25 Jahre Worte, Wasser, Wein und Brot

Die Brucker Zeitgespräche

Grund zur Freude hatten die Organisatoren und der Referent, Dekan im Ruhestand Ulrich Finke (sitzend links), der fast die ganzen 25 Jahre mit dabei war und Bernd Riegel (sitzend rechts), der jetzige Leiter der Zeitgespräche mit den aktuell mitwirkenden Teammitgliedern (stehend von links): Dieter Jon, Elisabeth Stengel, Dr. Thomas Zeilinger, Wolfram Nugel. Foto: Georg Johannes Miller

Fürstenfeldbruck - 25 Jahre Worte, Wasser, Wein und Brot Die Brucker Zeitgespräche sind eine Institution geworden Fürstenfeldbruck – Seit 25 Jahren finden im Vortragsraum der evangelischen Gnadenkirche in Fürstenfeldbruck die Zeitgespräche statt.

 “Mal kamen mehr und mal weniger”, meinte Dekan Ulrich Finke in seinem launigen Jubiläumsvortrag. Er muss es wissen, denn er hat mehr als 20 Jahre diese mittlerweile zur Institution gewordene Vortragsreihe geleitet. So konnte er mit Stolz und Freude berichten, dass in den 25 Jahren 244 Gesprächsthemen aufgegriffen worden sind. Dabei galt immer der Grundsatz: “Es gibt nichts, was in der Evangelischen Erwachsenenbildung nicht Thema werden könnte”.

Das Ritual ist in alle den Jahren immer gleich geblieben, stellte der heutige Sprecher, Bernd Riegel, fest: “Bei Wasser, Wein und Brot werden Sachverhalte vermittelt”. Die Zeitgespräche wurden vom damaligen Dekan Beer 1991 ins Leben gerufen. Zwei Jahre später trat Ulrich Finke seinen Dienst als neuer Dekan an. In seinem Vortrag erinnerte er sich dann noch sehr gut: Seine damalige energische Sekretärin, die selbst im Team bei der Organisation mitarbeitete, ließ ihm keine Wahl, sich da auch einzubringen: “Da müssens als Dekan ins Team nei”. Er habe dann brav gefolgt, meinte Finke heute. Das war dann wohl ein Segen für die ganze Weiterentwicklung, denn bald wurde er Teamchef und hat die Zeitgespräche in mehr als 20 Jahren zum Erfolg geführt. In seinem Jubiläumsvortrag plauderte er dann auch “aus dem Nähkästchen” und zeigte sich davon überzeugt, dass er und sein Team immer wieder versucht haben, den sich herannahenden neuen Zeitgeist in den Zeitgesprächen wieder zu spiegeln.

So war wiederholt bis heute das Thema “Begegnung mit dem Islam” Gegenstand der Planungen. In seinem Rückblick hob er dazu eine Referentin hervor. Gülsün Sevik war 2012 zu Gast mit dem Thema: “Eine Muslima boxt sich durch”. Jene Frau, die sich dann auch tatsächlich durchgeboxt hat. In ihrer Schulzeit war sie bayerische Jugendmeisterin im Damenboxen. Ihr Weg ist heute noch beindruckend: Sie hat an der Brucker Mittelschule-Nord ihre Mittlere Reife abgelegt, es folgten Fachoberschule, Universität, Referendariat für das Lehramt an der örtlichen Mittelschule-West und seit kurzem ist sie ausgebildete Lehrerin. Finke: “Man muss also nicht unbedingt einen klangvollen Namen haben, um als Referent ausgewählt zu werden”. Das Thema Integration und Flüchtlinge sei schon bevor es ein offizielles Thema wurde, in den Zeitgesprächen gegenwärtig gewesen. Man habe sich auch der Themen angenommen, die von Theologen, aber auch von anderen Zeitgenossen, wie heiße Kartoffeln angefasst werden, ist sich Finke sicher und verwies dabei auf das geistige Heilen als eine wieder entdeckte christliche Tradition. Das damalige Publikum habe sich zwar vom bisherigen unterschieden, aber es wurde deutlich, dass geistiges Heilen in der Tat uralte christliche Wurzeln hat. Man habe nur nicht mehr darauf vertraut, seit die chemische Revolution der Pharma-Präparate eingesetzt hat, gab Finke zu bedenken.

Zeitgespräche rund um Ethik, Spiritualität und Lebenshilfe standen ebenfalls in den 25 Jahren immer wieder auf dem Programm. 1991 war die kirchliche Haltung zur Reform des Schwangerschaftsabbruches ein Thema. Vom Referenten zum Thema “Heil aus Fernost” habe man 1995 eigentlich erwartet, dass er den fernöstlichen Heilslehren “die Luft raus lässt”. So fasste Finke die damalige Diskussion im Vorfeld zusammen. Doch was tat der Referent: “Er lobte unumwunden Tai Chi, weil diese Methode ihm bei seinen Rückenproblem sehr geholfen habe”. Anders sei es dagegen beim Zeitgespräch, wo es um den Buddhismus ging, abgelaufen.”Der damalige Referent ist uns empfohlen worden, aber die Gesichter der Besucher und des Teams wurden immer länger. Der Mann ließ kein gutes Haar am Buddhismus und tat ihn als finsteren Aberglauben ab”, kommentierte Finke das damalige Malheur und betonte gleichzeitig: “Da waren wir gefordert und mussten dem Buddhismus gegenüber etwas gut machen”. Zum Vortrag des zweiten Referenten kamen dann immerhin 70 Besucher. Grundsätzlich sei man aber in all den Jahren weitgehend von Pleiten, Pech und Pannen verschont geblieben, wusste Finke zu berichten. Ein Panne skurriler Natur hatte er aber noch in Erinnerung: “Der Vortragende hatte seinen Laptop in München vergessen. Die Frage, ob es nicht mal freihändig ginge, verneinte dieser. Wir ließen ihn seufzend gegen München fahren, labten uns am Wein, der auf den Tischen stand. Der Unmut wich mehr und mehr weinseliger Heiterkeit. Nach einer Stunde war er wieder da und hielt einen ordentlichen Vortrag mit Laptop. Das Thema ist mir entfallen. Wir schlossen etwas später als sonst”.

Georg Johannes Miller

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