfen. Wasserwerfer und große Polizeiaufgebote stehen in den Seitenstraßen. Nicht nur aus Angst vor den Terroristen, sondern auch aus Angst vor Demonstrationen der eigenen Bevölkerung. Die Türken sind einmal mehr tief schockiert. Das Land wird heimgesucht von zwei verschiedenen terroristischen Institutionen. Der kurdischen PKK und dem IS.

Die PKK will einen eigenen Staat - der IS ein Kalifat im gesamten Vorderen Orient

Dabei muss man die beiden terroristischen Parteien in der Betrachtung streng trennen. Die PKK will einen eigenen Staat, der IS ein Kalifat im gesamten Vorderen Orient.

Auch die Vorgehensweise ist sehr unterschiedlich. Die PKK rächt sich für die, gegen sie ausgeübte türkische Staatsgewalt,  an den behördlichen Institutionen des Landes, wie Polizei und Militär, nimmt dabei aber auch sogenannten Kollateralschaden an Bürgern in Kauf, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind.

Der IS hingegen hat die gesamte Türkei im Blick, mit dem Ziel der Destabilisierung. Gründe dafür sind viele vorstellbar. Zum einen ist die Türkei dem IS wohl zu wenig muslimisch ausgerichtet. Hat also einen immer noch sehr weltlichen Charakter, der weit entfernt von dem gewollten Gottesstaat ist. Und das, obwohl die Türkei - respektive der Staatspräsident - alles Erdenkliche dafür tut, dieses Land dorthin zu rücken. Weiter vorstellbar ist die weniger werdende Hilfe  für den IS, hervorgerufen durch westlichen Druck auf die Haltung der Türkei. So haben es die Gotteskrieger immer schwerer, Nachschub an Menschen und Material zu erhalten. Auch werden verletzte Krieger in türkischen Krankenhäusern nicht mehr so großzügig behandelt.

Die Janusköpfige Politik der letzten Jahre rächt sich zusehend. Kriege anzufeuern mit dem IS oder vom Zaun zu brechen mit der PKK  (nachdem der Friedensvertrag unterzeichnungsreif auf dem Tisch lag), allein aus Gründen der Machterweiterung und des Machterhalts, konnte langfristig nicht gut enden.

Die mehrheitlich AK-Partei treue Bevölkerung sieht die Folgen, begreift aber nicht die Gründe. Rund um die Uhr in den Medien erfolgende Polemik und die Niederschlagung der freien Presse -  das hält die Bevölkerung unwissend.

Sie können und wollen nicht glauben, dass die Partei mit ihrem Anführer, die sie in einen großen wirtschaftlichen Aufschwung geführt hat, ein doppeltes Spiel betreibt. Die Folgen der Anschläge sind der Bevölkerung klar. Und das erzeugt Angst, Wut und Hass. Gesehen werden aber nicht die Gründe, die dazu geführt haben. Damit auf dieser Seite Klarheit herrscht: Ich verurteile die Anschläge auf das Schärfste! Terror hat noch niemals zu einer Lösung geführt. Aber wenn man die Ursachen betrachtet und nicht davor die Augen schließt, vor allem aber, wenn man seinem Volk reinen Tee einschenken würde, käme man der Lösung der Probleme ein bedeutendes Stück näher. So hartherzig es klingt: Es hilft nicht, den Terror und die Opfer "nur" zu beweinen und Angst vor der Zerstörung seines Landes zu haben. Ein Volk, das immer wieder lautstark betont, ausländische Hilfe - in welcher Art auch immer - nicht mehr zu benötigen und zu wollen, muss das dann letztendlich auch beweisen.

Erik C. Hoeschen

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