Hubertusmesse 

Das "grüne Abitur" 

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Der Vorsitzende der BJV-Kreisgruppe FFB Gerhard v. Hößlin (r.) überreichte an den Hubertusredner Dr. Josef Bauer (l.) ein Buchgeschenk.

Rottbach - Umrahmt von den Alt-Kissinger Jagdhornbläsern fand die Hubertusmesse in der Rottbacher St. Michaelkirche statt, zelebriert von Pfr. Georg Martin. Danach lud die Jägerschaft des Landkreises zur Hubertusfeier ins nahegelegene Gasthaus Heinzinger, in dem die „Jada-Musik“ den weiteren Ablauf der Veranstaltung bestritt.

Nach der Begrüßung durch den Kreisgruppenvorsitzenden Gerhard v. Hößlin behandelte Dr. Josef Bauer als LJV-Ausschuss-mitglied das nach wie vor aktuelle Grundsatzthema „Die Waidgerechtigkeit im Spannungsfeld der jagdlichen Praxis“. Der Festredner gab hierzu ein engagiertes Statement ab. Dr. Bauer erklärte die Jagd menschheitsgeschichtlich als „unverzichtbaren Nahrungserwerb in zwei Millionen Jahren“. Wobei sich inzwischen zur Hege und Pflege der natürlichen Ressourcen auch weitere ethische Normen entwickelt hätten. Die zum reinen Amüsement entarteten Auswüchse höfischer Jagdgesellschaften in Zeiten von Barock und Rokoko wären heute undenkbar. Der seit dem 19. Jh. existierende Begriff „Waidgerechtigkeit“ wäre im 20. Jh. mit Gesetzeskraft ausgestattet worden und wäre verbunden mit jagdlichem Handeln nach sittlichen Normen. Dennoch sei Waidgerechtigkeit ein „unbestimmter Rechtsbegriff“ und vergleichbar einer sprachlichen Formel wie „Treu und Glauben“. 


Verantwortungsvolles Jagen sieht der Referent wie einen „Akt der Schöpfung“, entspräche einem Werte-Kanon und bedeute die Ablehnung von Entgleisungen. Dr. Bauer ist überzeugt, dass dies den Jäger aus dem „nur Töten“ herausheben würde. Das Tierschutzgesetz gäbe die verbindliche Basis vor, „denn Tiere sind unsere Mitgeschöpfe, was nicht nur für Haustiere gilt!“ Auch wenn Füchse ohne Schonzeit sind, so gelte dennoch für die Fähe ein Muttertierschutz. Der Referent sieht Tierpflege als Pflicht für den Land- und Forstwirt. Wildtiere bräuchten Ruhezonen zur Deckung und Äsung.. „


Wenn artgerechte Äsung durch Verdrängung oder winterliche Verhältnisse nicht möglich ist, dann muß durch Fütterung geholfen werden. Dr. Bauer verwahrte sich gegen geäußerte politische Ansichten - „Und dann auch noch von einer Frau!“ - dass eine natürliche Auslese nun mal zum Waldtierleben gehöre. „Verhungern ist grausam. Alle freilebenden Tiere haben den gleichen Anspruch auf Hilfe. Das ist verwirklichter Tierschutz!“ Der Jagdsachverständige im LJV-Ausschuß Bayern ist zuständig für Agrar und Wildgesundheit - und bemängelt insbesondere die zu langen Jagdzeiten für Rehwild: Ende Dezember sollte die Jagdzeit hier zu Ende sein, denn „kein Bauer käme auf die Idee, eine trächtige Kuh zum Schlachter zu geben …“ Und: Der „Trophäenkult“ sollte von den Jagdgenossen nicht so überzogen werden. Er sei  und bliebe eine besondere Auszeichnung. Wichtig für Dr. Bauer ist eine sorgfältige Ausbildung und damit auch das sichere Schießen eine wesentliche Voraussetzung zur Ausübung der Jagd: „Die Jagdausbildung - das grüne Abitur - ist eine Art des Tierschutzes und der erworbene Jagdschein kein Freibrief!“ Nicht zuletzt müssten die jagdlichen Überlegungen und getroffenen Maßnahmen auch die Qualität erhalten und dem Verzehr des Wildbrets dienen. Kreisgruppenvorsitzender Gerhard v. Hößlin dankte dem Hubertusredner Dr. Bauer für seine Ausführungen mit einem Buch zur Kreisstadt FFB. Pfr. Georg Martin, zuständig für den Pfarrverband Maisach, ließ spaßeshalber durchblicken, dass er mehr auf der Jagd nach Ministranten sei. Im übrigen schätze er aber ganz besonders an Rottbach, dass ihn hier der bereits emeritierte, über 80jährige Pfr. Georg Pitzl im Gottesdienst vertrete.

Günter Schäftlein 

 

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